Hochdruck
Sind auch Hochdruck-Medikamente Schuld an Magen-Darm-Blutungen?
Magen-Darm-Blutungen waren bis vor wenigen Jahrzehnten häufig eine Folge von Magen-Entzündungen ("erosive Gastritis") und vor allem Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüren ("Ulcus ventriculi" und "Ulcus duodeni"). Die Behandlung mit säurehemmenden Medikamenten hat die Zahl der gefährlichen Magenblutungen immer weiter absinken lassen. Vor allem der Dauergebrauch von Anti-Rheuma-Mitteln steht heute als Ursache von Magen-Darm-Blutungen im Vordergrund. Und, so zeigen jetzt neueste Untersuchungen von der Universität Seattle/USA, möglicherweise auch bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck, die so genannten Kalzium-Blocker ("Kalzium-Antagonisten").
Kalziumblocker erweitern unter anderem die Blutgefäße. Sie werden bei Bluthochdruck ("Hypertonie") und Verengung der Herzkranzgefäße ("koronare Herzkrankheit") eingesetzt. Die US-Untersuchung bei 174 Hochdruckpatienten, die wegen Magen-Darm-Blutungen eingeliefert wurden, zeigte: Die Einnahme von Kalzium-Blockern verdoppelt das Risiko solcher Blutungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit knapp 800 Hochdruckpatienten (ohne Blutungen). Das Blutungs-Risiko bestand unabhängig von der Dosierung der Kalzium-Blocker. Am höchsten war das Blutungs-Risiko der unteren Darmabschnitten. Andere Hochdruck-Mittel (die sog. Beta-Blocker und ACE-Hemmer) erhöhten das Risiko von Magen-Darm-Blutung nur geringfügig. Die biologische Erklärung für diese Nebenwirkung wird in der Gefäßerweiterung durch Kalzium-Blocker gesehen: Kommt es im Magen oder Darm einmal zu Blutungen, können sich die Gefäße unter dem Einfluss dieser Substanzen nicht mehr wie normal zusammenziehen und damit die Blutung stoppen. Ob Konsequenzen für die Behandlungspraxis bei Hochdruck-Patienten gezogen werden müssen, ist derzeit noch unklar.
- Kaplan, R.C. et al.: Use of calcium channel blockers and risk of hospitalized gastrointestinal tract bleeding. Arch Intern Med 160: 1849-55 (2000). (Medline).

