Ernährungshinweise bei refluxbedingtem Sodbrennen
|
Viele Sodbrennen-Betroffene haben den Eindruck, ihre Beschwerden verschlimmern sich durch eine bestimmte Ernährung oder werden gar durch diese ausgelöst. Auch wenn in den meisten Fällen chronisch-wiederkehrenden Sodbrennens eine gezielte Ernährungsumstellung das Grundleiden nicht heilen kann (da Sodbrennen zumeist Folge einer chronischen Refluxkrankheit ist), können ernährungsmedizinische Maßnahmen im Einzelfall wirksam sein.
Die Zielvorstellungen sind dabei:
- Versuch, die schädigenden Auswirkungen des Rückflusses von Magensaft in die Speiseröhre ("gastroösophagealer Reflux") auf die Speiseröhrenschleimhaut zu lindern.
- Verbesserung der Selbstreinigungsfähigkeit der Speiseröhre ("Ösophagus-Clearance").
- Verminderung von Menge und Schädlichkeit des zurückfließenden Magensaftes ("Reduktion von Quantität und Aggressivität des Refluats").
- Stärkung der Verschlusskraft des muskulären Verschlussapparates am Übergang von Speiseröhre zum Magen (Tonisierung des unteren Ösophagussphinkters).
- Vermeiden von nahrungsbedingten Einflüssen, die normale Funktion der Speiseröhren-Muskulatur stören könnten ("Reduktion von tonusschwächenden alimentären Einflüsse").
Die folgenden Hinweise sind alte, erfahrungsmedizinische Vorschläge, die in vielen Fällen niemals wissenschaftlich geprüft worden sind. Trotzdem empfehlen Ernährungsmediziner solche Maßnahmen vor Beginn jeder Sodbrennen- oder Refluxbehandlung mit Medikamenten. Denn: Allein in Folge von Ernährungs-Umstellungen können Beschwerden bei vielen Sodbrennen-Betroffenen verschwinden oder wenigstens geringer werden. Hinweis: Millionen von Menschen leiden lebenslang unter ihrer chronischen Refluxkrankheit. Oftmals wird es deshalb sinnvoll sein, qualifizierten Expertenrat bei Planung und Durchführung einer Ernährungsumstellung in Anspruch zu nehmen (Ernährungsmediziner, Ernährungsberater).
- Nach bisher überwiegender Auffassung ist eine fett- und zuckerreduzierte (Fettanteil <25%, Zuckeranteil <10% der Energiezufuhr), mit Eiweiß (bis auf 1,0-1,2 g/kg/Tag) und Ballaststoffen angereicherte leichte Vollkost empfehlenswert. Dabei sollten individuell unverträgliche Bestandteile und Zubereitungsweisen ausgeschaltet werden. Vorsicht insbesondere mit hocherhitzten (Braten, Schmoren, Frittieren) Fetten, fetten Fleischwaren, Schweineschmalz, Mayonnaise, mit scharfen Gewürzen, Zwiebel, Knoblauch, Essiggemüse, Tomatenketchup, säurereichem Obst, sauren Säften, gezuckerten Limonaden, Kakao, Schokolade, Süßigkeiten, Pfefferminz, Speiseeis.
- Zurückhaltung mit Bohnenkaffee (auch koffeinfreiem), schwarzem Tee, Cola- und anderen CO2-haltigen Getränken, besonders bei leerem Magen. Achten Sie genau auf Ihre körperlichen Reaktionen - ob das Sodbrennen nach einem Kaffee oder einer Limonade z. B. stärker wird.
- Weitgehender Verzicht auf alkoholische Getränke, vor allem in konzentrierter Form und vor dem Schlafengehen. Alkohol schädigt nämlich einerseits die Speiseröhren-Schleimhaut direkt vor Ort und verschlechtert andererseits auf dem Blutwege die Muskelfunktionen des Organs.
- Keine sehr heißen oder sehr kalten Getränke und Gerichte.
- Abbau des oft bestehenden Übergewichts (kann allein schon zur Beschwerdefreiheit führen!). Andere Magen-Darm-Probleme wie chronische Verstopfung ("Obstipation") oder Blähungen ("Meteorismus") sollten mit ärztlicher Hilfe beseitigt werden.
- Anstelle einzelner relativ reichlicher, besser häufigere (5-6) kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten. Und: Etwaige Mittagsruhe frühestens 1/2 Stunde nach dem Essen. Achten Sie auch auf eher knappe Abendmahlzeiten, spätestens 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen. Zum Liegen und Schlafen Hochlagern des Oberkörpers.
- Ist die Refluxkrankheit sehr heftig geworden, ist vom Arzt vielleicht sogar eine akute Schleimhautentzündung in der Speiseröhre ("akut-ösophagitische Exazerbation") festgestellt worden, sollte die Ernährung vorübergehend als flüssig-breiige (pürierte) Kost aufgenommen werden. In speziellen Problemfällen (z. B. bei sog. "eosinophiler Ösophagitis") kann sogar eine Sondenernährung direkt in den Zwölffingerdarm nötig werden ("jejunale Sondenernährung", "Oligopeptiddiät"). In jedem Fall ist dann anschließend nach Ernährungsberatung ein vorsichtiger Kostaufbau notwendig.
Auch wenn kaum eine dieser Maßnahmen die chronische Refluxkrankheit wirklich ursächlich "heilt", können die Beschwerden oftmals deutlich gelindert werden oder sogar ganz verschwinden. Eine Diätumstellung bei chronischem Sodbrennen sollte also ein grundlegender Bestandteil der Behandlung sein. Wichtig: Alle genannten Empfehlungen sollten individuell und flexibel gehandhabt werden. Als Richtschnur dienen dabei persönliche Unverträglichkeiten und natürlich die Linderung der Sodbrennen-/Reflux-Beschwerden. Achtung: Achten Sie bei jeder Ernährungsumstellung darauf, dass die bedarfsgerechte Versorgung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen immer gewährleistet bleibt (z. B. wasserlöslichen Vitaminen oder Calcium).
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, Juli 2004.
- Heepe F, Wigand M: Lexikon Diätetische Indikationen - Diätetische Indikationen - Spezielle Ernährungstherapie und Ernährungsprävention. Springer Verlag, Heidelberg, 4. überarbeitete u. erw. Auflage, 2002.
- NN: Lexikon der Ernährung. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Band 1-3, 2002.

