Vergleich OTC H2-Blocker und Antazida in der Selbstmedikation
Insbesondere bei Beschwerden wie Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden ist der Wirkungseintritt für den betroffenen Patienten von großer Bedeutung. Gerade bei diesem Parameter besitzen Antazida jedoch Vorteile gegenüber den OTC H2-Blockern Ranitidin und Famotidin:
- H2-Blocker können erst nach Aufnahme über den Magen und die Blutbahn ihre Wirkung entfalten. Somit ist erst 30-60 Minuten nach Einnahme mit einem Wirkungseintritt zu rechnen (s. auch Fachinformation zu den Produkten, Abschnitt 13, Pharmakologische Eigenschaften:...Der Wirkungseintritt nach Verabreichung von 10 mg Famotidin / 75 mg Ranitidin zeigte sich ungefähr nach ca. 1,5 Stunden....)
- Antazida (wie z. B. Maaloxan Suspension) wirken praktisch sofort nach ihrer Einnahme, da sie nach dem Schlucken direkt mit der Magensäure reagieren. Dies wird durch die Ergebnisse unsere aktuellen Anwendungsbeobachtung an 10.130 Patienten mit dem Produkt belegt (94% der Patienten mit Sodbrennen hatten bereits nach 30 Minuten eine Beschwerdebesserung und 85% nach 60 Minuten eine Beschwerdebefreiung).
Dieser schnellere Wirkungseintritt ist insbesondere in der Selbstmedikation ein entscheidendes Argument für den Patienten, der natürlich so schnell wie möglich von seinen Beschwerden befreit werden möchte.
Inwieweit die 12-stündige Wirkungsdauer der H2-Blocker tatsächlich ein entscheidender Präparatevorteil ist, sei im übrigen dahingestellt, da z. B. das Symptom Sodbrennen eher zeitlich begrenzt ist und nur bei wenigen Patienten über einen derart langen Zeitraum fortdauernd anhält. Vielmehr leiden die betroffenen Patienten häufig an intermittierenden Attacken, die sie entsprechend der Symptomatik dann auch sehr gut mit einer Dosis eines Antazidums (z. B. 1 Beutel oder 1 Tablette) behandeln können. Bei einem derartigen Vorgehen beträgt die durchschnittliche Dosierung von Maaloxan 3 Beutel pro Tag, was ebenfalls aus den Ergebnissen unserer Anwendungsbeobachtung hervorgeht. Dem steht eine Dosis von 2 Tabletten der H2-Blocker pro Tag gegenüber, was aus Gründen der Compliance und Handhabung nicht so entscheidend sein dürfte. Lediglich Patienten, die unter nächtlichem Sodbrennen leiden, profitieren möglicherweise von der Anwendung des H2-Blockers, da sie bei abendlicher Einnahme voraussichtlich über die gesamte Nacht keine Beschwerden haben werden. Allerdings ist dies sicherlich nur ein kleiner Teil des Gesamtkollektivs, so daß die 12-stündige Wirkdauer nicht so wichtig ist, wie sie von den Herstellerfirmen deklariert wird.
Im übrigen verführt die Bewerbung dieser Produkteigenschaft auch zu einem gewissen Mißbrauch, da es theoretisch möglich ist, eine Tablette der H2-Blocker zu nehmen bevor man durch diätetisches Fehlverhalten (z. B. opulente Mahlzeiten, Alkoholkonsum etc.) die Beschwerden provoziert. Dies ist sicherlich nicht im Sinne einer medikamentösen Behandlung, auch wenn es sich um ein niedrig dosiertes Präparat handelt. Gerade im Rahmen der Selbstmedikation ist jedoch ein solches Verhalten nicht auszuschließen.
Letztendlich muß auch berücksichtigt werden, daß bei unerlaubter höherer Dosierung mit den H2-Blockern auch die Symptomatik gravierender Magenerkrankungen (Ulcera und insbesondere Carcinome) unterdrückt werden kann, und so eine notwendige ärztliche Diagnostik und Therapie möglicherweise nicht bzw. erst zu spät durchgeführt wird.

