Refluxkrankheit
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Die dramatischen Veränderungen in der modernen Chirurgie, die mit der Einführung der Video-Endoskopie einhergehen, haben auch vor der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit nicht Halt gemacht. Klassische Operationen, die die Verschlussfunktion der Speiseröhre gegenüber dem Magen wieder herstellen ("Fundoplicatio"), wurden wegen ihres chirurgischen Aufwandes und des besonderen Schwierigkeitsgrades nur selten durchgeführt. Die Einführung der im Vergleich einfacheren videoskopisch durchgeführten Fundoplicatio hat die Zahl der "Reflux-Operationen" in wenigen Jahren rapide steigen lassen. Der Chirurg Dr. Carlos A. Pellegrini von der Universität Washington in Seattle/USA fasste - auf der Basis der bisherigen internationalen Erfahrungen - die wesentlichen Indikationen des schonenden, minimal-invasiven Eingriff zusammen.
- Mechanisch defekter Speiseröhren-Magen-Verschluss ("defizienter gastro-ösophagealer Sphinkter") Bei diesen Patienten können Medikamente zwar die säurebedingten Schleimhautschäden kontrollieren. Ständige Rückfälle und die hieraus folgende Notwendigkeit einer lebenslangen Medikamenten-Behandlung lassen die Antireflux-Operation jedoch besonders sinnvoll erscheinen.
- Unzureichende Compliance Die Refluxerkrankung ist eine chronische, oft lebenslängliche Erkrankung. Viele Patienten schaffen es nicht (oder sind nicht dazu bereit) gewissenhaft säurehemmende Medikamente einzunehmen. Kommen sie ansonsten für die videoskopische Fundoplicatio infrage - besonders wenn sie jung sind, die Erkrankung schon in jungen Jahren bekommen haben oder länger als drei Jahre erkrankt sind -, sollte die Operation in Erwägung gezogen werden.
- Aspirations-Schäden (Stiller) Reflux von Mageninhalt, auch wenn er säurefrei ist, kann Kehlkopf, Bronchien, Lunge und sogar die Zähne schädigen. So wird geschätzt, dass ein Reflux bei 20% aller Asthmatiker pathogenetisch oder zumindest Beschwerde verstärkend beteiligt ist. Die Kontrolle der säurebedingten Symptomatik durch Medikamente darf dabei nicht über den persistierenden Reflux hinwegtäuschen. Erst eine Antireflux-Operation kann diese Situation beenden.
- Versagen der medikamentösen Therapie Ein, wenn auch kleiner Anteil der Patienten spricht auf die medizinische Behandlung mit säurehemmenden oder anderen Medikamenten nicht an. Hier erscheint, sofern andere Beschwerde-Ursachen ausgeschlossen sind, die Operation indiziert.
- Barrett-Ösophagus Chronischer Reflux von Mageninhalt führt zu besonderen Schleimhautveränderungen in der Speiseröhre, die zuerst von dem Chirurgen Norman Barrett u. a. beschrieben worden sind. Diese häufigen Veränderungen stellen eine Krebs-Vorstufe dar. Obwohl die mechanische Wiederherstellung der Sphinkter-Funktion den Rückfluss verhindert, ist noch nicht zweifelsfrei belegt, ob dies tatsächlich das Krebsrisiko verringert. Pellegrini empfiehlt dennoch die videoskopische Fundoplicatio, wenn der Patient Beschwerden hat, sehr viel Schleimhaut im Sinne eines Barrett-Ösophagus verändert ist und das Lebensalter unter 50 liegt. Wichtig: Bei diesen Patienten muss die endoskopische Überwachung auch nach der Operation kontinuierlich weiter fortgesetzt werden.
- Pellegrini, C.A.: The Surgical Option in the Treatment of Gastroesophageal Reflux Disease: Rationale and Indications. Medscape Gastroenterology Vol 2, Num 1 (2000). (Medscape).

