Helicobacter pylori
Schadet die Beseitung des Magenschädlings?
Die Eradikation von Helicobacter pylori hat sich nicht nur zur Behandlung von Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni durchgesetzt, wo Belege für eine zumindest vorübergehende Wirksamkeit bestehen. Die Methode wird zunehmend auch bei Non-Ulcer-Dyspepsien eingesetzt, obwohl hier eine Wirkung noch nicht zweifelsfrei bewiesen ist. Seit H. pylori jedoch mit der Entstehung von gastralen Adenokarzinomen und MALT-Lymphomen in Verbindung gebracht wird, scheint es kaum noch Gründe zu geben, die Keimvernichtung im Magen zu hinterfragen. "Testen und Behandeln" lautet die Devise, nach der bei allen Patienten mit Magenbeschwerden zunächst ein nicht-invasiver H. pylori-Nachweistest durchgeführt und bei positivem Befund sofort eine Eradikation eingeleitet wird. Dies erspart nicht nur dem Patienten die Unannehmlichkeit einer Gastroskopie. Für die Kassen ist die Strategie besonders "kosteneffektiv".
In letzter Zeit mehren sich aber kritische Stimmen, die auf mögliche Risiken der Eradikation hinweisen. Bereits 1997 zeigten J. Labenz und Mitarbeiter in einer retrospektiven Studie, dass Patienten nach einer erfolgreichen H. pylori-Eradikation doppelt so häufig an einer erosiven Ösophagitis erkranken als Patienten, die weiter mit H. pylori besiedelt blieben (26% vs. 13%). Nach anderen Untersuchungen schien der cagA-positive Stamm eine gewisse Protektion gegen die gastroösophageale Reflux Erkrankung (GERD) zu vermitteln.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen jetzt Carlo Fallone vom Victoria Hospital und Mitarbeiter der McGill-Universität in Montreal in der einer Studie an 87 Patienten mit Ulcus ventriculi und nachgewiesener H. pylori-Infektion. In einer prospektiven Studie waren zwischen 1992 und 1994 drei verschiedene Eradikationsregimes miteinander verglichen worden. Bei einer abschließenden Kontrolle am Ende eines Jahren zeigte sich, dass die Eradikation nur bei 63 Patienten erfolgreich war. Die anderen 24 hatten weiter Erreger im Magenantrum - was durchaus auch Vorteile für diese Patienten hatte. Denn nur zwei (8%) von ihnen litten zum Abschluss der Studie an Sodbrennen (GERD). Nach erfolgreicher Eradikation ware es dagegen 18 von 63 (29%) Patienten. Der Unterschied war mit einem p-Wert von 0,04 statistisch signifikant. Auch im gastroskopischen Befund waren die Folgen der erfolgreichen Eradikation sichtbar. 13 von 63 Patienten hatten eine Ösophagitis, während diese nur bei einem von 24 Patienten nach erfolgloser Eradikation endoskopisch erkennbar war (p=0,10).
Eine Multivariat-Analyse schloss weitgehend aus, dass andere Faktoren außer der erfolgreichen Eradikation für das Zustandekommen der Ergebnisse verantwortlich gewesen sein könnten. Rauchen, Gewichtszunahmen, und auch der H. pylori Genotyp waren in beiden Gruppen gleichverteilt.
Für die Autoren ist die Studie deshalb ein weiteres Glied in der Beweiskette, welche die Eradikation von H. pylori mit GERD in Verbindung bringt. Warum der Erreger vor einer Reflux-Erkrankung schützt, ist jedoch noch nicht klar. Denkbare Wirkungsmechanismen sind eine Inhibition der Magensäuresekretion, eine neutralisierende Wirkung der H. pylori-Urease oder eine Veränderung der gastroösophagealen Motilität bei fehlendem Magenbewohner.
Jetzt müssten die Ergebnisse in größeren prospektiven Studien bestätigt werden. Interessant wäre auch, ob die Veränderungen nur kurzfristiger Natur sind oder ob die Eradikation auch die Folgeerkrankungen des Refluxes erhöht. (rm)
- Fallone, C.A. et al.: Is Helicobacter pylori eradication associated with gastroesophageal reflux disease? Am J Gastroenterol 95(4): 914-20 (2000). (Medline).

