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Protonen-Pumpen-Hemmer Antra ohne Rezept: Darauf wartet die Welt!?
- Kommentar von Rainer H. Bubenzer, Chefredakteur Sodbrennen-Welt.de -

Protonen-Pumpen-Hemmer Antra ohne Rezept

Stolz verkündet eine Pressemitteilung der Bayer AG aus Leverkusen Anfang August 2009 einen „Paradigmenwechsel in der Therapie von Sodbrennen und saurem Aufstoßen“ (→ Online). Die angesichts oft schlechter Sodbrennen-Behandlungserfolge berechtigte hohe Erwartung vieler Sodbrennen-Patienten wird jedoch gleich wieder enttäuscht: Bayer vermarktet lediglich den ehemals Milliarden schweren Schnelldreher der schwedisch-britischen Firma AstraZeneca – Antra® – als jetzt verordnungsfreies (rezeptfreies) Produkt zur Selbstmedikation. Antra (Wirkstoff Omeprazol) war der erste Protonen-Pumpen-Blocker (PPI) zur Blockade der Säurefreisetzung im Magen. Im Sinne von „Neusprech“ (→ siehe den Roman 1984 von George Orwell) ist diese Markteinführung kein Paradigmenwechsel, sondern das Gegenteil davon.

Zu der Wirkstoffgruppe der Protonen-Pumpen-Inhibitoren wurden bei Sodbrennen-Welt.de immer wieder wissenschaftlich-kritische Anmerkungen zu ihrem therapeutischen Einsatz gemacht. Die Kritik bleibt auch angesichts der – sachlich ungerechtfertigten – Teil-Aufhebung der Rezeptpflicht bestehen. Schließlich greifen PPIs auch ohne Rezept extrem stark in den Körper ein und sind nebenwirkungsreiche Wirkstoffe zur totalen Säureblockade im Magen.

Anders als manche Experten, Fachjournalisten und Sodbrennen-Betroffene gegenüber Sodbrennen-Welt.de äußern, ist eine Arzneimittelzulassung oder die Veränderung einer bestehenden Zulassung kein Ausdruck eines quasi göttlichen Ratschlusses! Mit der oft intransparenten Interessens- und Entscheidungslage der von unseren Steuergeldern hochbezahlten Beamten im Bereich des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und anderer öffentlich bestallter Arzneimittel-Entscheider beschäftigen sich neben Staatsanwaltschaften auch Organisationen zur Korruptionsbekämpfung (→ z. B. „Transparenzmängel, Korruption und Betrug im deutschen Gesundheitswesen – Kontrolle und Prävention als gesellschaftliche Aufgabe“, Transparency.org, Berlin, 2008). Im folgenden seien nur einige der relevanten wissenschaftlichen Einwände gegen eine unkritische (Über-)Verwendung von Protonen-Pumpen-Inhibitoren und damit ihre Anwendung im Bereich Selbstmedikation wiederholt [1]:

Der von Bayer reklamierte Paradigmenwechsel existiert nicht

Aus wirtschaftlicher Sicht ist verständlich, dass nach Ende der Patentfristen für PPI auch deutsche Unternehmen noch etwas Rahm von den ehemals fetten Gewinnen mit diesen Wirkstoffen abschöpfen möchten (ohne dafür außer etwas Werbung nichts mehr investieren zu müssen). Dass der jetzige Lizenznehmer (Bayer AG, das weltweit zwölftgrößte Pharmaunternehmen) jedoch so unverhohlen an den Interessen der Millionen von Sodbrennen-Patienten vorbei die Vermarktung eines Produktes betreibt, das sich aus guten Gründen auf dem absteigenden Ast befindet, verlängert die lange Liste der mit dem Leverkusener Unternehmen verbundenen Skandale (→ Wikipedia.org: „Bayer AG“).

Den von der Bayer-Propaganda gewitterten „Paradigmenwechsel“ (= radikale Änderung des Blickwinkels!) hat es übrigens bei dem Lizenzgeber AstraZeneca schon vor geraumer Zeit gegeben (→ Protonenpumpeninhibitoren bei jedem zweiten Sodbrennen-Patienten unwirksam – Paradigmenwechsel bei AstraZeneca?). Und zwar im wesentlichen mit dem Eingeständnis der Unternehmens-Wissenschaftler, der PPI-Wirkstoff Omeprazol sei weitaus weniger wirksam als zuvor immer behauptet. Einer der wesentlichen Gründe sei eine völlig neue Sicht auf die Entstehung der Refluxkrankheit [2].

Spitzenmedizin und Menschlichkeit?

Doch die von Bayer bei der Antra-PR eingesetzten Wissenschaftler scheinen von solchen Argumenten noch nie etwas gehört zu haben. So behauptet bei der Einführungspressekonferenz am 12.8.2009 in Hamburg ein Prof. Dr. Gerald Holtmann, Gastroenterologe und ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen (Motto: „Spitzenmedizin und Menschlichkeit“), dass die Ursachen für Sodbrennen und saures Aufstoßen als Symptome der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) „ein geschwächter Schließmuskel am Mageneingang sowie eine übermäßige Magensäure-Produktion sind“ [3, 4]. Wer sich nur ein wenig mit der weltweit wohl häufigsten Gesundheitsstörung auskennt, weiß: Diese angeblichen Ursachen haben mit den wirklichen Ursachen bei den allermeisten von Sodbrennen oder saurem Aufstoßen betroffenen Patienten rein gar nichts zu tun.

Übrigens: Wie die nur für 14 Tage zugelassene Einnahme des freiverkäuflichen PPIs Antra sinnvoll zur Heilung einer chronischen Refluxkrankheit beitragen soll, führen weder der für Bayer angetretene Experte noch die PR-Informationen von Bayer aus. Dabei hat das Unternehmen eine Alternative, die dem bei Sodbrennen-Welt.de häufiger vorgestellten, säureneutralisierenden und schnell wirksamen Antazidum Maaloxan® in der Geschwindigkeit des Wirkungseintritts, der erfreulichen Heilungsförderung von Schleimhautschäden oder der Entgiftung anderer Magensaft-Bestandteile nahekommt ...



Autor
Quellen
  1. Heidelbaugh JJ, Goldberg KL, Inadomi JM: Overutilization of proton pump inhibitors: a review of cost-effectiveness and risk. Am J Gastroenterol. 2009 Mar;104(2 Suppl):S27-32. Review. Erratum in: Am J Gastroenterol. 2009 Apr;104(4):1072. Am J Gastroenterol. 2009 Mar;104(2 Suppl):S39 (Medline, DOI doi:10.1038/ajg.2009.49).
  2. Lehmann A: Novel treatments of GERD: focus on the lower esophageal sphincter. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2008 Aug;12 Suppl 1:103-10 (Medline).
  3. nach Berg C: Protonenpumpenhemmer – Omeprazol zur Selbstmedikation. Pharmazeutische Zeitung. 2009, 34 (Volltext).
  4. Pressemitteilung Bayer Health Care: Antra® jetzt rezeptfrei bei Sodbrennen. Leverkusen, 12.8.2009 (Volltext).
  5. Bildquelle: Udo Kroener MR - Fotolia.com

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