Magen-Darm-Probleme - so hilft die Natur (Teil 3 von 3)
So beugen Sie vor 
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Unser Darm-Hirn steuert alle Bewegungen von Speiseröhre, Magen und Darm (=Verdauungskanal). Und auch die Abwehrfunktionen. Und zwar in enger Abstimmung mit unserem Hormonsystem. Das Darm-Hirn ist über Nerven und Botenstoffen (Signalsubstanzen, Hormone) eng mit dem Gehirn verknüpft, wird teilweise von dort gesteuert. Dies ist ein Grund, warum z. B. Mega-Stress zu Durchfall führen kann (dieser Vorgang bedeutet: Mega-Stress ist Gift für Körper und Seele - und Gift im Darm versucht der Körper so rasch wie möglich mittels Durchfall, im Magen durch Erbrechen, loszuwerden). Gesundheit von Speiseröhre, Magen und Darm betrifft deshalb immer den ganzen Menschen, ist also Teil ganzheitlicher Vorbeugung.
Bewegung
Der Verdauungskanal hat eine eigene Muskelschicht, ohne deren ausreichende Bewegung sofort Störungen auftreten, z. B. Verstopfung. Aber: Die Natur hat es so eingerichtet, dass hierfür eine häufige Anregung durch die umgebenden Muskeln nötig ist (Speiseröhre: Atemmuskeln und Zwerchfell, Magen: Zwerchfell, Darm: Muskeln der Bauchwand, des Beckenbodens und des Rückens). Körperliche Bewegung ist also unerlässlich für die korrekte Funktion des Magen-Darmtraktes. Wissenschaftlich belegt ist: Atemtherapie ist wirksam bei der Refluxkrankheit (Sodbrennen), Bauchmuskeltraining lindert Beschwerden von Reizmagen und Reizdarm, rhythmische Sportarten wie Walken, Laufen oder Schwimmen helfen Verstopfung zu beseitigen. Allerdings müssen die Übungen regelmäßig trainiert werden, mind. 3x wöchentl. für 30 Min. Extremsport ist übrigens nachteilig, führt oft zu Sodbrennen, schwerem Durchfall oder Darmblutungen (z. B. Marathonlauf). Tipp: Die normalen Streck- und Beugeübungen der Gymnastik (Verein, Fitness-Studio) steigern zudem die Durchblutung im Bauchraum, die - z. B. nach langem aufrechtem Sitzen - oft verringert ist. Grundsätzlich gilt: Bewegen Sie sich so oft wie möglich, das ist darmgesund!
Entspannung
Die Aktivität der Darmmuskeln und der willkürlich anspannbaren Muskeln hängen also eng zusammen. Chronische Verspannung z. B. der Rückenmuskulatur macht deshalb nicht nur Rückenbeschwerden, sondern stört auch Funktionen des Verdauungskanals. Die einfachste Übung zur Entspannung des Bauches: Legen Sie sich auf eine warme Decke ausgestreckt auf den Boden, strecken Arme und Beine aus, schließen die Augen und atmen einfach (hilfreich ist etwas leise klassische Musik im Hintergrund, z. B. von Mozart oder Corelli). Nach 5 Minuten Zur-Ruhe-Kommen lassen Sie beim Einatmen Ihre Bauchdecke sich leicht anheben, beim Ausatmen wieder absinken (sog. Bauch-Atmung, manche Menschen machen das spontan so). Viele finden es hilfreich, beim Bauchatmen anfangs eine Hand leicht auf den Bauch zu legen. Dauer nach Belieben, mind. aber 10 Min., mind. 2-3x wöchentl., am besten nicht direkt nach dem Essen. Wichtig: Sie sollten beim Atmen allmählich bedrängende Gedanken abschalten, sich mehr und mehr auf die Atmung konzentrieren, mit Ihrem Bewusstsein einfach dem Strom der Luft folgen. Tipp: Die Konzentration auf die Atmung wird erleichtert, wenn Sie - wenn möglich - durch die Nase atmen. Entspannungsverfahren, wie z. B. das in Volkshochschulen, bei Krankenkassen oder Ärzten gelehrte Autogene Training (mind. 10 Stunden pro Kurs nötig), helfen ebenfalls nachhaltig viele Verdauungs-Störungen zu lindern oder zu beseitigen.
Schon gewusst
Die ätherischen Öle in Anis, Fenchel und Kümmel finden sich schon wenige Minuten nach dem Trinken eines frischen Tees auch im Dickdarm. Dort wirken sie entspannend und krampflösend. Zudem verändern sie bei kurmäßiger Anwendung (mind. 2-3 Wochen lang) die Zusammensetzung der Darmflora, sodass die Darmbakterien nicht mehr soviel Gas produzieren wie vorher. Für den klassischen Anti-Blähungstee verwenden Sie die Früchte von Anis, Fenchel und Kümmel, gemischt zu gleichen Teilen (Apotheke, Teehandel). Für eine Tasse Tee tun Sie 1 Teel. der Mischung in Ihren Mörser und zerstoßen die Früchte leicht. Alternativ können Sie sie auch grob in der Gewürzmühle mahlen. Das ist notwendig, damit das kochende Wasser (ca. 150 ml), mit Sie die angestoßenen Früchte jetzt übergießen, die ätherischen Öle aus den Früchten herauslösen kann. Lassen Sie den Tee bedeckt 20 Min. ziehen und gießen ihn dann durch ein Teesieb ab. Trinken Sie nach jeder Mahlzeit eine frisch zubereitete Tasse des leckeren Tees.
Ernährung
Art, Menge und Zubereitung Ihres täglichen Essens ist ebenfalls bedeutsam für die Vorbeugung von Magen-Darmproblemen. Es gelten die grundsätzlichen Regeln gesunder, ausgewogener und alle Nährstoffbedürfnisse erfüllender Ernährung. Also z. B. eher Obst und Gemüse statt fettiger Kohlenhydrate (Pommes) oder großer Mengen Fleisch - eher Honig anstatt Weißzucker - eher eine Flasche frisches Wasser anstatt einer Kanne schwarzen Kaffees. Hinzu kommen spezielle Hinweise: Bei Sodbrennen sollten Sie z. B. auf sehr scharfe Gewürze, bei Blähungen auf ein Übermaß an Ballaststoffen und Hülsenfrüchten verzichten oder bei Verstopfung mehr als gewöhnlich trinken. Wichtig bei allen Störungen: Nehmen Sie sich in Zukunft mehr Zeit zum Essen (schon den Kindern wurde früher gesagt: „Schling nicht so dein Essen runter! “). Vergessen Sie das Kauen nicht! Es ist Teil des Verdauungsvorgangs und zerkleinert nicht nur die Nahrung, sondern beginnt schon im Mund mit Speichel-Verdauungsstoffen mit der Zerlegung der Kohlenhydrate. Und: Da die Verdauung nachts langsamer als tagsüber arbeitet, sollten Sie nicht zu spät abends essen.
Heilerde-Kur
Mit fein gemahlener Heilerde (Apotheke) kann 2-4x im Jahr eine heilsame und darmreinigende Kur durchgeführt werden. Pro einzelner Kur (2-3 Wochen) täglich 2x zwischen den Mahlzeiten (z. B. morgens und abends) 1-2 Teelöffel in 1 Glas Wasser aufgerührter Heilerde trinken. Hinweis: An den ungewöhnlichen Erdgeschmack gewöhnen Sie sich nach 2-3 Tagen.
Tipp Weißkohl hat heilsame Wirkungen bei Sodbrennen, Magen- und Darmgeschwüren, beugt Verstopfung vor und killt Bakterien. Zudem beschleunigt es die Heilung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren deutlich und aktiviert unser körpereigenes Abwehrsystem. Schon Kohl in Form leicht bekömmlicher Suppen oder als Gemüse entfaltet seine wohltätigen Heilwirkungen.
Wohlfühl-Massagen
Haben Kleinkinder Schmerzen, weisen sie zumeist auf ihren Bauch - auch wenn der Schmerz tatsächlich woanders sitzt. Denn schon für Säuglinge und Kleinkinder ist ihr Bauch das Zentrum des Wohlbefindens. Das ändert sich auch bei Erwachsenen nicht. Deshalb wirkt Bauchmassage äußerst entspannend und ist eine gute Grundlage zur Vorbeugung von Magen-Darmbeschwerden. Besonders angenehm ist das „Bauch-Kreisen“. Legen Sie hierzu beide Hände (angewärmt!) flach auf den Bauch Ihres Partners. Dann beginnen Sie mit kreisenden Bewegungen (Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum). Dies verbreitet in Sekundenschnelle angenehm wohltuende Wärme, zudem wird die Durchblutung von Magen-, Bauch- und Beckenbereich stimuliert. Die im Uhrzeigersinn und in allmählich größer werdenden Kreisen verlaufende Soft-Massage (nur sanfter Druck!) hat noch eine Wirkung: Sie regt besonders die Aktivität des - ebenfalls im Uhrzeigersinn in Richtung Darmausgang verlaufenden - Dickdarms an. Das kann bei Verstopfung oft rasche Effekte zeigen.
Heilfasten
Verzicht auf feste Nahrung über max. eine Woche (1-2x jährl.) kann wegen der darmreinigenden und -entschlackenden Wirkung starke Heilungsimpulse geben. Dabei dürfen 3x tägl. 100 Gramm Obst- oder Gemüsesaft getrunken werden (die aber nicht mehr als 300 Kalorien enthalten). Die Säfte liefern dem Körper Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, so daß die Leistungsfähigkeit weitestgehend aufrecht erhalten bleibt. Zusätzlich sind Mineralwasser oder stilles Wasser nach Bedarf erlaubt. Die beste Zeit fürs Heilfasten ist der Urlaub.
Übungen
„Atmung und Verdauung hängen eng zusammen. Wer dies weiß, kann sich bei Problemen mit Magen oder Darm oftmals rasch selber helfen. “
Übung 1 - Bauchatmung
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1. „Legen Sie sich entspannt auf den Rücken auf eine warme Decke, Beine angewinkelt, Füße locker geöffnet, Arme locker daneben, alles ganz bequem. Bei der Einatmung soll sich jetzt der Bauch anheben. Sie können diese Bewegung unterstützen, indem Sie bewusst ein leichtes Hohlkreuz machen (sog. „Beckenschaukel“).“
2. „Bei der Ausatmung senkt sich jetzt der Bauch wieder, der Rücken wird dabei wieder gerader. Atmen Sie am besten durch Nase ein und aus. “
3. „Für die meisten Menschen ist diese kindliche Bauchatmung ungewohnt, sie bekommen es garnicht richtig hin. Hier hilft es, die Hände auf die Taille zu legen und das Heben und Ausdehnen des Bauches nach oben und zur Seite beim Einatmen genau mit den Händen zu fühlen. Bzw. das Senken und die Verschmälerung beim Ausatmen. “
Übung 2 - Verneigung
1. „Intensiver als die Bauchatmung im Liegen wirkt diese Yoga-Übung. Beim langsamen Vorbeugen im Schneidersitz atmen Sie durch die Nase aus. Beugen Sie sich nur soweit vor, wie Sie es bequem können. “
2. „Beim langsamen Aufrichten atmen Sie wieder tief und kräftig ein. Achtung: Atmen Sie in Ihrem gewohnten Tempo, nicht aber schneller oder langsamer. “
Übung 3 - Antimeteorismus
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1. „Liegen Sie bequem auf dem Rücken, Arme seitlich. Mit der Einatmung heben Sie Ihre Arme nach oben und strecken sie über den Kopf nach hinten. “
2. „Mit kräftigem Ausatmen durch den Mund auf die Silbe „Ha“ ziehen Sie nun das rechte Knie ruckartig zum Oberkörper hin und umfassen es dort fest mit Ihren beiden Händen (Anregung für den rechten, aufsteigenden Dickdarm-Abschnitt). Mit dem Einatmen kehrt Ihr rechtes Bein langsam in die Ausgangsstellung zurück. Und es beginnt der nächste Zyklus, jetzt aber mit dem linken Bein (Anregung für den linken, absteigenden Dickdarm-Abschnitt).“
- Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.







