Die Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis)
Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis)
Die Ösophagitis ist eine akute oder chronische Entzündung von Teilen der Speiseröhre-Schleimhaut, die zu Schmerzen, Sodbrennen und anderen Beschwerden führen kann. Die häufigste Ursache ist der Rückfluß von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux).
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Überblick
Bei einer Speiseröhren-Entzündung (Ösophagitis) ist die mit Schleimhaut überzogene Innenwand (Ösophagus-Schleimhaut) entzündet oder sogar geschädigt. Diese Veränderungen betreffen zumeist das unter Drittel des Hohlorgans, nicht weit entfernt vom Übergang der Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen. Speiseröhrenentzündungen treten besonders oft bei älteren Menschen und auch bei Übergewichtigen auf.
Ursachen
Es gibt verschiedene Ursachen, die zur Entstehung einer Speiseröhrenentzündung beitragen. Bei den meisten Betroffenen kommen mehrere Ursachen in individuell unterschiedlicher Verteilung zusammen (Jeder Mensch ist einzigartig - auch sein (oder ihr) Sodbrennen). Einige der häufigen Ursachen:
Hiatusgleithernie Der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen liegt im Bereich des Zwerchfells (des großen Atemmuskels, der Brustkorb und Bauchhöhle voneinander abtrennt). Normalerweise unterstützt das Zwerchfell wie eine Muskel-Manschette den Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und dem Magen. Erweitert sich die Manschette jedoch, zum Beispiel durch einen Zwerchfellbruch (Die Hiatushernie), verringert sich die Verschlusskraft des unteren Speiseröhren-Schließmuskels (unterer Ösophagus-Sphinkter). Folge: Mageninhalt, ob sauer oder nicht, kann verstärkt vom Magen in Richtung Speiseröhre zurückfließen (Reflux).
Defekt des unteren Speiseröhren-Schließmuskels Altersbedingt, durch wiederholte Entzündungen, durch hormonelle Einflüsse, Medikamente und andere Ursachen bedingt, können die Kraft und/oder die Funktion des Muskels, der die Speiseröhre gegenüber dem Magen verschließt (unterer Ösophagus-Sphinkter), nachlassen.
Störung der Muskelbewegungen in der Speiseröhre Die Speiseröhre ist ein besonders aus Muskeln aufgebautes Hohlorgan. Ist die vom Nervensystem koordinierte Muskelbewegung des Ösophagus (Ösophagus-Peristaltik) nicht kräftig genug oder verläuft sie nicht harmonisch, werden die Transport- und Selbstreinigungs-Fähigkeit (Ösophagus-Clearance) gestört. So können Speisebrei und Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre zurückfließen oder bleiben zulange in der Speiseröhre liegen.
Magenentleerungsstörung Entleerungsstörungen können den Druck im Magen erhöhen und so das Zurückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre begünstigen.
Fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück (was in geringem Umfang übrigens bei jedem Menschen ganz normal ist), können dessen Inhaltsstoffe die Schleimhaut der Speiseröhre reizen (Reflux-Ösophagitis). Am bedeutendsten als Schadstoff für die zarte Speiseröhren-Schleimhaut ist die Magensäure, aber auch andere Substanzen wie Gallensäuren oder Verdauungsfermente. Die Reizung führt zu einer Entzündungsreaktion, die bei anhaltender starker Entzündung sogar tiefe Schäden der Schleimhaut, Vernarbung und dadurch bedingte Einengung des Organs bewirkt. Immer wieder kehrende Entzündungen führen zudem zu einer Bindegewebe-Vermehrung (Fibrosierung) in der Ösophaguswand. Diese verliert hierdurch an Elastizität und kann sich nicht mehr richtig zusammenziehen, um Speisebrei in den Magen zu transportieren.
Symptome und Beschwerden
Die meisten Patienten klagen über Schmerzen, vorwiegend hinter dem Brustbein, sowie Sodbrennen und saures Aufstoßen. Die Beschwerden treten meist nach einer reichhaltigen Mahlzeit, kohlensäurehaltigen Getränken, sauren Fruchtsäften oder in der Nacht auf. Auch Tätigkeiten, bei denen der Druck im Bauchraum steigt (beispielsweise Bücken, Schuhe binden, Niesen, Heben schwerer Lasten) verstärken die Symptome. Bei manchen Patienten gelangt der zurückfließende Magensaft bis in die Atemwege und kann zu Asthma und anderen chronischen Erkrankungen führen (Reflux: Nicht nur schlecht für die Speiseröhre, sondern auch für die Atemwege).
Die Schleimhautgrenze zwischen Ösophagus und Magen kann unter dem dauernden Säureeinfluss weiter nach oben wandern. Im unteren Teil der Speiseröhre finden sich dann die gleichen Schleimhautzellen wie im Magen (Zylinderepithel). Diese Komplikation wird auch als Barrett-Syndrom (Was ist ein Barrett-Ösophagus?) bezeichnet.
Diagnostik
Zumeist legt schon die Krankengeschichte den Verdacht auf eine Speiseröhrenentzündung nahe (Ausnahme: Sodbrennen im Alter - Weniger Beschwerden, mehr Speiseröhren-Schäden). Die erste diagnostische Maßnahme besteht in einer Magenspiegelung (Endoskopie, siehe auch Gastroskopie - Magenspiegelung). Anders als der Begriff andeutet, wird dabei vor allem auch die Schleimhaut der Speiseröhre auf Anzeichen oder Folgen eine Entzündung untersucht.
Eine Speiseröhrenentzündung muss nicht unbedingt zu sichtbaren Schleimhautveränderungen führen (Sodbrennen ohne Speiseröhren-Schädigung). Bei einem normalen Endoskopiebefund kann der Arzt deshalb noch eine Säuremessung in der Speiseröhre durchführen (Ösophagus-pH-Metrie). Hierbei wird durch Nase und Rachen eine dünne Messsonde in die Speiseröhre geschoben. Die Sonde misst über 24 Stunden lang kontinuierlich den Säuregehalt in der Speiseröhre, wodurch Auffälligkeiten wie eine erhöhte Säurebelastung aufgedeckt werden können. Weitere Untersuchungstechniken erlauben auch den Nachweis einer gestörten Muskelfunktion der Speiseröhre und anderer Störungen.
Therapie
Je nach Schweregrad (Wie schlimm ist die Speisenröhrenentzündung?) gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.
Diätetische und allgemeine Maßnahmen An erster Stelle stehen Ernährungsumstellungen. Die Patienten sollten auf Lebensmittel und Getränke verzichten, die zu Beschwerden führen. Dabei handelt es sich oft um hochprozentigen Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke oder sehr saure Fruchtsäfte (Ernährungshinweise bei refluxbedingtem Sodbrennen). Die Nahrungsaufnahme sollte auf mindestens fünf kleine Mahlzeiten täglich verteilt werden, von denen die letzte mehr als drei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden sollte (Zubettgehen kurz nach dem Abendessen: Erhöhte Sodbrennen-Gefahr). Günstig ist auch, wenn die Betroffenen mit erhöhtem Oberkörper schlafen, damit der Mageninhalt während des Schlafens nicht so leicht zurückfließen kann (Hausmittel gegen Sodbrennen).
Medikamentöse Therapie Bessern sich mit solchen Maßnahmen die Beschwerden nicht deutlich, werden Medikamente eingesetzt. Meist reichen Wirkstoffe, die die Magensäure neutralisieren (Antazida wie beispielsweise Maaloxan®) oder ihre Bildung verringern (Säurehemmer). Allerdings müssen die Medikamente oft über längere Zeit eingenommen werden. Besonders, weil sie natürlich nicht zugrundeliegende Störungen wie eine Hiatushernie oder chronische Funktionsstörungen der Speiseröhre beseitigen können.
In manchen Fällen werden zur Behandlung der Speiseröhrenentzündung noch zusätzliche Medikamente eingesetzt, die beispielsweise die Beweglichkeit von Speiseröhre und Magen fördern, um so den Weitertransport des Speisebreis zu verbessern.
Operative Maßnahmen In schwierigen und hartnäckigen Fällen, besonders, wenn keine medikamentöse Therapie weiterhilft, stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Allen gemeinsam ist: Sie sollen den unteren Speiseröhren-Schließmuskel einengen und damit die Verschluss-Funktion verbessern. Am häufigsten und effektivsten ist die sogenannte Fundoplikation (Operation gegen Sodbrennen und Asthma). Bei diesem Bauchspiegel-Eingriff wird durch Faltung des oberen Magenanteils eine Manschette um den unteren Schließmuskel der Speiseröhre gelegt. Diese Manschette verbessert den Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen erheblich. Die Erfolgsrate liegt zwischen 80 und 90 Prozent (Refluxkrankheit - Wann ist eine Operation sinnvoll?). Andere Operationen sind derzeit noch im experimentellen Stadium, und stehen nicht als Standard-Eingriff zur Verfügung.
Wann ist der Arztbesuch unbedingt ratsam?
- keine Beschwerdelinderung nach mindestens einwöchiger Einnahme von Antazida
- in die Arme ausstrahlender Schmerz
- Rückstrom von Speisebrei bis in den Mund (Regurgitation)
- chronifizierte Refluxbeschwerden
- zunehmende Symptomschwere
- Sodbrennen/saures Aufstoßen bei Kindern
- Schluckbeschwerden
Alternativmedizin
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Ein breites Spektrum an komplementärmedizinischen Verfahren kann auch bei Reflux-Ösophagitis hilfreich sein (Magen-Darm-Probleme - so hilft die Natur). Mit der hoch-individuellen Mitteln der Homöopathie können beispielsweise besonders bei Funktionsstörungen der Speiseröhre Erfolge erzielt werden. Die Heilpflanzenkunde bietet zahlreiche Mittel, die ebenfalls funktionsnormalisierend wirken, die Speiseröhren-Clearance verbessern oder die Magen-Entleerung fördern. Entspannungsverfahren oder Meditation optimieren den Umgang mit Stress, der bei manchen Ösophagitis-Patienten (starker Stress verstärkt Reflux oder Sodbrennen) gestört ist (Stressbedingtes Sodbrennen - So hilft Entspannung). Yoga, Atemtherapie und Körpertherapien stimulieren das Sonnengeflecht, die Bauchorgane und das Bauchhirn ( Atemtherapie bei funktioneller Refluxkrankheit hilft). Biofeedback, obwohl auch bei Reflux-Ösophagitis wirksam, wird nur noch selten praktiziert (hoher Aufwand nötig). Ernährungsmedizin (s. o.), Biochemie nach Schüssler oder andere Verfahren können in der Hand erfahrener Ärzte oder Heilpraktiker vorteilhafte Effekte haben, systematische Erfolge sind jedoch nicht damit zu erzielen.
- Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.



