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Refluxkrankheit und Sodbrennen bei Hunden

Hunde wurden und werden von Medizin-Wissenschaftler gerne als Versuchstiere genutzt – auch bei der Untersuchung des Verdauungstraktes. Beispielsweise wird mit chirurgischer Überdehnung des Speiseröhren-Schließmuskels von Hunden künstlich eine chronische Reflux-Krankheit mit dauerndem Rückfluss von saurem Mageninhalt oder Speiseröhren-Entzündung erzeugt [zum Beispiel 1]. Hunde leiden aber nicht nur im Rahmen solcher Experimente unter Reflux, sondern auch unter normalen Bedingungen. Die Häufigkeit von Refluxbeschwerden bei den über fünf Millionen Hunden, die es in Deutschland gibt, ist jedoch unbekannt.

Für Hundehalter und Tierarzt ist es gleichermaßen schwierig, einen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre („gastroösophagealer Reflux“, GERD) und hierdurch ausgelöste Beschwerden (zum Beispiel Sodbrennen) sowie nachfolgende Veränderungen (zum Beispiel Entzündung der Speiseröhren-Schleimhaut = „Ösophagitis“) zu erkennen.

Beschwerden in der Krankheitsgeschichte

Wiederhochkommen von Nahrung („Regurgitation“)
Schluckstörung
verstärkte Speichelbildung („Ptyalismus“)
Heulen/Jammern während des Schluckens („Odynophagia“)
Streckung von Kopf und Nacken während des Schluckens
Würgebewegungen
Brechreiz (bei Ösophagitis: Erbrechen von klarer, zäher Flüssigkeit, häufig mit etwas frischem Blut)
Nahrungsverweigerung
Gewichtsverlust
Husten, wenn Magensaft beim Reflux die Atemwege und Lungen erreicht (und zum Beispiel zu einer „Aspirations-Pneumonie“ führt)
nach: Tilley LP, Smith FW K: The 5-Minute Veterinary Consult: Canine/Feline (2nd ed.). Lippincott Williams & Wilkins, Baltimore, 2000.

Die körperliche Untersuchung ergibt meist nur wenig Anhaltspunkte auf eine Refluxkrankheit, ob nun mit oder ohne Speiseröhren-Schleimhautentzündung. Falls der Hund irgendwelche reizenden oder ätzenden Stoffe aufgenommen hat, können in Mund und Rachen noch Entzündungen oder Schleimhautgeschwüre sichtbar sein. Bei einer schweren Ösophagitis mit Geschwüren der Schleimhaut bekommen manche Hunde Fieber, andere wiederum starke Speichelbildung. Die manuelle Untersuchung besonders im Bereich von Nacken oder Speiseröhre führt manchmal zu Schmerzen. Eine langdauernde Erkrankung geht gelegentlich in Auszehrung und Gewichtsverlust über. Bei einer refluxbedingten Lungenentzündung sind neben Husten beim Abhorchen pfeifende Atemgeräusche oder Rasselgeräusche zu hören [2].

Bubenzer, R.H.: Ernährung von älteren, bewegungsarmen oder übergewichtigen Hunden.
Effem, Verden, 1994, S. 6.

Röntgenuntersuchungen sind – wie beim Menschen – relativ unergiebig, auch zahlreiche andere Verfahren wie zum Beispiel Ultraschall-Untersuchung. Die Spiegelung von Speiseröhre und Magen („Endoskopie“) sowie eine dabei erfolgende Gewebe-Entnahme („Biopsie“) ergibt immerhin bei entzündlichen Veränderungen sichere Hinweise. Wie beim Menschen kann aber auch bei Hunden ein Rückfluss von Magensaft stattfinden, ohne dass deutliche Anzeichen einer Schleimhaut-Entzündung sichtbar sind („nicht-erosive Reflux-Krankheit“, NERD). Obwohl dabei erkennbare Veränderungen fehlen, sind die betroffenen Tiere nicht unbedingt beschwerdefrei. Wichtige Verfahren, wie die pH-Messung über 24 Stunden in der Speiseröhre („24-Stunden-pH-Metrie“), sind zwar alle auch an Hunden erforscht worden, werden aber im tierärztlichen Alltag nicht als Routineuntersuchung eingesetzt. Obwohl dies technisch sehr wohl möglich [4, 5] und – angesichts der verbal nicht möglichen Beschwerde-Äußerung – auch dringend notwendig wäre. Die Ursachen der Refluxkrankheit bei Hunden verlieren sich – wie beim Menschen – in dem üblichen grauen Nebel aus Unwissen, Halbwissen und Mehrheitsmeinung. Kurzum, außer dass auch bei der Refluxkrankheit und den Folgebeschwerden der Hunde ein Ungleichgewicht aus Rückfluss und Speiseröhren-Selbstreinigung vorliegt, ist nichts genaues bekannt [2].

Behandlung: Säureneutralisierende Antazida sind eine Möglichkeit

Bei akuter Ösophagitis erfolgt die Behandlung zunächst „konservativ“, also ohne chirurgisch-eingreifende Therapien. Dies bedeutet Wärme, breiiges Futter und Fleischbrühe sowie Schmerzmittel. Wenn erkennbare Ursachen an der Entzündung schuld sind, z. B. Bakterien- oder Pilz-Infektionen, sind entsprechende Antibiotika/Antimykotika vom Tierarzt zu verordnen. Ist die Ösophagitis eher auf Grundlage einer chronischen Refluxkrankheit entstanden, sollte zudem die Nahrung häufiger und in kleineren Portionen angeboten werden. Zudem lindern säureneutralisierende Medikamente („Antazida“, zum Beispiel der Wirkstoff Algeldrat wie in Maaloxan®) rasch säurebedingte Schmerzen und andere Beschwerden. Mittel, die den Nervenbotenstoff Acetylcholin hemmen („Anticholinergika“), wirken zwar muskelentspannend, krampflösend und sekretionshemmend. Da sie aber auch den Schließmuskel der Speiseröhre erschlaffen lassen, sind sie nicht angezeigt [2]. Dies gilt letztlich für alle Mittel, die den Schließmuskeln entspannen („Tonus-Verminderung des Ösophagus-Sphinkters“). Nicht bestätigt hat sich die alte Hoffnung, dass Antazida durch Steigerung des Magen-pH-Wertes und eine konsekutiv gesteigerte Bildung des Magenhormons den Tonus des Schließmuskels der Speiseröhre erhöhen (was gleichbedeutend mit weniger Reflux wäre) – weder bei Mensch, noch beim Hund [6, 7]. Andere Vorteile von aluminiumhaltigen Antazida wie Algeldrat gelten jedoch für Hund und Mensch gleichermaßen: Verbesserung der Schleimhaut-Heilung, Neutralisierung von giftigen Gallenbestandteilen oder mechanischer Schleimhaut-Schutz [3]. Wie die bei Hunden gemachte Beobachtung zu erklären ist, dass fettfreie Fleischbrühe (Peptone) zu einer Erhöhung des Schließmuskeldruckes („Sphinkter-Tonus“) führt, konnte bis heute nicht sicher geklärt werden [8]. Zur Ernährungstherapie von Sodbrennen bei Menschen hat sich Peptone jedenfalls nicht als geeignet herausgestellt [9].

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Noch vor wenigen Jahrzehnten ist kaum ein Arzt auf die Idee gekommen, bei Säuglingen oder Kleinkindern eine medikamentöse Schmerzbehandlung durchzuführen – „die können sich sowieso nicht richtig ausdrücken, wahrscheinlich erleben sie sowieso keinen richtigen Schmerz“, hieß es damals. Hunde können sich auch nicht so klar ausdrücken, dass ihre Halter sofort an Sodbrennen oder Refluxkrankheit denken würden. Haben Hunde aber nur deshalb kein Sodbrennen, weil wir es nicht erkennen oder nicht für möglich halten? Natürlich haben Hunde Reflux, krankhafte Refluxveränderungen in der Speiseröhre und selbstverständlich auch Sodbrennen. Eine interessante Beobachtung von Tierärzten: Hundehalterinnen und Hundehalter, die selbst häufiger mal unter Sodbrennen leiden, denken bei ihren Hunden eher mal daran, dass diese an den gleichen Beschwerden leiden könnten.


Autor
Quellen
  1. Nino G, Savchenko O, Vastola P, Pagala M, Dhadwal AK, Vaynblat M, Marcus M, Kazachkov M: Lipid laden macrophage indices and reflux finding score in canine gastroesophageal reflux model. Pediatr Pulmonol. 2007 Dec;42(12):1181-6 (Medline).
  2. Flasshoff HJ: Verdauungsorgane, Abdomen, Hernien. In: Freudiger U, Grünbaum EG, Schimke E (Hrsg.): Klinik der Hundekrankheiten. Enke, Stuttgart, 1997.
  3. Bubenzer RH: Sodbrennen-Therapie: „Wirksame Antazida erste Wahl“. Sodbrennen-Welt.de, Berlin, 2007 (Volltext).
  4. Kamuf M: Intragastrische pH-Metrie über 24 Stunden am Hund: Erstellen eines Referenzbereichs. PhD-Thesis, München. 1989.
  5. Brown TH, Boone N, Vitale GC: A harness for 24-hour pH-monitoring in the dog. J Invest Surg. 1988;1(2):129-32 (Medline).
  6. Watanabe M, Sugawa C, Hatafuku T, Mori S: The effect of increased gastrin release on lower esophageal sphincter pressure. Tohoku J Exp Med. 1984 Dec;144(4):881-94 (Medline).
  7. Kline MM, McCallum RW, Curry N, Sturdevant RA: Effect to gastric alkalinization on lower esophageal sphincter pressure and serum gastrin. Gastroenterology. 1975 May;68(5 Pt 1):1137-9 (Medline).
  8. Sandler AD, Karin MR, Schlegel JF, Maher JW, Coltharp WC, McGuigan JE: Mechanisms of increased lower esophageal sphincter pressure following intraduodenal peptone infusion in dogs. J Surg Res. 1989 May;46(5):496-501 (Medline).
  9. Lepsien G, Dietrich K: Peptonstimulation des unteren Ösophagussphinkters (UOS) bei Patienten mit Refluxkrankheit. Z Gastroenterol. 1988 Apr;26(4):209-16 (Medline).


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