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Aktuelle Studienergebnisse
Lebensqualität bei Refluxkrankheit

Ob man sich wohl fühlt oder nicht, auch trotz einer Erkrankung, wird in der Medizin als ‚Lebensqualität’ (siehe Kasten) gemessen. Meist wird sie an Hand von Fragebögen oder mündlicher Interviews ermittelt. Die Lebensqualität bei Sodbrennen und Refluxkrankheit ist in vielen Studien aus verschiedenen Weltteilen untersucht worden. Hier einige aktuelle Beispiele:

Lebensqualität in der Wissenschaft

Was nicht messbar ist, wird messbar gemacht

Maximale Lebensqualität bedeutet im Gesundheitsbereich ‚völliges frei sein von körperlichen und psychischen Schmerzen und Missempfindungen’.
    So gut haben es nur wenige. Vor allem diejenigen nicht, die unter chronischen Krankheiten oder auch nur Störungen leiden, auch wenn diese Störungen nicht lebensbedrohlich sind. Für sie bedeutet Lebensqualität jedenfalls nicht ‚frei von Krankheit’. Trotzdem kann sie, in vielen Schattierungen, auch für Erkrankte bedeuten, mehr oder weniger frei von Schmerzen und Missempfindungen zu sein, auch mit Hilfe medizinischer Fortschritte. Objektive ‚Krankheit’ und subjektives ‚Leiden’ aber wurden von vielen Ärzten lange Zeit nicht von einander getrennt. Daher der berühmte Satz ‚Damit müssen Sie leben’, der die Lebensqualität so zu sagen ‚mit einem Tritt’ ins Abseits befördert.
    Die ‚Lebensqualität’ wurde in der medizinischen Forschung lange vernachlässigt. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie für größere Gruppen ‚Patientenguts’ (so einer der Fachbezeichnungen) schwer zu ‚messen’ ist, dass aber ‚Messbarkeit’ bei Untersuchungen in der wissenschaftlichen Medizin unentbehrlich für Forscherkarrieren ist, einzig anerkannt als Beweis zur Unterstützung bestimmter Ziele oder Interessen. In diesem Licht existiert nicht, was schwer messbar ist, auch wenn es Kern und Ziel des gesamten Forschungsgebietes ist.
    ‚Lebensqualität’ erforschen ist ganz anders als etwa ‚Reaktionen im Labor’ zu erfassen. Bei der Lebensqualität muss man sich auf persönliche ‚subjektive’ Angaben vieler sehr unterschiedlicher Menschen verlassen (meist per Fragebogen, oder durch festgelegte Fragen in Interviews). Schon unsere Alltagserfahrungen zeigen deutlich, dass solche Angaben nicht so vergleichbar sind wie Moleküle im Laborversuch. Man kann nicht mal feststellen, ob die Angaben ‚richtig’ sind, obwohl das oft behauptet wird. Denn manche Patienten neigen dazu, dem Arzt einen Gefallen zu tun, und geben darum ihre ‚Lebensqualität nach Therapie’ als besser an als sie sie empfinden. Manche sind vielleicht bei gleichen Auslösern empfindlicher veranlagt als andere, und wieder andere ‚untertreiben’ oder ‚übertreiben’ gern. Trotzdem werden alle Daten zur Auswertung zusammen in den Topf geworfen. - Ganz anders die Moleküle im Labor: Sie verhalten sich alle gleich, und werden ‚objektiv’ und exakt von außen beobachtet. So liefern sie messbare, genaue Daten zur Auswertung.
    Die Ungenauigkeit der einmal gesammelten Daten zur ‚Lebensqualität’ wird dann durch meist sehr komplizierte, nur für Mathematiker durchschaubare statistische Auswertungen ausgeglichen, allerdings nur scheinbar, so zu sagen ‚kosmetisch’. Je unzuverlässiger die Daten, desto komplizierter die Statistik. Sie macht oft den Hauptteil der Studienberichte aus, und lässt so alles präziser und messbarer aussehen. Die Ergebnisse dagegen sind meist sehr einfach: Erstens haben demnach Kranke meist schlechtere Lebensqualität als Gesunde (siehe auch zur ‚Refluxkrankheit’). Zweitens haben behandelte Kranke nach bestimmten Therapien eine bessere (seltener schlechtere) Lebensqualität als Unbehandelte.
    Messbarkeit ist extrem wichtig für medizinische Forscherkarrieren, auch in Versuchen an Menschen, wie schon oft auf extremste Art dokumentiert. Andererseits wird manchmal auch kleinsten Fragen mit hohem Aufwand nachgegangen, die für Patienten nur sehr entfernt oder überhaupt nicht erheblich sind, nur weil sie diese eine Bedingung erfüllen: Durch Messbarkeit Karrieren zu fördern, oder bestimmten Interessen zu dienen. Die Frage aller Fragen in der Medizin aber, die nach Besserung der Lebensqualität, war lange ein Stiefkind der Forschung, und wurde nicht so ernst genommen.
    Da hat sich inzwischen etwas geändert. Die Lebensqualität tritt stärker in den Vordergrund des Interesses (wohin sie gehört, und wo sie für Patienten schon immer stand). Sie ist nun auch stärker in den Vordergrund medizinischer Forschung getreten, allerdings so schwer messbar wie eh und je. Darum ist die wissenschaftliche Bedingung dafür vielleicht erst einmal: ‚Was nicht messbar ist, wird statistisch messbar gemacht’.

Es ist schwierig, in solchen Untersuchungen die Lebensqualität-vermindernden Beschwerden bei ‚Refluxkrankheit’ und dem ebenfalls sehr häufigen ‚Reizmagen’-Syndrom (‚Dyspepsie’) auseinander zu halten, so eine kanadische Studie aus dem ‚Health Centre’ der Dalhousie-Universität in Halifax (1).

Beides ist in den letzten Jahrzehnten geradezu ‚epidemisch’ häufig geworden. Auch ein ‚Reizmagen’ kann ohne Reflux Sodbrennen-ähnliche Beschwerden auslösen. Und selbst starkes Sodbrennen kann ohne nachweisbare Speiseröhren-Entzündung vorliegen (‚Non-erosive Reflux-Krankheit’ abgekürzt englisch ‚NERD’). In einer irischen Studie der Medical School an der National University in Cork (2) wird dem Arzt im Zweifelsfall der Tipp gegeben, bei Überwiegen von Sodbrennen auf Refluxkrankheit zu behandeln, bei Überwiegen anderer Symptome dagegen (z. B. Übelkeit, Völlegefühl, unklare Oberbauchbeschwerden) auf Reizmagen bzw. Dyspepsie. Die irische Untersuchung gab Hinweise darauf, dass die Non-erosive Refluxkrankheit weniger auf Protonenpumpen-Hemmer anzusprechen scheint.

Die Existenz der Non-erosiven Refluxkrankheit (NERD) wird in vielen weiteren Studien bestätigt, so an der Emory University School of Medicine in Atlanta, USA (3). Dort hatten 75 Prozent der Patienten mit chronischem Sodbrennen mäßige bis schwere Symptome. Für den Schweregrad spielte die Frage ‚Speiseröhren-Entzündung oder nicht’ keine Rolle. Bei allen war der Verlust an Lebensqualität gleich stark. Möglicherweise, so die Wissenschaftler, gibt es drei verschiedene Patientengruppen mit Sodbrennen: Eine mit tatsächlichem chronischem Reflux, eine zweite mit geringem ‚normalem Reflux’ (nicht mehr als bei Gesunden), aber vielleicht besonders schmerzempfindlicher Speiseröhre, und eine dritte mit anderen medizinischen Problemen, die als Reflux fehlgedeutet wurden.

Australische Untersuchungen zur Lebensqualität aus dem Center for Health Informatics und dem Prince of Wales Hospital in Randwick, New South Wales (4,5) geben Hinweise darauf, dass es scheinbar dort bei Reflux und ‚Reizmagen’ Geschlechtsunterschiede gibt. Frauen mit Reflux- oder Reizmagenbeschwerden gaben größere körperliche und psychische Probleme an als Männer, und fühlten sich insgesamt schlechter. Das wurde teils körperlichen und sozialen Umständen speziell der Frauen zugeschrieben. Bei ihnen überwogen Beschwerden wie Völlegefühl und übermäßig frühes Sattwerden beim Essen, bei Männern Sodbrennen (in 41 Prozent, Frauen: 33 Prozent) und ‚Regurgitation’, also ‚Rückfluss von Magensäure in die Mundhöhle’. Gleich viel litten beide Geschlechter an Übelkeit und Erbrechen. Unterschiede zwischen Stadt und Land oder zwischen Arbeitern und Angestellten fanden sich nicht. Zur Abhilfe nahmen über 50 Prozent Antazida, 20 Prozent ärztlich verordnete Medikamente, und 20 Prozent keinerlei Medikamente.

Oft ähneln Brustschmerzen bei Refluxkrankheit denjenigen bei Verengungen von Herzkranzgefässen, und können die Lebensqualität ähnlich stark einschränken. Bei ‚Herzschmerzen’ ohne Hinweis auf Herz-Durchblutungsstörungen wurde bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen eine Refluxkrankheit entdeckt, so Ergebnisse aus der Universite de Montreal, Kanada (6). Bei chinesischen Patienten mit nicht-herzbedingten Brustschmerzen fanden sich bei 29 Prozent übernormale Säurewerte in der Speiseröhre ohne Speiseröhren-Entzündung. Dies ergab eine Studie aus dem Queen Mary Hospital in Hongkong (7).

An der Poliklinik S Matteo in Pavia, Italien (8) wurden Fragebögen zur Lebensqualität und damit verbundener Arbeitsunfähigkeit ausgewertet. Nur 2,6 Prozent der Befragten mit Sodbrennen gaben an, dass die Beschwerden ihre Arbeitsqualität störten. Arbeitsunfähigkeit wurde gar nicht angegeben. Bei den meisten Befragten handelte es sich um Mitarbeiter des Krankenhauses, an dem die Studie Statt fand, oder einer nahe gelegenen Fabrik. In Mondal / Schweden (9) dagegen fanden Wissenschaftler der ‚Health Economics’ der Firma AstraZeneca (ein Hersteller sog. Protonenpumpeninhibitoren, die die Säurebildung im Magen unwiderruflich blockieren), ebenfalls per Fragebogen, bei Patienten mit Sodbrennen aus Allgemeinarzt-Praxen einen hohen Zusammenhang zwischen der Stärke der Beschwerden und dem Nachlassen der Arbeitsproduktivität und der ‚Lebensqualität im täglichen Leben’. Es ist unklar, wie die Unterschiede der Ergebnisse zwischen beiden Studien zur Lebensqualität zu erklären sind.

In Bethesda/USA (10) ging man in Zusammenhang mit Lebensqualität der Frage nach, ob Patienten mit Sodbrennen für ‚schnelle völlige Schmerzbefreiung ohne Nebenwirkungen’ mehr zu zahlen bereit wären. Insgesamt war dies laut Untersuchung bei den meisten der Fall. Vor allem Jüngere mit mäßig ausgeprägten Beschwerden waren dazu bereit, falls im Gegenzug Nebenwirkungen verhindert würden. Ältere lehnten es eher ab, für bessere Symptombefreiung mehr zu zahlen, so ein weiterer Einzelbefund dieser Studie.


Literatur
  1. Veldhuyzen van Zanten S.: Problems in measurement of quality of life in dyspepsia trials. Eur J Surg Suppl 1998;(583):77-80 (Medline).
  2. Quigley EM.: Non-erosive reflux disease: part of the spectrum of gastro-oesophageal reflux disease, a component of functional dyspepsia, or both? Eur J Gastroenterol Hepatol 2001 May;13 Suppl 1:S13-8 (Medline).
  3. Waring JP.: Nonerosive reflux disease. Semin Gastrointest Dis 2001 Jan;12(1):33-7 (Medline).
  4. Westbrook JI, Talley NJ, Westbrook MT.: Gender differences in the symptoms and physical and mental well-being of dyspeptics: a population based study. Qual Life Res 2002 May;11(3):283-91 (Medline).
  5. Bolin TD, Korman MG, Hansky J, Stanton R.: Heartburn: community perceptions. J Gastroenterol Hepatol 2000 Jan;15(1):35-9 (Medline).
  6. Boivin M, Paterson WG.: Management of complicated gastroesophageal reflux disease: atypical chest pain. Can J Gastroenterol 1997 Sep;11 Suppl B:91B-93B (Medline).
  7. Wong WM, Lai KC, Lau CP, Hu WH, Chen WH, Wong BC, Hui WM, Wong YH, Xia HH, Lam SK.: Upper gastrointestinal evaluation of Chinese patients with non-cardiac chest pain. Aliment Pharmacol Ther 2002 Mar;16(3):465-71 (Medline).
  8. Valle C, Broglia F, Pistorio A, Tinelli C, Perego M.: Prevalence and impact of symptoms suggestive of gastroesophageal reflux disease. Dig Dis Sci 1999 Sep;44(9):1848-52 (Medline).
  9. * Wahlqvist P, Carlsson J, Stalhammar NO, Wiklund I.: Validity of a Work Productivity and Activity Impairment questionnaire for patients with symptoms of gastro-esophageal reflux disease (WPAI-GERD)--results from a cross-sectional study. Value Health 2002 Mar-Apr;5(2):106-13 (Medline). und:
    * Wahlqvist P.: Symptoms of gastroesophageal reflux disease, perceived productivity, and health-related quality of life. Am J Gastroenterol 2001 Aug;96(8 Suppl):S57-61 (Medline).
  10. Kleinman L, McIntosh E, Ryan M, Schmier J, Crawley J, Locke GR 3rd, De Lissovoy G.: Willingness to pay for complete symptom relief of gastroesophageal reflux disease. Arch Intern Med 2002 Jun 24;162(12):1361-6 (Medline).

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