Kinder
Ohrentzündung durch Sodbrennen?
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Eine der häufigsten Ursachen für Hörverlust bei Kindern ist das Seromukotympanon: Das ist eine chronische Mittelohrentzündung, bei der die Paukenhöhle mit zähem Schleim verstopft ist [1]. Sodbrennen, also der Reflux von saurem Magensaft, könnte bei der Entstehung eine wichtige Rolle spielen, zeigte ein britisches Ärzteteam [2].
Meist beginnt eine Mittelohrentzündung mit einer Erkältung. Bakterien nutzen daraufhin die Schwächung der Immunabwehr und befallen die Verbindung von Rachenraum und Mittelohr, sie so genannte Tube. Die Schleimhaut der Tube schwillt an, dadurch ist das Mittelohr nicht mehr belüftet. Eine chronische Entzündung kann entstehen. Die Schleimhaut wandelt sich um und bildet immer mehr Schleimbecherzellen aus. Diese produzieren einen zähen Schleim, der die Selbstreinigung überfordert. Die Folge: Das Mittelohr ist ganz mit einem zähen Schleim ausgefüllt. Die Patienten haben oft keine Schmerzen und fallen erst durch Schwerhörigkeit auf. Zur Behandlung wird das Trommelfell durchtrennt und der Schleim abgesaugt. Meist wird für ein paar Wochen ein kleines Röhrchen (Paukenröhrchen) in das Trommelfell eingesetzt, damit Luft in das Mittelohr gelangt und es so abheilen kann.
Ein Forscherteam um Andrea Tasker von der Universität Newcastle (Großbritannien) hat nun bei 54 kleinen Patienten im Alter von 2-8 Jahren die Zusammensetzung des abgesaugten Schleimes untersucht. Dabei fanden sie bei einem Großteil der Proben eine hohe Konzentration des Magenenzyms Pepsin und seiner Vorstufe Pepsinogen. Die gemessenen Konzentrationen waren 1000fach höher als im Blut. Pepsinogen wird nur im Magen gebildet. Untersuchungen von Proben der Mittelohrschleimhaut ergaben keine Hinweise, dass die Mittelohrschleimhaut auch dieses Enzym bilden könnte. Die Forscher gehen also davon aus, dass sich in den untersuchten Mittelohrergüssen Magensaft befand, der nur durch die Tube dorthin gelangt sein kann.
Reflux kann bei Kindern leicht in das Mittelohr gelangen. Die Tube, die Rachenraum und Mittelohr verbindet, ist noch nicht ausgewachsen und daher noch kürzer als beim Erwachsenen. Außerdem liegen Kinder oft in Rückenlage. Dies begünstigt zum einen den Reflux und erleichtert zum anderen, dass Flüssigkeit aus dem Rachen in die Tube fließen kann. Durch den aggressiven Magensaft wird die Schleimhaut geschädigt und ist so leichte Beute für Bakterien. Diese bakterielle Infektion könnte dann zum erwähnten Seromukotympanon führen. Daher meinen die Forscher, dass mit der Behandlung des Refluxes (Antazida, H2-Blocker, OP) auch der Mittelohrentzündung vorgebeugt werden könnte.

