Typische Schmerz-Lokalisationen bei Sodbrennen |
Jeder zweite Mensch mit Sodbrennen geht wegen dieser Beschwerden nicht zum Arzt. Sehr viele Betroffenen nehmen vielmehr freiverkäufliche Anti-Sodbrennen-Mittel nach Bedarf ein - etwa 80% verwenden dabei säureneutralisierende Antazida [1]. Abgesehen davon, dass diese Arzneimittel wegen ihrer meist geringen oder fehlenden Nebenwirkungen schon lange rezeptfrei sind, gibt es für diese Wahl vor allem ein wesentliches Motiv: Der schnelle Wirkungseintritt, also die rasche Linderung oder Beseitigung des Sodbrennens oder anderer säurebedingter Beschwerden (u. a. saures Aufstoßen). Die am besten erforschten Antazida aus der Gruppe der Magnesium- und Aluminium-Salze haben dabei sogar hochsignifikant überlegene Wirkungen gegenüber freiverkäuflichen Magensäureblocker („H2-Blocker“), wie jetzt eine aktuelle Untersuchung zeigt [2].
Studie Untersucht wurden 53 ambulante Patienten mit endoskopisch bestätigter leichter Refluxkrankheit (gastro-eophageal reflux disease - GERD). Die Patienten wurden per Zufallsverfahren entweder der Antazidum- oder der H2-Blocker-Gruppe zugeordnet. Die Beschwerde-Häufigkeit (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schmerzen im Magenbereich) war in beiden Gruppen weitgehend ähnlich. Die Behandlung erfolgte - wie im Lebensalltag von Sodbrennen-Betroffenen üblich - nach Bedarf. Verwendet wurde dann je nach Gruppen-Zuordnung entweder ein Magnesium-Aluminium-Salz (Hydrotalcit, 1000 mg) oder ein H2-Blocker (Famotidin, 10 mg). Zielgrößen der Studie war die Erfassung des Wirkbeginns und die Dauer der Wirkung, wobei erst eine therapeutische Überlegenheit des Antazidums um mindestens 15% als statistisch signifikant bewertet wurde. Erfasst wurden die Beschwerden über eine vierteilige Skala („keine“, „leicht“, „mittelstark“, „schwer“), wobei ein Therapieansprechen als eine Verbesserung auf dieser Skala um mindestens zwei Punkte definiert wurde.
Ergebnisse Der Anteil der Probanden, denen es innerhalb der ersten 45 Minuten nach Einnahme des jeweiligen Mittels besser ging, war in der Antazidum-Gruppe hochsignifikant höher als bei den H2-Blocker-Verwendern (p<0.001). Die Wirkung des Antazidums trat bereits durchschnittlich 10 Minuten nach der Einnahme ein. Ein bis zwei Stunden sowie drei Stunden nach der Einnahme erwies sich die Wirkung bei beiden Arzneimittel als weitgehend vergleichbar. Erst vier Stunden nach der Einnahme lag die Ansprechrate bei dem H2-Blocker (96%) etwas höher als dem Antazidum (86,4%). In keiner Gruppen wurden irgendwelche unerwünschten Arzneimittelwirkungen beobachtet.
Bewertung Diese offene, randomisierte, vergleichende Parallel-Gruppen-Studie zeigt, dass ein wirksames Antazidum auf Basis des Magnesium-Aluminium-Salzes Hydrotalcit zu einem sehr viel schnelleren Wirkungseintritt bei Sodbrennen und vergleichbaren Beschwerden führt als bei einem Standard-Säureblocker. Und dass die Wirkung beider Medikamente mindestens für drei Stunden weitgehend gleich gut ist. Die Autoren schätzen das Antazidum deshalb als eine sichere und wirksame Möglichkeit für die Selbstmedikation bei der bedarfsabhängigen Behandlung von Sodbrennen ein. Die Studie bestätigt frühere randomisierte, Doppelblind-Untersuchungen zum Vergleich des Magnesium-Aluminium-Antazidums Maaloxan mit dem H2-Blocker Ranitidin: Auch hier zeigte sich neben dem sehr viel rascheren Wirkungseintritt des Antazidums eine bis zu drei Stunden anhaltende vergleichbare Anti-Sodbrennen-Wirkung [3].
Anmerkung Der rasche Wirkungseintritt von aluminium- und magnesium-haltigen Antazida beruht auf ihrer lokalen, chemischen Wirkung im oberen Verdauungstrakt. Vor allem neutralisieren sie einen Überschuss an Säure, der oft für akutes Sodbrennen verantwortlich ist. H2-Blocker oder andere Wirkstoffe, die die Säurebildung oder -freisetzung aus Magenzellen blockieren, müssen hingegen erst vom Körper aufgenommen und über das Kreislaufsystem zu den säurebildenden Magenzellen hintransportiert werden. Es kann deshalb nach Einnahme solcher Wirkstoff längere Zeit dauern, bis eine spürbare Wirkung eintritt.
Erblichkeit Die Refluxkrankheit und damit auch bestimmte Formen von Sodbrennen können auch erblich bedingt sein, wie zum einen die familienärztliche Erfahrung und zum anderen neueste Untersuchungen zeigen [4]. Dass allerdings auch die Beschäftigung mit diesen Erkrankungen erblich sein kann, zeigt die vorgelegte Studie, deren Hauptautor Prof. Dr. Jan W. Konturek aus Stade bei Hamburg ist. Ein anderes Familienmitglied, Prof. Dr. Stanislaw J. Konturek, hatte schon in den 90er Jahren bemerkenswerte Untersuchungen zu Antazida vorgelegt. Diese zeigten, dass das magnesium- und aluminiumhaltige Antazidum Maaloxan die Heilung von säurebedingten Schleimhautschäden im oberen Verdauungstrakt fördert. Und zwar - unabhängig von der Säure-Neutralisation - durch Stimulation lokaler Wachstumsfaktoren mit der Folge einer Heilungsbeschleunigung [5, 6]. Diese Untersuchungen runden seither das Bild von der Mehrfach-Wirkung dieses bewährten Antazidums ab: Neben der Säure-Neutralisation werden auch giftige, vermutlich an der Entstehung von Speiseröhren-Krebs beteiligte Gallensäuren entschärft („Gallensäure-Bindung“), die Schleimhaut durch eine Schutzschicht vor aggressiver Säure geschützt („Mukosa-Protektion“) und die Heilung von Schleimhautschäden stimuliert. Abgesehen von der blockierten Säurebildung oder -freisetzung weist keines der gängigen Anti-Säuremittel diese Wirkvielfalt auf.