Magenschrittmacher löst künstliche Peristaltik aus
An Versuchen zur Entwicklung eines Magenschrittmachers hat es in der Vergangenheit Jahren nicht gefehlt. Ein solches Gerät würde der großen Zahl von Patienten mit Gastroparese sicher gute Dienste leisten. Doch die Realisierung ist bisher stets gescheitert. Die Situation ist beim Magen schwieriger als beim Herzen. Dort reicht ein elektrischer Impuls (an die richtige Stelle appliziert), um eine geordnete Herzaktion auszulösen. Denn das Herz verfügt über ein eigenes Reizleitungssystem, welche die Impulse automatisch weiterleitet. Alle Versuche, die Magenentleerung durch gezielte elektrische Stimulation zu fördern, sind fehlgeschlagen. Impulse im Bereich des Korpus haben keinen Einfluss auf die Aktivität des Pylorus, der eher durch den Füllungszustand des Duodenums gesteuert wird als durch den Mageninhalt. Stimulierungen im Bereich des Pylorus lösen dagegen häufig rückwärtsgerichtete Kontraktionen aus, die ebenfalls nicht geeignet sind, den Magen zu entleeren.
Erfolgreicher waren jetzt Martin Mintchev von der Universität in Edmonton, Kanada, und Mitarbeiter. Sie setzen nicht einen Impulsgeber ein, sondern bis zu 36, aufgeteilt auf 6 Sets, die den Magen auf verschiedenen Ebenen gürtelförmig umgeben. Das erste Set wird im Abstand von 1,5 bis 2 cm vom Pylorus auf der Außenfläche des Magens fixiert. Die anderen Ringe folgen im Abstand von 3,5 cm bis 4,5 cm in Richtung Magenfundus. Auf jedem Ring sind Elektroden in der Entfernung von 2,5 bis 3,5 cm zueinander angebracht. Die gesamte Außenfläche des Magens wurde so mit einem flächendeckenden Netz von Elektroden überzogen, die miteinander vernetzt sind. Die Steuerung erfolgt über ein kleines Computerprogramm. Es war so programmiert, dass kleinere Kontraktionen mit Fundus sich in Richtung Pylorus fortsetzten.
Im Tiermodell war dieser Magenschrittmacher bereits erfolgreich. In einer früheren Studien konnten die Autoren zeigen, dass er die Beförderung flüssiger Nahrung beschleunigt. Wichtiger ist jedoch die Propulsion fester Nahrung. Dazu wurden erneut 9 Hunde anästhesiert und mit Elektrodengürteln versehen. Die Mägen wurden dann mit handelsüblichem Hundefutter gefüllt, die mit kleinen Plastikkügelchen versehen wurden. Tatsächlich tauchten diese Pellets nach der Aktivierung des Magenschrittmachers signifikant schneller im Duodenum auf. Ein retrograder Transport soll nicht aufgetreten sein. Eine vorwärtsgerichtete Peristaltik konnte alle 32 Sekunden ausgelöst werden. Neben der Wirksamkeit sei auch die Verträglichkeit des Magenschrittmachers gegeben, behaupten die Autoren. Die Untersuchung der Magenabschnitte mit den aufgenähten Elektroden zeigte jedenfalls keinerlei gewebliche Veränderungen.
In einem nächsten Schritt soll das Modell jetzt an einem nicht-narkotisierten Hund im Dauerversuch getestet werden. Erst dann kommt eine Implantation beim Menschen in Frage. Ob es für die vielen Patienten mit Gastroparese einmal die Magenentleerung auf Knopfdruck gibt, lässt sich deshalb derzeit noch nicht abschätzen.
- Mintchev, M.P. et al.: Microprocessor-controlled movement of solid gastric content using sequential neural electrical stimulation. Gastroenterology 118(2): 258-63 (2000). (Medline).
- Hasler, W.L.: The brute force approach to electrical stimulation of gastric emptying: A future treatment for refractory gastroparesis? Gastroenterology 118(2): 433-6 (2000) (Medline).

