Sodbrennen
Übergewicht ohne Risiko
Entgegen einer weit verbreiteten medizinischen Ansicht leiden Übergewichtige nicht häufiger unter Sodbrennen als Schlanke. Dies zeigt jetzt eine Studie des Karolinska Instituts in Stockholm.
Viele Ärzte sahen im Übergewicht den wichtigsten, wenn nicht den einzigen Auslöser für das Sodbrennen und seine Folgen, die Säureschädigung der Speiseröhre (medizinischer Fachausdruck: Gastro-ösophageale Refluxkrankheit). Viele übergewichtige Patienten mussten sich deshalb vorhalten lassen, sie sollten einfach weniger und weniger fettig essen, dann werde sich das Problem schon von selbst geben. Doch die wissenschaftliche Grundlage für diese beiden Ansichten, dass Übergewicht Sodbrennen auslöst und dass eine Gewichtsabnahme hilft (beides ist nicht das Gleiche und aus medizinischer Sicht unbedingt zu trennen), ist schwach. Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Sodbrennen war bisher kaum untersucht, wie Jesper Lagergren in der Fachzeitschrift „Gut“ (=Darm) schreibt und die wenigen Studien, die es gab, waren aus methodischen Gründen anfechtbar.
Das Team Lagergrens führte deshalb eine eigene Untersuchung durch. Sie wählten 135 Schweden aus, die in einer anderen Studie angegeben hatten, dass sie schon einmal über längere Zeit an Sodbrennen (wenigstens einmal wöchentlich über mehr als 1 Jahr) gelitten hatten. Jedem Patienten ordneten sie jeweils 6 Kontrollpersonen zu, die nicht an Sodbrennen litten, aber das gleiche Geschlecht und Alter der Patienten hatten. Solche Fall-Kontroll-Studien sind ein probates Instrument, um Risiken für Erkrankungen untersuchen. Wenn beispielsweise Übergewicht das Risiko auf Sodbrennen erhöht, dann sollten die Patienten ein höheres Körpergewicht haben als die Kontrollpersonen. Maßstab für das Körpergewicht in der Studie war der Body-Mass-Index (BMI). Er misst das Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße, und ist das heute allgemein anerkannte Maß für Übergewicht. Ein Wert über 25 gilt als Übergewicht. Ab einem BMI von 30 liegt ein krankhaftes Übergewicht (Adipositas) vor.
Die Studie ergab nun, dass die Patienten mit Sodbrennen genauso häufig übergewichtig waren wie die Kontrollpersonen. Auch die Patienten mit schwerem Sodbrennen und solche, bei denen das Sodbrennen besonders lange gedauert hatte, fielen nicht durch besondere Dickleibigkeit auf. Im Ergebnis belegt die Studie deshalb, dass Übergewicht kein Risikofaktor für Sodbrennen ist. Um sicher zu gehen, wurde noch untersucht, ob andere bekannte oder vermeintliche Risiken in den beiden Gruppen ungleich verteilt waren. So wäre es ja denkbar, dass dicke Personen seltener rauchen und weniger Alkohol trinken und damit zwei wichtige Auslöser für das Sodbrennen meiden. Doch auch dies können die Autoren ausschließen.
Die Studie gibt keine Antwort auf die zweite wichtige Frage: Auch wenn Übergewicht nicht die Ursache des Sodbrennens ist, könnte es natürlich sein, dass eine strenge Diät den Menschen mit Übergewicht, die zufällig auch an Sodbrennen leiden, helfen würde. Diese Frage könnte nur durch eine Behandlungsstudie geklärt werden, in der die Hälfte der Personen abnimmt, während die andere nicht auf das Gewicht achten muss. Eine solche Untersuchung ist jedoch noch nicht durchgeführt worden.
- Lagergren J, Bergström R, Nyrén O: No relation between body mass and gastro-oesophageal reflux symptoms in a Swedish population based study. Gut. 2000 Jul;47(1):26-9 (Medline).
