Erkrankungen der Speiseröhre
Medizinische Therapie
Behandlungsbeginn Der wichtigste Grundsatz bei der Refluxerkrankung lautet: "Die Verschleppung der Beschwerden und ein verzögerter Behandlungsbeginn sind zu vermeiden!". Wird nämlich nicht frühzeitig die Schädigung der Speiseröhren-Schleimhaut durch Magensaft verhindert, kann es zu Dauerschäden kommen. Diese führen dann zu den eigentlichen Komplikationen der Refluxerkrankung, nämlich Geschwürsbildung, Narbenbildungen mit Einengung der Speiseröhre, schließlich Ersatz der normalen Speiseröhrenschleimhaut durch andere Schleimhaut und in nicht wenigen Fällen zur Krebsentstehung.
"Compliance" Fast immer wird die anfängliche Behandlung einer Refluxerkrankung mit Medikamenten durchgeführt, die den schädigenden Einflüssen der Magensäure entgegenwirken. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Arzt genauso notwendig wie die regelmäßige Medikamenteneinnahme ("Compliance"). Z. B. ist es wichtig, dass der Arzt bald nach Behandlungsbeginn erfährt, zu welchem Erfolg das Medikament oder die gewählte Dosis geführt hat. Nur wenn der Arzt von weiter bestehenden Beschwerden erfährt, kann z. B. eine Anpassung der Dosis vorgenommen werden. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn z. B. gelegentliche Nebenwirkungen vorkommen. Oft ist es auch hilfreich mit dem behandelnden Arzt über die umfangreichen und manchmal beunruhigenden Angaben des Beipackzettels der verordneten Medikamente zu sprechen.
Therapie der Komplikationen Ist bereits ein Geschwür ("Ulkus") in der Speiseröhre entstanden, wird dieses mit den gleichen Medikamenten behandelt, die auch beim Ulkus des Magens (s.u.) zur Anwendung kommen. Ist eine Verengung aufgetreten, dann kann diese durch bestimmte Instrumente wieder aufgedehnt werden. Nach der Dehnung ist eine konsequente Behandlung mit starken Säurehemmern notwendig, um das Wiederentstehen der Speiseröhren-Verengung zu vermeiden. Allerdings kann es auch unter dieser Behandlung noch ein- bis zweimal notwendig sein eine Dehnung durchzuführen.
Operative Behandlung Wenn eine chronische Refluxerkrankung schon im frühen Alter auftritt, mit Medikamenten kaum zu kontrollieren ist und/oder mit schweren Komplikationen einhergeht (z. B. Atemwegserkrankung durch Rückfluss bis in die Atemwege), dann kann eine operative Verengung des Speiseröhren-Ausgangs sinnvoll werden. Der heute sicher beherrschte Eingriff besteht aus der Formung einer verengenden Speiseröhren-Manschette aus Gewebe des oberen Magenanteils. Diese Manschette verhindert mit großer Wahrscheinlichkeit langfristig den Rückfluss aus dem Magen. Die Operation kann sowohl "offen" als auch über einen Bauchspiegel ("Laparoskop") durchgeführt werden. Reflux-Rückfälle kommen nach dem Eingriff nur noch selten vor.
Kontrolluntersuchungen Ein Hauptrisiko der chronischen Refluxerkrankung ist der Ersatz der normalen Speiseröhren-Schleimhaut im unteren Speiseröhrenanteil durch "ortsfremde" Schleimhaut ("Barrett-Ösophagus"). Dies erhöht nämlich die Gefahr, dass sich in diesem Bereich eine Krebsgeschwulst entwickelt. Um das Krebsrisiko zu verringern, ist es ratsam, von erfahrenen, mit der Endoskopie sehr vertrauten Ärzte eine endoskopische Untersuchung mit Probenentnahmen durchführen zu lassen. Und zwar besonders, wenn die Rückflussbeschwerden länger als 5 Jahre bestehen und die Patienten über 40 sind. Die Spiegelung, Probenentnahme und und anschließende mikroskopische Gewebeuntersuchung muss, je nach Ergebnis, kurzfristig (nur bei wenigen Patienten) oder nach zwei Jahren wiederholt werden. Nur durch solche regelmäßigen Kontrollen ist es möglich, Frühstadien von Krebsgeschwulsten rechtzeitig zu entdecken. Also dann, wenn noch gute Heilungsaussichten bestehen.
Heilungs-Aussicht Der Behandlungserfolg bei der Refluxkrankheit ist bei rund der Hälfte aller Patienten gut und dauerhaft. Besonders wenn die Patienten die Reflux fördernden Einflüsse strikt meiden. Bei anderen Patienten kommt es jedoch immer wieder zu einem Wiederauftreten von Reflux und/oder Beschwerden. In einem vertrauensvollen Gespräch mit dem behandelnden Facharzt sollten dann die Möglichkeiten und Risiken der medikamentösen Dauerbehandlung und der operativen Eingriffe besprochen werden.
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