Der Magenkranke
Die psychologische Behandlung
Paul Gauguin, The Alyscamps, 1888 |
Wenn man etwas Einsicht gewonnen hat in die psychologischen Hintergründe des Magenkranken, so ist es in manchen Fällen möglich, durch eine Besprechung der Verhaltensweise des Patienten ihn auf Fehler aufmerksam zu machen und so eine gewisse Änderung der Lebensführung zu bewirken. Hierbei wäre besonders anzusprechen der übertriebene Ehrgeiz und die Leistungshaltung, die Beziehungen zum Besitz, insbesondere zum Geld, wie die Verarmung des Lebens an Werten des Gemütes und des Musischen. Ein guter Kontakt mit dem Arzt ist hier wichtige Voraussetzung. Man muss dem Kranken Zeit widmen, und der Kranke muss in dem Arzt liebende Zuwendung, nach der er sich so sehr sehnt, erleben. Wenn man solche Gespräche mit gewissen diätetischen und medikamentösen Maßnahmen verbindet, läßt sich oft vieles erreichen. Es soll aber nicht verkannt werden, daß gerade der oral aggressive Typ des Magenkranken, wie ja auch aus der obigen Darstellung hervorgeht, ein schwieriger Mensch ist. Dieser erweist sich für psychologische Sachverhalte oft sehr wenig zugänglich. Er ist empfindlich, meist sehr von sich überzeugt und wenig bereit, sich aufzuschließen. Diese Situation wird noch weiter erschwert, wenn - was auch recht häufig zutrifft - eine feste Ideologie aufgebaut wurde, wie auch feste Vorstellungen über die Ursache der Krankheit vorhanden sind. An solcher Haltung scheitert oft die Durchführbarkeit analytischer Psychotherapie. Es kommt hinzu, daß der Leidensdruck nicht so erheblich ist, da die Erkrankung in einzelnen Schüben abläuft und immer wieder durch Kuren und andere Maßnahmen einer Besserung zugeführt wird. Trotzdem sollte man bei rezidivierenden Magenleiden, insbesondere bei jüngeren Menschen, die Frage der Durchführung einer Psychotherapie sehr ernsthaft prüfen, denn wir müssen uns darüber klar sein, daß nur hier eine wirkliche Möglichkeit besteht, das Leiden endgültig zu heilen. Daß dies wirklich möglich ist, ergibt sich aus zahlreichen Berichten der Literatur wie aus eigener Erfahrung. Orgel [23] hat bei 15 Ulkuskranken eine Psychotherapie durchgeführt, von diesen brachen 5 die Behandlung vorzeitig ab, es wurde kein Erfolg erzielt. Die restlichen 10 wurden nach einer meist recht lange dauernden analytischen Therapie geheilt und erwiesen sich bei einer Nachuntersuchung nach 10 bis 22 Jahren als völlig gesund.
Man kann auch einen Versuch mit dem autogenen Training machen, doch erweist sich hier wieder gerade der aktive Typ des Ulkuskranken als wenig geeignet. Es fehlt ihm oft die Bereitschaft zur wirklichen Mitarbeit, er bricht dann die Sitzungen vorzeitig ab. Bei dem passiven Typ ist das autogene Training weniger indiziert. Hypnose und suggestive Behandlung versprechen in der Ulkustherapie keinen Erfolg.
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