Dyspepsie
Anamnese ersetzt H. pylori-Test
Mit drei simplen Fragen an den Patienten kann ein peptisches Ulkus genauso gut (oder schlecht) diagnostiziert werden wie mit einem H. pylori-Test. Die Anamnese hilft auch, die Eradikationsbehandlung gezielter einzusetzen.
Das Problem ist bekannt: Viele Menschen leiden unter einer Dyspepsie, aber nur wenige davon haben ein peptisches Ulkus. Einige, aber nicht alle peptischen Ulzera sind mit einer Infektion mit H. pylori assoziiert. Viele Menschen sind mit H. pylori infiziert, leiden aber gar nicht an einem Ulkus. Die Schnellschuss-Medizin, bei allen Patienten mit Dyspepsie einen H. pylori-Test zu machen, um bei einem positiven Ergebnis sogleich eine Eradikationstherapie zu verordnen, führt deshalb zur unnötigen Behandlung vieler Patienten, die gar nicht an einem Ulkus leiden.
Catherine Weijnen von der Uni Utrecht in den Niederlanden hat diese Strategie in einer Querschnittsstudie bei 565 Patienten durchgespielt, die mit dyspeptischen Symptomen ihren Hausarzt aufsuchten. Ein H. pylori-Test bei allen Patienten hätte zur Eradikationsbehandlung bei 31% der Patienten geführt. Doch nur 12,6% dieser Patienten hatten überhaupt ein Ulkus (wie die Endoskopie ergab, die bei allen Patienten durchgeführt wurde). Eine Univariatanalyse ergab, dass die Antworten auf drei einfache anamnestische Fragen einen ersten Hinweis auf ein Ulkus ergeben: Ein früheres peptisches Ulkus, Rauchen und Schmerzen auf leerem Magen waren bei den Ulkuspatienten signifikant häufiger. Der Vorhersagewert dieser Symptome war in etwa mit dem eines positiven Ergebnisses im H. pylori-Test vergleichbar. Weijnen und Mitarbeiter schlagen nun vor, einen H. pylori-Test nur bei Patienten durchzuführen, die alle drei Fragen bejahen. Dann würden zwar nur 9,6% aller Patienten eine Eradikationsbehandlung erhalten. Die Chancen, dass diese dann tatsächlich an einem Ulkus leiden, beträgt dann jedoch immerhin 26%. Wem das zu wenig ist, der wird wohl um eine Gastroskopie nicht herumkommen.

