Medizinische Kohle
Gehört in jede Hausapotheke; sinnlos bei Sodbrennen
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Medizinische Kohle (Aktivkohle, Carbo activatus) besteht aus fein vermahlenen, verkohlten Pflanzenmaterialien, deren feinporige Oberfläche die ausgeprägte Fähigkeit hat, chemische Substanzen zu binden. Das ist vor allem bei Vergiftungen nützlich. Bei säurebedingtem Sodbrennen oder saurem Aufstoßen sind Kohletabletten allerdings unwirksam.
Die wesentlichen Anwendungsgebiete von Aktivkohle sind
- Verhinderung der Resorption nach Aufnahme von Giftstoffen über den Mund.
- Beschleunigung der Ausscheidung bei Vergiftungen mit Stoffen, die mehrfach zwischen Darm und Leber kreisen (z. B. die Medikamente Carbamazepin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Theophyllin).
- häufig setzen Laien medizinische Kohle zur Behandlung von Durchfällen ein.
Bei Vergiftungen sind die ärztlichen Einnahme-Hinweise oder die individuellen Ratschläge von Experten einer Vergiftungszentrale (→ Giftnotruf – Zentralen für Vergiftungsfälle) zu befolgen. Bei Durchfällen sollten die Kohletabletten nach Herstellerangaben in Wasser aufgelöst und das Gemisch dann getrunken werden. Die Dosis kann auf bis zu insgesamt 50 Tabletten täglich erhöht werden. Allerdings ist darauf zu achten, gleichzeitig drei bis vier Liter Flüssigkeit pro Tag zu trinken, damit der Darminhalt nicht verklumpt und sich festsetzt. Hält ein Durchfall trotz der Einnahme der Mittel länger als zwei Tage unvermindert an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Bei Fieber oder wenn der Stuhl blutig und sehr schleimig ist, sollte keine medizinische Kohle ohne ärztliche Verordnung verwendet werden.
Bitte bedenken: Kohle bindet die Wirkstoffe anderer Medikamente und verringert damit deren Wirkung. Aktivkohle sollte deshalb nur im Einnahme-Abstand von mindestens zwei Stunden zur Einnahme anderer Medikamenten verwendet werden. Häufig verfärbt sich nachher der Stuhl schwarz, weil die Kohle nicht vom Darm aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden wird. Das ist völlig unbedenklich. Wurden große Mengen Aktivkohle eingenommen, kommt es gelegentlich zu einer unbedenklichen Verstopfung. Gefährlich kann es werden, wenn nicht genügend getrunken wird (besonders bei älteren Menschen!), und der Stuhl im Darm zusammenklumpt, was zu einem Darmverschluss führen kann.
Besondere Vorsichtshinweise für den Gebrauch
Medizinische Kohle wirkt nicht bei Vergiftungen mit folgenden Substanzen: Lithium, Thallium, Eisensalze, Blausäure, Borsäure, DDT, Tolbutamid, Methanol, Ethanol, Ethylenglykol. Hier sind andere Maßnahmen zur Giftelimination (z. B. induziertes Erbrechen, Magenspülung), angezeigt. Medizinische Kohle ist nicht wirksam bei Verätzungen mit Säuren oder Laugen. Aktivkohle kann dabei eine nachfolgende wichtige Bauchspiegel-Diagnostik erschweren.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Natürlich ist der Erfahrungsmedizin seit langem bekannt, dass Milch, Kreide oder eben auch medizinische Kohle Beschwerden zum Beispiel bei einem Magengeschwür etwas lindern können (sofern keine besseren, modernen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen) [1]. Doch Aktivkohle neutralisiert dabei nicht die beschwerdeauslösende, ätzende Magensäure wie dies wirksame Antazida fast augenblicklich tun (→ Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Antazida). Vielmehr vermag Aktivkohle eiweißspaltende Enzyme (Pepsine) sowie schädigende Gallenfarbstoffe zu binden, die neben der Magensäure an Beschwerden und Schleimhautschäden mit Schuld tragen. Da andere Wirkstoffe, z. B. Antazida aus Aluminium-Magnesium-Hydroxid (Maaloxan®), hierbei sowie bei der Neutralisation von Magensäure viel effektiver sind [2], ist die Verwendung von aktivkohlehaltigen Präparaten bei Sodbrennen weder rat- noch wirksam (auch wenn manche Hersteller diese Wirksamkeit unterstellen).
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- Modlin IM: To repair the fault or end the acid reign? Scand J Gastroenterol Suppl. 1995;210:1-5 (Kurzfassung).
- Maton PN, Burton ME: Antacids revisited: a review of their clinical pharmacology and recommended therapeutic use. Drugs. 1999 Jun;57(6):855-70 (Kurzfassung).
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