Tipps gegen Schluckauf
Die Grenze zwischen Bauchraum und Brustkorb bildet unser Atemmuskel, das Zwerchfell (Diaphragma). Zwerchfell-Probleme können Hintergrund der Refluxkrankheit mit Sodbrennen sein (siehe Beitrag "Hiatus-Hernie"). Sie können aber auch einen Zusammenhang mit einer anderen ungenehmen Befindlichkeits-Störung haben, nämlich dem Schluckauf.
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Schluckauf anderer Leute belächeln wir gerne. Haben wir ihn selbst länger als eine Stunde, vergeht uns der Humor. Denn: Längerer Schluckauf ist lästig, unangenehm und führt zu Schlaflosigkeit, körperlicher Erschöpfung oder Depression. Hält das lästige Hicksen länger an, ist die medizinische Behandlung der Ursachen die beste Möglichkeit mit dem Schluckauf fertig zu werden, finden HNO-Ärzte.
Schluckauf ist das plötzliche Zusammenziehen (Kontraktion) unserer Atemmuskel (Zwerchfell, Rippenmuskeln). Dabei verschließt sich die Stimmritze des Kehlkopfs schlagartig, was zu dem hicksenden Geräusch führt. Der Schluckauf-Befehl wird über zwei Nervenstränge direkt vom Gehirn zu den Atemmuskeln gesendet. Über den gleichen Weg gelangen Informationen aus Oberbauch (Magen, Speiseröhre), Atemwegen (Luftröhre) und sogar dem äußeren Gehörgang zurück in das Gehirn. Deshalb kann schon mal ein Fremdkörper oder Insekt im Gehörgang Schluckauf auslösen. Die biologische Funktion von Schluckauf ist unbekannt.
Typische Schluckauf-Auslöser sind: zu heiße oder zu kalte Speisen und Getränke, scharfes Essen, zuviel Alkohol, seelischer Stress, plötzlicher Temperaturwechsel. Auch Magenüberdehnung führt zu Schluckauf, z.B. durch hastiges Essen oder eine Magenspiegelung beim Arzt. Bei Frauen ist Schluckauf in der Zeit vorm Eisprung besonders häufig, in der Schwangerschaft wird er seltener.
Tipps bei gelegentlichem Hicksen
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- kaltes Wasser trinken, dann Luft für einige Sekunden anhalten
- tief einatmen, dann Luft anhalten (oder 3-mal trocken schlucken)
- Zeigefinger vorsichtig in die Gehörgänge stecken und leicht hin und her bewegen (dies reizt einen der wichtigen Schluckauf-Nerven)
- Würgereiz und Erbrechen auslösen (Finger in den Hals stecken)
- 1 Teelöffel Zucker schlucken (pur)
- Niesreiz auslösen (z.B. ein paar Körnchen Pfeffer durch die Nase einatmen)
Ab 48 Stunden ist Schluckauf chronisch. Aber schon nach 3-4 Stunden ist ein Arztbesuch ratsam, so sagen Schluckaufexperten. Grund: Schluckauf kann Anzeichen ernsthafter Erkrankungen sein. Im schlimmsten Fall von einem akuten Herzinfarkt (wobei er sogar die lebensbedrohliche Herzschwäche verstärken kann). Weitere Krankheiten:
- andauerndes Sodbrennen (Reflux-Erkrankung)
- Schlaganfall (plötzlicher Bewusstseinsverlust, einseitige Lähmung)
- Harnvergiftung (bei schwerer Nieren-Störung)
- Bauchfellentzündung (Bauchschmerz, aufgeblähter Bauch)
- Magenkrebs (Appetitlosigkeit, Druckgefühl, Blutung)
- schwerer Bakterien-Durchfall (Fieber, krampfartiger Bauchschmerz)
- Gehirnentzündung (Fieber, Kopf-, Nackenschmerz)
- Blutung im Gehirn (Koma, z.B. nach Autounfall)
- Darm-Verschluss (Übelkeit, Erbrechen, kein Stuhlgang mehr)
- Medikamente gegen schwere Erkrankungen, z.B. Krebs-Chemotherapie
Die erfolgreiche Behandlung dieser Schluckauf-Auslöser lässt den Schluckauf zumeist verschwinden. Wenn nicht, gibt es wirksame Medikamente (z.B. das Anti-Brechmittel Chlorpromazin oder der Muskelentspanner Baclofen).
- Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.
- Abbildungen: R. Bubenzer, Berlin, © 2001 ff.

