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Ösophageale Adenokarzinome als Folge von Arzneimittelnebenwirkungen

Ösophagustumoren sind zu einem "brennenden" Thema in der Onkologie geworden. Die Inzidenz keines anderen Malignoms steigt in westlichen Industrieländern derzeit so stark wie die des ösophagealen Adenokarzinoms. Früher machte der Tumor weniger als 15% aller Ösophagustumoren aus, heute beträgt sein Anteil über 60%. Die Hauptursache ist aller Wahrscheinlichkeit nach in der Zunahme von gastroösophagealen Refluxerkrankungen (GERD) zu suchen, also - vereinfacht gesprochen - im Sodbrennen. Im letzten Jahr sorgte Jesper Lagergren vom Karolinska Institut in Stockholm mit einer Fall-Kontroll-Studie für Aufsehen. Sie zeigte, dass eine langjährige GERD das Risiko auf den Tumor um den Faktor 43,5 (!) erhöht. Das sind Risikofaktoren, die selbst das Lungenkrebsrisiko infolge Rauchens in den Schatten stellen. GERD erhöht auch das Risiko auf das Kardiakarzinom des Magens, das mit dem Ösophagusadenokarzinom verwandt ist. Das Risiko war hier um den Faktor 4,4 erhöht. Noch sind beide Tumoren selten. Die Inzidenz des ösophagealen Adenokarzinoms liegt zur Zeit bei 1,1/100.000.

Aufgrund der langen Latenzzeit in der Krebsentstehung reichen die Ursachen für die heutigen Adenokarzinome vermutlich in die 70er Jahre zurück. In einer erneuten Fall-Kontroll-Studie hat Jesper Lagergren jetzt nach Faktoren in diesem Zeitraum gesucht. Er fand, dass das Adenokarzinom mit der Einnahme von Medikamenten assoziiert ist, die den unteren Ösophagussphinkter (LES) entspannen und deshalb einen Reflux provozieren.

In den 70er Jahren waren fünf Gruppen von LES-Entspannern auf dem Markt: 1. Nitropräparate, die auch heute noch zur Behandlung der Angina pectoris bei koronarer Herzkrankheit eingesetzt werden. 2. Aminophylline, die in der Langzeitbehandlung des Asthma bronchiale eingesetzt wurden: Heute sind sie nach Beta-2-Sympathomimetika und Steroiden nur noch Mittel der 3. Wahl. 3. Beta-2-Sympathomimetika, die heute in der Asthmatherapie zur Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatatoren) breit angewendet werden. 4. Anticholinergika sind eine früher bei vielen Erkrankungen angewendete Substanzgruppe, die inzwischen deutlich an Bedeutung verloren hat. 5. Benzodiazepine, die nach wie vor als Tranquillantien hohe Verordnungszahlen erzielen.

Die neue Fall-Kontroll-Studie von Lagergren zeigt, dass die Einnahme der LES-Entspannern in den 70er Jahren tatsächlich das Risiko auf ein späteres ösophageales Adenokarzinom erhöht. Unter Personen, die täglich über einen Zeitraum von wenigstens 5 Jahren diese Medikamente einnahmen, war das Risiko auf den Speiseröhrenkrebs um das 3,8-Fache erhöht. Insgesamt 17,5% der Krebspatienten hatten diese Medikamente über wenigstens 5 Jahre eingenommen. In der Kontrollgruppe waren es nur 6,6% gewesen.

Lagergren hat ausgerechnet, dass von 15.490 Menschen, die über wenigstens 5 Jahre LES-Entspanner einnahmen, einer später an einem Speiseröhrenkrebs erkrankte. In der Altersgruppe der über 60jährigen mussten nur 5.570 die Medikamente einnehmen, damit einer geschädigt wurde. Das individuelle Risiko mag zwar gering erscheinen. Gesamtgesellschaftlich gesehen, ergibt sich daraus jedoch ein deutlicher Ansteig der Inzidenz. Laut Lagergren könnten 10% aller ösophagealen Adenokarzinome auf das Konto der LES-Entspanner gehen.

Der Zusammenhang mit dem Anstieg der Tumorhäufigkeit ist plausibel, denn die LES-Entspanner erlebten seit den 60iger Jahren einen Boom: In Großbritannien stieg der Verkauf allein der Anticholinergika und der Bronchodilatatoren von 1960 bis 1980 um 340%.

Aus den Daten lässt sich auch ablesen, dass nicht die LES-Entspanner als solche karzinogen wirken. Auslöser der Tumoren ist der Reflux. Nach den Daten der schwedischen Studien haben Patienten, die in den siebziger Jahren infolge der Einnahme von LES-Entspannern wenigstens einmal pro Woche unter Sodbrennen litten, ein um den Faktor 7,6 erhöhtes Risiko auf einen Speiseröhrenkrebs in den 90er Jahren.

Heute sind viele LES-Entspanner durch andere Medikamente ersetzt worden. Das Risiko des Adenokarzinoms dürfte für viele Menschen dennoch weiter gestiegen sein. Denn die Inzidenz des Sodbrennens ist seit den 70er Jahren stark angestiegen. GERD hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der häufigsten Zivilisationserkrankung überhaupt entwickelt. Nach einer kürzlichen Umfrage leiden 7% der Amerikaner täglich unter Sodbrennen, 20% haben wenigstens einmal monatlich Beschwerden und 59% leiden ab und zu darunter. Damit lebt ein Großteil der Bevölkerung mit dem Risiko, in ein bis zwei Jahrzehnten an einem ösophagealen Karzinom zu erkranken.

Noch ein weiterer Aspekt ist wichtig: Übergewicht. Aus Lagergrens Daten lässt sich ablesen, dass Übergewichtige ebenfalls häufiger an einem ösophagealen Adenokarzinom erkranken. Das Viertel der Menschen mit dem höchsten Body-Mass-Index (BMI) hatte ein 7,6fach erhöhtes Risiko darauf. In den 70er Jahren waren die Menschen aber weniger übergewichtig als heute. Zum obersten Viertel gehörten damals Männer bereits ab einem BMI von 25,6, Frauen ab einem BMI von 24,2. Menschen mit diesen Werten würden sich heute eher als schlank bezeichnen. Nach den Daten der schwedischen Studie sind sie jedoch gefährdet, in ein bis zwei Jahrzehnten an einem Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Einschränkend muss man hinzufügen, dass nicht das Übergewicht per se das Krebsrisiko erhöht, sondern dass wiederum das Sodbrennen der kausale Faktor ist: Übergewichtige leiden häufiger darunter als Schlanke.


Literatur
  • Lagergren, J. et al.: Association between medications that relax the lower esophageal sphincter and risk for esophageal adenocarcinoma. Ann Intern Med 133(3): 165-75 (2000). (Medline).
  • Eisen, G.M.: The burning issue of chronic gastroesophageal reflux. Ann Intern Med 133(3): 227-9 (2000). (Medline).

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