Aktuelle Studienergebnisse
Lebensqualität bei Refluxkrankheit
Ob man sich wohl fühlt oder nicht, auch trotz einer Erkrankung, wird in der Medizin als ‚Lebensqualität’ (siehe Kasten) gemessen. Meist wird sie an Hand von Fragebögen oder mündlicher Interviews ermittelt. Die Lebensqualität bei Sodbrennen und Refluxkrankheit ist in vielen Studien aus verschiedenen Weltteilen untersucht worden. Hier einige aktuelle Beispiele:
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Lebensqualität in der Wissenschaft Maximale Lebensqualität bedeutet im Gesundheitsbereich ‚völliges frei sein von körperlichen und psychischen Schmerzen und Missempfindungen’. |
Es ist schwierig, in solchen Untersuchungen die Lebensqualität-vermindernden Beschwerden bei ‚Refluxkrankheit’ und dem ebenfalls sehr häufigen ‚Reizmagen’-Syndrom (‚Dyspepsie’) auseinander zu halten, so eine kanadische Studie aus dem ‚Health Centre’ der Dalhousie-Universität in Halifax (1).
Beides ist in den letzten Jahrzehnten geradezu ‚epidemisch’ häufig geworden. Auch ein ‚Reizmagen’ kann ohne Reflux Sodbrennen-ähnliche Beschwerden auslösen. Und selbst starkes Sodbrennen kann ohne nachweisbare Speiseröhren-Entzündung vorliegen (‚Non-erosive Reflux-Krankheit’ abgekürzt englisch ‚NERD’). In einer irischen Studie der Medical School an der National University in Cork (2) wird dem Arzt im Zweifelsfall der Tipp gegeben, bei Überwiegen von Sodbrennen auf Refluxkrankheit zu behandeln, bei Überwiegen anderer Symptome dagegen (z. B. Übelkeit, Völlegefühl, unklare Oberbauchbeschwerden) auf Reizmagen bzw. Dyspepsie. Die irische Untersuchung gab Hinweise darauf, dass die Non-erosive Refluxkrankheit weniger auf Protonenpumpen-Hemmer anzusprechen scheint.
Die Existenz der Non-erosiven Refluxkrankheit (NERD) wird in vielen weiteren Studien bestätigt, so an der Emory University School of Medicine in Atlanta, USA (3). Dort hatten 75 Prozent der Patienten mit chronischem Sodbrennen mäßige bis schwere Symptome. Für den Schweregrad spielte die Frage ‚Speiseröhren-Entzündung oder nicht’ keine Rolle. Bei allen war der Verlust an Lebensqualität gleich stark. Möglicherweise, so die Wissenschaftler, gibt es drei verschiedene Patientengruppen mit Sodbrennen: Eine mit tatsächlichem chronischem Reflux, eine zweite mit geringem ‚normalem Reflux’ (nicht mehr als bei Gesunden), aber vielleicht besonders schmerzempfindlicher Speiseröhre, und eine dritte mit anderen medizinischen Problemen, die als Reflux fehlgedeutet wurden.
Australische Untersuchungen zur Lebensqualität aus dem Center for Health Informatics und dem Prince of Wales Hospital in Randwick, New South Wales (4,5) geben Hinweise darauf, dass es scheinbar dort bei Reflux und ‚Reizmagen’ Geschlechtsunterschiede gibt. Frauen mit Reflux- oder Reizmagenbeschwerden gaben größere körperliche und psychische Probleme an als Männer, und fühlten sich insgesamt schlechter. Das wurde teils körperlichen und sozialen Umständen speziell der Frauen zugeschrieben. Bei ihnen überwogen Beschwerden wie Völlegefühl und übermäßig frühes Sattwerden beim Essen, bei Männern Sodbrennen (in 41 Prozent, Frauen: 33 Prozent) und ‚Regurgitation’, also ‚Rückfluss von Magensäure in die Mundhöhle’. Gleich viel litten beide Geschlechter an Übelkeit und Erbrechen. Unterschiede zwischen Stadt und Land oder zwischen Arbeitern und Angestellten fanden sich nicht. Zur Abhilfe nahmen über 50 Prozent Antazida, 20 Prozent ärztlich verordnete Medikamente, und 20 Prozent keinerlei Medikamente.
Oft ähneln Brustschmerzen bei Refluxkrankheit denjenigen bei Verengungen von Herzkranzgefässen, und können die Lebensqualität ähnlich stark einschränken. Bei ‚Herzschmerzen’ ohne Hinweis auf Herz-Durchblutungsstörungen wurde bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen eine Refluxkrankheit entdeckt, so Ergebnisse aus der Universite de Montreal, Kanada (6). Bei chinesischen Patienten mit nicht-herzbedingten Brustschmerzen fanden sich bei 29 Prozent übernormale Säurewerte in der Speiseröhre ohne Speiseröhren-Entzündung. Dies ergab eine Studie aus dem Queen Mary Hospital in Hongkong (7).
An der Poliklinik S Matteo in Pavia, Italien (8) wurden Fragebögen zur Lebensqualität und damit verbundener Arbeitsunfähigkeit ausgewertet. Nur 2,6 Prozent der Befragten mit Sodbrennen gaben an, dass die Beschwerden ihre Arbeitsqualität störten. Arbeitsunfähigkeit wurde gar nicht angegeben. Bei den meisten Befragten handelte es sich um Mitarbeiter des Krankenhauses, an dem die Studie Statt fand, oder einer nahe gelegenen Fabrik. In Mondal / Schweden (9) dagegen fanden Wissenschaftler der ‚Health Economics’ der Firma AstraZeneca (ein Hersteller sog. Protonenpumpeninhibitoren, die die Säurebildung im Magen unwiderruflich blockieren), ebenfalls per Fragebogen, bei Patienten mit Sodbrennen aus Allgemeinarzt-Praxen einen hohen Zusammenhang zwischen der Stärke der Beschwerden und dem Nachlassen der Arbeitsproduktivität und der ‚Lebensqualität im täglichen Leben’. Es ist unklar, wie die Unterschiede der Ergebnisse zwischen beiden Studien zur Lebensqualität zu erklären sind.
In Bethesda/USA (10) ging man in Zusammenhang mit Lebensqualität der Frage nach, ob Patienten mit Sodbrennen für ‚schnelle völlige Schmerzbefreiung ohne Nebenwirkungen’ mehr zu zahlen bereit wären. Insgesamt war dies laut Untersuchung bei den meisten der Fall. Vor allem Jüngere mit mäßig ausgeprägten Beschwerden waren dazu bereit, falls im Gegenzug Nebenwirkungen verhindert würden. Ältere lehnten es eher ab, für bessere Symptombefreiung mehr zu zahlen, so ein weiterer Einzelbefund dieser Studie.
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und:
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