Erkrankungen des Magens
Funktionen des Magens
Vorratsfunktion Der Magen ist ein wesentlicher Bestandteil des Verdauungssystem. Er hat zunächst die Funktion eines Vorratsbehälters, der es erlaubt, dass wir mit wenigen Mahlzeiten am Tage unsere notwendige Nahrungsmenge aufnehmen können, ohne ständig essen müssen. Die Depotaufgabe wird überwiegend von der oberen Magenhälfte wahrgenommen. Das normale Fassungsvermögen des Magens beträgt etwa 11/2 bis 2 Liter. Die obere Magenhälfte kann sich bei der Nahrungsaufnahme der jeweiligen Nahrungsmenge weitgehend anpassen. Dabei erweitert sich die Muskulatur ohne Anspannung ("adaptierte Relaxation"), d.h. der Druck im Magen steigt nicht merklich an. Ist diese Anpassungsfähigkeit gestört, kann es zu schnellem Sättigungs- und Völlegefühl kommen.
Mechanische Zerkleinerung Der Magenausgangsteil zerkleinert durch knetende Muskelbewegungen ("Magenmühle") einen Teil der Nahrung so weit, dass er den Magenausgang passieren kann. Diese Funktionsteilung innerhalb des Magens scheint für eine "unbeschwerte" Verdauung bedeutsam zu sein. Bei Patienten mit unklaren Oberbauchbeschwerden zeigt sich nämlich, dass große Anteile der gerade aufgenommenen Nahrung gleich im Magenausgangsteil abgelagert werden.
Transportfunktion Neben der Speicherfunktion transportiert der Magen die Nahrung natürlich weiter in den Darm. Um den Verdauungsprozess effektiv zu gestalten, ist eine portionsweise Abgabe des Speisebreies aus dem Magen äußerst wichtig. Wenn die aus dem Magen in den Dünndarm gelangten Speiseanteile dort weitgehend verdaut worden sind, gibt der Magen eine weitere Speiseportion ab. Dieser Mechanismus verhindert, dass das Darminnere durch zu große Speisemengen übermäßig gedehnt wird und dass nur kleine Mengen eines zu stark konzentrierten Speisebreies verdaut werden müssen.
Magenentleerung Die Magenentleerung ist von verschiedenen Einflüssen abhängig. Kohlenhydratreiche (zuckerhaltige) Speisen werden z. B. schneller entleert als eiweiß- oder fetthaltige Nahrungsmittel. Zucker, Reis oder Weißbrot bleiben nur ein bis zwei Stunden im Magen, fetthaltige Speisen (z. B. Schweinebraten) dagegen bis über sechs Stunden. Flüssigkeiten verlassen den Magen hingegen schon innerhalb einer Stunde. Wenn sich danach noch Nahrungsreste im Magen befinden, etwa wenn sie durch die Magenmühle nicht auf einen Durchmesser von weniger als zwei Millimeter zerkleinert werden konnten (nur solche kleine Partikel können während der Verdauungsphase aus dem Magenpförtner austreten), setzen spezielle Bewegungen der Magenmuskulatur ein, die diese Bestandteile wie ein Reinigungsbesen aus dem Magen in Richtung Darm befördern.
Chemische Verdauung Was die "chemische Seite" der Verdauung betrifft, spielt der Magen keine entscheidende Rolle. Allerdings läuft die, bereits durch den Mundspeichel im Mund begonnene Kohlenhydrat-Verdauung im Magen in gewissem Umfang weiter. Zudem wird die Eiweißverdauung durch das Verdauungsenzym "Pepsin" eingeleitet. Pepsin entsteht aus verschiedenen Vorstufen (Pepsinogene), die von den Hauptzellen des Magens gebildet werden. Schließlich werden auch Fette durch die säureresistente Lipase des Magens schon in beschränktem Maße abgebaut.
Funktion der Magensäure Die Umwandlung der Pepsinogene zum aktiven Pepsin wird erst durch das Vorhandensein von Magensäure möglich. Dies ist aber nicht die einzige Funktion, die die Magensäure hat: Sie erzeugt auch eine günstige Situation für die Aufnahme von Eisen in den Körper und desinfiziert die Nahrung, indem sie mit der Nahrung aufgenommene Keime vernichtet. Umgekehrt trägt sie dazu bei, dass im Darm vorhandene Bakterien nicht den oberen Verdauungstrakt besiedeln können. Eine Überwucherung des Magens mit Bakterien könnte dort eine Krebsentwicklung begünstigen. Alle diese Funktionen sind nicht akut lebensnotwendig, das Fehlen von Magensäure wird vom Körper über lange Zeit verkraftet.
Vitamin B12 Schließlich bildet der Magen den sog. Intrinsic-Faktor. Dies ist eine Substanz, die für die Aufnahme des lebensnotwendigen Vitamin B12 in den Körper unverzichtbar ist. Fehlt dieser Faktor, z. B. nach operativer Entfernung des Magens, benötigt der entsprechende Patienten alle 4-6 Wochen Vitamin B12-Injektionen. Bekommt er diese nicht, können sich eine schwere Blutarmut und Gang-Störungen einstellen. Der Intrinsic-Faktor wird nur von der Magenschleimhaut gebildet.
Magensaft Unter Normalbedingungen produziert der Magen im Nüchternzustand nur wenig Saft. Aber schon das An-das-Essen-Denken oder auch nur Riechen und Schmecken von Nahrung bewirken eine vermehrte Saftabgabe ("Mir läuft das Wasser im Mund zusammen"), die dann ihren größten Umfang erreicht, wenn die Speisen in den Magen gelangen. Der durch die Nahrungsaufnahme bedingte Dehnungsreiz im Magen und zahlreiche Effekte von Nährstoffen auf die Schleimhaut des Magens führen über den sog. Vagusnerv und über die Freisetzung eines Verdauungshormons ("Gastrin") zu einer starken Magensaftabgabe. Eine besonders starke Säurebildung löst dabei eiweißreiche Kost aus. Umgekehrt binden vor allem Eiweiße am besten die Säuren und sind daher bei einer Magen-Übersäuerung am besten verträglich. Zuckerhaltige Nährstoffe haben hingegen kaum Säure bindende Eigenschaften und werden schlecht von Menschen mit einer Magenübersäuerung vertragen.
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