Unnötige Diagnostik
H. pylori-Tests treiben Kosten in die Höhe
Zumindest bei jüngeren Patienten mit Dyspepsie-Beschwerden ist ein Screening auf H. pylori unsinnig: Die Rate der Endoskopien verdoppelt sich, ohne dass dies einen Einfluss auf Langzeitsymptome oder Lebensqualität der Patienten hat.
Der staatliche Gesundheitsdienst des Vereinigten Königreichs gibt jedes Jahr mehr als eine Milliarde Pfund Sterling für die Behandlung von Patienten mit Dyspepsie aus. Ein wesentlicher Kostenfaktor sind dabei diagnostische Eingriffe - in erster Linie die Endoskopien, die zur Abklärung der Symptome notwendig werden. Es wird deshalb immer wieder vorgeschlagen, alle Patienten zunächst einem H. pylori-Test zu unterziehen und danach nur Patienten mit positivem Testergebnis zu endoskopieren. Was vernünftig klingt und nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie eine Ersparnis bei den Endoskopien von nicht weniger als 23% verspricht, hat in der Praxis jedoch einen gegenteiligen Effekt, wie eine randomisierte klinische Studien in 31 Primärarztpraxen im Raum Birmingham zeigt.
Die derzeitige Praxis in Großbritannien ist, dass die Patienten zunächst einmal medikamentös behandelt werden. Erst wenn die Beschwerden anhalten, werden sie zur Endoskopie an einen Facharzt überwiesen. Diese Strategie verursachte in der Studie an 193 Patienten im Alter von 18 bis 49 Jahren pro Fall durchschnittlich £253,16 wobei alle Kosten für Medikamente, Arzthonorare und Überweisungen zur Endoskopie inbegriffen waren. In der anderen Gruppe wurde jeder der 285 Patienten zunächst nur einem H. pylori-Test unterzogen. Alle Patienten mit positivem Ergebnis wurden dann endoskopiert. Bei den Patienten mit negativem Ergebnis verfuhr man wie in der ersten Gruppe. Wenn die Beschwerden unter der Medikation anhielten oder der Patient dies wünschte, wurde eine Endoskopie durchgeführt. Das Ergebnis waren - wegen der hohen Rate von H. pylori-Positiven von 40% - natürlich nicht weniger, sondern mehr Endoskopien: 45% statt 25% der Patienten in der anderen Gruppen unterzogen sich einer Magenspiegelung. Die Folge waren höhere Behandlungskosten von £367,85 pro Patient, also £114,69 mehr als unter der konventionellen Vorgehensweise.
Diese Mehrkosten wären medizinisch vertretbar, wenn die Patienten von der ausführlicheren Diagnostik auch profitiert hätten. Die höhere Rate von diagnostizierten Ulzera (7,4% gegenüber 2,1% in der Vergleichsgruppe) ist dafür jedoch nur ein scheinbarer Beleg. Denn ein diagnostiziertes Ulkus wird heute in der Regel rein medikamentös behandelt. Die Autoren der Studie, B.C. Delaney und Mitarbeiter der Universität Birmingham, untersuchten deshalb als Endpunkt das Beschwerdebild nach 18 Monaten sowie die Lebensqualität der Patienten. Beides wurde mit Hilfe eines Fragebogen ermittelt. Ergebnis: Die rein empirisch behandelten Patienten klagten nach 18 Monaten keineswegs über mehr Beschwerden als die Patienten, bei denen die Ursache der Dyspepsie endoskopisch dokumentiert wurde. Auch in den Lebensqualitätsaspekten Schmerz, Sozialleben und Emotionen gab es keine signifikanten Unterschiede.
Die Autoren raten deshalb dringend von einem H. pylori-Screening ab. Niemand sollte sich von dem niedrige Preis der Einzeltests verlocken lassen. Die zur weiteren Abklärung notwendigen Endoskopien würden die Kosten unnötig in die Höhe treiben.
- Delaney, B.C. et al.: Randomised controlled trial of Helicobacter pylori testing and endoscopy for dyspepsia in primary care. BMJ 322 (7291): 898-901 (2001). (Medline).

