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Atmung und Reflux
Kann Atemtherapie bei funktioneller Refluxkrankheit helfen?


Tauchermaske Atmung

„Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen:
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt„
(Goethe – West-östlicher Diwan [1])

Der kurze Weg vom Sodbrennen zur Tablette wird von vielen Patienten nicht gewünscht. Nicht zuletzt dann, wenn sie erschreckt feststellen, dass die Reflux-Volkskrankheit auch bei ihnen vermutlich chronisch verlaufen wird, sie also vielleicht das ganze Leben begleiten wird. Neben wirksamen Antazida, die bei gelegentlichem Sodbrennen Abhilfe schaffen können, kann auch die in Eigeninitiative zu realisierende Atemtherapie zu einer wertvollen und wirksamen Unterstützung bei Sodbrennen werden. Nicht zuletzt, weil eine Vielzahl der engen körperlichen und funktionellen Verflechtungen von Atem- und Verdauungsorganen schon lange bekannt sind. Wie manche dieser Erkenntnisse z. B. in Form der Atemtherapie in das tägliche Leben bzw. die therapeutische Arbeit integriert werden können, berichtet Helge Langguth, Sohn der legendären Begründerin der Atemtherapie in Deutschland, Prof. Ilse Middendorf. Zuvor jedoch einige Fakten:

Therapieansätze jenseits der Gastroenterologie

Klar ist heute, dass eine chronische Refluxkrankheit oftmals keine anatomisch-morphologisch ("rein körperlich") begründete Erkrankung ist, sondern durch eine gestörte Funktion des Organs Speiseröhre und seiner neuro-muskulären Verschaltung bedingt sein kann. Die Schätzungen über die Häufigkeit reichen von wenigen Prozent bis über 50% [10]. Stressexperte, Sportwissenschaftler und Psychotherapeut Dr. Gerd Helmer, Dozent an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln beschuldigt besonders Stress, eine bedeutende Ursache von Sodbrennen zu sein (-> Risikofaktor Stress). Und schlägt moderne Entspannungsverfahren als eine wirksame Therapiemaßnahme vor (-> Entspannung als wirksame Hilfe). Helmer betont auch die überragende Bedeutung der Atmung (besonders der Zwerchfell- oder Bauchatmung) für die Gesundheit der Bauchorgane (-> Die Bedeutung der Zwerchfell-Atmung für die Bauchorgane).

Der Atemtherapeut Helge Langguth, Leiter der Ilse-Middendorf-Institute in Berlin und Beerfelden, geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach seiner Auffassung ist die grundsätzliche Heilkraft des Atems darin begründet, dass keine andere Körperfunktion derart umfassend mit allen physischen und psychischen Vorgängen im Menschen vernetzt ist, wie die des Atems. Bezogen auf säureabhängige Beschwerden gilt zwar das alte Dictum "Ohne Säure kein Ulcus" (und meist auch kein Sodbrennen), aber hieraus eine banale Kausalität herzuleiten, wird der Wirklichkeit des Lebendigen nicht gerecht. Bei der modernen Atemtherapie nach Middendorf ("Erfahrbarer Atem") stehen deshalb nicht die Erkrankung oder Beschwerden des Betroffenen im Mittelpunkt, sondern das, was in ihm heil, bewusst, gesund und "anwesend" ist. Damit werden Selbstheilungskräfte aktiviert, der einen Heilungsprozess in Gang setzen kann. Dieses Grundprinzip der Naturheilkunde, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, erweist sich, so die Erfahrung aller komplementärmedizinisch qualifizierten Therapeuten, besonders bei funktionellen Störungen als besonders erfolgreich. Also auch bei einer Vielzahl von Patienten mit chronischer Refluxkrankheit. Doch der Preis ist erheblich: Nicht nur muss eine Atemtherapie zumeist aus eigener Tasche bezahlt werden, es ist auch beständige Eigenaktivität gefordert. Der schnelle Griff zur beschwerdelindernden, zumeist aber nicht heilenden Tablette, ist zwar weiter erlaubt - wird aber mit zunehmender atemtherapeutischer Übung immer häufiger überflüssig.

Autor, Quellen und Links
  1. aus Goethe: Talismane (West-östlicher Divan)
  2. Lalloo UG, Barnes PJ, Chung KF: Pathophysiology and clinical presentations of cough. J Allergy Clin Immunol. 1996 Nov;98(5 Pt 2):S91-6; discussion S96-7 (Medline).
  3. Ishikawa T, Sekizawa SI, Sant'Ambrogio FB, Sant'Ambrogio G: Larynx vs. esophagus as reflexogenic sites for acid-induced bronchoconstriction in dogs. J Appl Physiol. 1999 Apr;86(4):1226-30 (Medline).
  4. Field SK, Evans JA, Price LM: The effects of acid perfusion of the esophagus on ventilation and respiratory sensation. Am J Respir Crit Care Med. 1998 Apr;157(4 Pt 1):1058-62 (Medline, Volltext).
  5. Ekstrom TK, Tibbling LI: Can mild bronchospasm reduce gastroesophageal reflux? Am Rev Respir Dis. 1989 Jan;139(1):52-5 (Medline).
  6. Field SK: Gastroesophageal reflux and asthma: are they related? J Asthma. 1999 Dec;36(8):631-44 (Medline).
  7. Ekstrom T, Tibbling L: Influence of theophylline on gastro-oesophageal reflux and asthma. Eur J Clin Pharmacol. 1988;35(4):353-6 (Medline).
  8. van Herwaarden MA, Samsom M, Smout AJ: The role of hiatus hernia in gastro-oesophageal reflux disease. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2004 Sep;16(9):831-5 (Medline).
  9. Enright S, Chatham K, Ionescu AA, Unnithan VB, Shale DJ: Inspiratory muscle training improves lung function and exercise capacity in adults with cystic fibrosis. Chest. 2004 Aug;126(2):405-11 (Medline).
  10. Ho KY, Ng WL, Kang JY, Yeoh KG: Gastroesophageal reflux disease is a common cause of noncardiac chest pain in a country with a low prevalence of reflux esophagitis. Dig Dis Sci. 1998 Sep;43(9):1991-7 (Medline).

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