Sodbrennen durch Spätschicht
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Spät- und Nachtschichten machen krank, das ist bekannt. Dass besonders Spätschichten zu deutlich stärkeren Magen-Darmproblemen führen, wurde jetzt durch Untersuchungen am US-amerikanischen Bundesinstitutes für Arbeitsplatzsicherheit und -Gesundheit und der Universität von Michigan in Ann Arbor belegt, so ein Bericht in der Fachzeitschrift American Journal of Industrial Medicine [1]. Diese Menschen haben viel häufiger gesundheitliche Probleme wie Sodbrennen, Magengeschwüre oder Verstopfung als Arbeiter mit anderen Arbeitszeiten.
Das Forscherteam um Dr. Claire C. Caruso untersuchte 343 Spätschicht-Arbeiter in der Automobilindustrie, befragte alle nach ihren gesundheitlichen Problemen und ihren Arbeitsrhythmen. Sie fanden heraus, dass Spätschicht-Arbeiter (von 2.30 Uhr mittags bis 11.00 Uhr nachts) viel häufiger über Magen-Darm-Beschwerden klagten als jene mit anderer Schichtarbeit. Übelkeit, Brechreiz, Sodbrennen, Magenverstimmung, Bauchschmerzen, Appetitverlust und Durchfall standen im Vordergrund. Zudem berichteten sie dreimal häufiger über medizinische Diagnosen von Erkrankungen im Magen-Darmtrakt. Allen vor Magengeschwür, chronisch-entzündliche Dickdarm-Entzündung (Colitis ulcerosa) und Dickdarm-Polypen.
Die Studie zeigte zudem, dass Spätschichtarbeiter deutlich veränderte Arbeitsgewohnheiten haben. Z. B. häufiger länger arbeiten, mehr Stunden auch Nachts - von Mitternacht bis 5 Uhr morgens - mit Arbeit zu verbringen und insgesamt einen eher unregelmäßigem Tagesplan haben. Dies kann verschiedene Ursachen haben, so Caruso. "Entweder finden Spätschichtarbeiter weniger Gelegenheit für einen körperlich angemessenen, biologisch notwendigen Schlaf finden. Oder die Art und Weise ihres Tages- und Arbeitsablaufs führt selbst zu Schlafstörungen". Eine weitere Ursache der vermehrten Magen-Darmprobleme von Spätschichtarbeitern könnte auch sein, so Caruso, dass unregelmäßige Arbeitszeiten die innere Uhr der Betroffenen stören. Diese innere Uhr steuert nicht nur unsere Nahrungsaufnahme, sondern auch die Verdauung selbst, z. B. die Magensäurefreisetzung, die Geschwindigkeit des Nahrungstransportes durch den Darm und anderes. Schließlich könnten auch soziale Belastungen die Gefahr von Magenerkrankungen und anderen Störungen des Verdauungsapparates erhöhen. Schließlich sind die Betroffenen besonders bei Spätschichten von ihren Freunden und Familien isoliert. Dies bedeutet für viele Menschen eine erhebliche Belastung ("Stress") und trägt, über Nerven und Stresshormone vermittelt, zu vermehrten Magen-Darm-Problemen bei.
| Antazida-Einnahme bei Schichtarbeit | ||||
| Branche | Geschlecht | Verwendung von Antazida |
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|---|---|---|---|---|
| Textil | Männer | 24,5 % | ||
| Nahrungsmittel | Frauen | 16,0 % | ||
| Krankenhaus | Männer Frauen |
15,1 % 12,3 % |
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| Fluglotsendienst | Männer | 11,7 % | ||
| Quelle: Costa (1996) | ||||
Tatsache ist, dass Magen-Darmprobleme zu den am häufigsten geklagten Beschwerden von Schichtarbeitern überhaupt gehören. Besonders dann, wenn Tag-, Spät- und Nachtschichten wechseln (und am schlimmsten, wenn sie unregelmäßig wechseln). Klar ist auch, dass Schichtarbeit neben Magen-Darmproblemen auch zu Schlafstörungen, Schlafmangel mit gefährlicher Tagesmüdigkeit, Vergesslichkeit, Bluthochdruck oder seelischen Problem (vor allem Depressionen) führt. Durch Störungen von Immunfunktionen steigt sogar die Zahl von Krebserkrankungen. In der Bundesrepublik arbeiten ca. 5 Millionen Menschen mindestens gelegentlich Nachts, 800.000 davon ständig.
Hieraus folgt:
- Wer gut schläft, hat weniger Magen-Darm-Beschwerden und andere medizinische Symptome.
- Ausgewählt-vollwertige, gesunde Ernährung beugt zusätzlichen Verdauungsproblemen vor.
- Die Regeln der Schlafhygiene sind für Spät- und Nachtschichtarbeiter besonders wichtig (siehe unten).
- Schichtarbeiter sollten auf eine besonders regelmäßige Lebensführung achten, um gesundheitliche Probleme einzugrenzen (z. B. immer gleiche Schlaf- oder Essenszeiten).
- Arbeitsschichten sollten immer "vorwärts" gewechselt werden: Tages- → Spät → Nachtschicht. Niemals "rückwärts" oder durcheinander, weil dies die innere Uhr am meisten durcheinander bringt.
Wichtige Schlafhygiene-Regeln:
• Gehen Sie regelmäßig (=immer zur gleichen Zeit) zu Bett und stehen Sie ebenso regelmäßig wieder auf.
• Passen Sie die Zeit im Bett Ihrem wirklichen Schlafbedürfnis an - also nicht 12 Stunden im Bett liegen, wenn Sie "normalerweise" nur 6 Stunden brauchen. Wichtig: Nicht zu früh ins Bett gehen, nicht stundenlang auf den Schlaf warten.
• Machen Sie keine Siesta (Nickerchen) tagsüber. Auch nicht, wenn Sie sich müde fühlen!
• Im Bett nur Schlafen - nicht Lesen, Fernsehen, Essen oder arbeiten.
• Schauen Sie nicht ständig auf die Uhr, wenn Sie schlafen wollen.
• Ihr Schlafzimmer sollte luftig, still und trocken sein, die Raumtemperatur etwa 18° Celsius betragen.
• Innere Entspannung ist wichtigste Voraussetzung eines guten Schlafs. Also nicht noch lange grübeln. Besser: Innere Zwiesprache halten, stressige Lebenselemente vergegenwärtigen und innerlich verabschieden.
Vermeiden Sie vor dem Zubettgehen:
• Keine aktivierenden körperlichen Tätigkeiten (z. B. Sport, schwere Gartenarbeit). Ein halbstündiger Spaziergang wirkt aber in der Regel entspannend.
• Kein Kaffee, kein Tee oder andere koffeinhaltige Getränke.
• Kein Alkohol (obwohl er Einschlafen fördert, behindert er Durchschlafen und mindert Schlafqualität).
• Nicht Rauchen, da Nikotin anregend wirkt.
• Keine schweren Mahlzeiten.
Markieren Sie Ihr Schlafengehen mit einer immer gleichen Handlung ("Einschlaf-Rituale"):
• Trinken Sie ein Glas warme Milch mit Honig (wirkt beruhigend, erinnert an die Kindheit), oder Ihren Schlaf-Tee.
• Lüften Sie noch einmal kurz das Schlafzimmer, atmen Sie einige Minuten tief durch (nicht an einer lauten Straße!).
• Religiöse Menschen sollten ein Abendgebetes sprechen. Alternativ: Entspannungsübung oder 10 Minuten ruhige, klassische Musik, z. B. von Mozart oder Bach, hören.
• Bereiten Sie das Bett einladend vor, legen z. B. ein Lavendel-Säcken neben das Kopfkissen (die ätherischen Öle wirken entspannend und beruhigend).
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, 2005.
- Caruso CC, Lusk SL, Gillespie BW: Relationship of work schedules to gastrointestinal diagnoses, symptoms, and medication use in auto factory workers. Am J Ind Med. 2004 Dec;46(6):586-98 (Medline).
- Wedderburn A, Costa G, Gadbois C, Jansen B, Knauth P, Léonard R (Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen): Schichtarbeit und Gesundheit. Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, 2000. (Volltext, PDF ca. 700 KB), siehe vor allem Kapitel 5, Seite 21-25, "Verdauungsprobleme".

