Auch Sport kann Sodbrennen auslösen
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Reflux und sein Hauptsymptom, das Sodbrennen, können durch Sport und Bewegung verstärkt werden. Manchmal so sehr, dass die sportliche Aktivität zur Qual wird. Der Zusammenhang vor allem von Dauerlauf und Magen-Darm-Störungen wurde durch viele, meist in sportmedizinischen Zeitschriften erschienenen Untersuchungen belegt.
Fachinformationen für Sportärzte
Erfahrungsgemäss leiden Sportlerinnen und Sportler, so Experten von der Londoner Gastro-Intestinal Science Research Unit am St. Bartholomew Hospital, beim Sport oft an Bauch- und Brustschmerzen [1]. Die Brustschmerzen können sowohl vom Herzen als auch refluxbedingt in der Speiseröhre ausgelöst sein. Bei Joggen oder Rudern (den beiden dort getesteten Disziplinen) mit gefülltem Magen verstärkte sich auch nach leichter Mahlzeit der Reflux erheblich, und zwar schon bei normalerweise asymptomatischen, gesunden Sportlern, verglichen mit Laufen und Rudern ohne Magenfüllung. Sport- und anderen Ärzten wird deshalb empfohlen, neben Herzerkrankungen die Refluxkrankheit in Betracht zu ziehen, wenn Sportler wegen 'Brustschmerz beim Training' die Praxis aufsuchen.
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Langstreckenlauf ist mehr mit unteren Verdauungstrakt-Symptomen verbunden (Stuhldrang, Diarrhoe in 67 Prozent) als mit Beschwerden 'weiter oben' (Sodbrennen, Aufstoßen, Erbrechen in 36 Prozent). Bei Radfahrsportlern dagegen ist beides gleich häufig (67 und 64 Prozent). Die Testpersonen einer entsprechenden Studie waren gut trainierte Ausdauersportler, Frauen und Männer. Die selben Befunde bestätigten sich bei Triathleten in den Disziplinen Laufen und Radfahren. Die Symptome traten vor allem in den Ruheperioden auf. Die Autoren dieser Untersuchung, Wissenschaftler der sportmedizinischen Universitätsklinik Utrecht/Holland [2], weisen außerdem besonders darauf hin, dass laut dieser Untersuchung von Sportlern in den Niederlanden seltener Medikamente gegen Refluxbeschwerden eingenommen würden als von Sportlern aus anderen Ländern.
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In Nordirland, während eines 'Belfast City Marathon' mit insgesamt 1.750 Teilnehmern, traten unter 471 Personen (die Anzahl zurückgegebener komplett ausgefüllter Fragebögen) bei 83 Prozent Magen-Darm-Symptome auf, und zwar häufiger bei Frauen und insgesamt bei Jüngeren als bei Männern und insgesamt bei Älteren, und häufiger bei 'hartem' als bei 'leichtem' Lauf. Dies fanden Wissenschaftler der 'Division of Physical and Health Education' an der Queen's University, Belfast [3]. Die Beschwerden traten hier zeitlich unabhängig von Laufen oder Ruheperioden auf. Es kam sowohl zu Darmsymptomen ('unruhiger Darm', Diarrhoe) wie auch zu Beschwerden im Bereich von Speiseröhre und Magen. Demnach (und nach anderen Untersuchungen) sind Magen-Darm-Symptome sehr häufig bei Langstreckenläufern. Ärzte sollten daran denken bei Untersuchungen von Patienten, die viel joggen.
Sportler sind refluxgefährdet
Wer joggt oder andere Ausdauer-Sportarten vor allem mit Laufen, Springen und kräftigen Beinbewegungen betreibt, etwa Rad fahren, kann dadurch eine eventuelle Neigung zum Sodbrennen verstärken. Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre wird durch diese Sportarten auch bei trainierten Sportlern stimuliert, bei Gesunden wie bei Reflux-Patienten, teils mit und teils ohne Symptome.
Tritt Brustschmerz beim Sport auf, sollte man sich unbedingt untersuchen lassen, weil dann außer Reflux (aber sehr viel seltener) auch eine Herzkrankheit der Auslöser sein könnte.
Treibt man gern Ausdauersport, leidet dabei aber an Sodbrennen, gibt es außer säurehemmenden Medikamenten wie Antazida auch eine 'sportbezogene' Lösung. So können die Beschwerden sehr oft durch kontrollierte Reduktion der Trainingsanstrengung bis zur Beschwerdefreiheit und anschließend schrittweisen Wiederaufbau der Leistung bis zum alten Niveau nachhaltig beseitigt werden, fanden Sportmediziner in Bamberg (siehe die nachfolgend zitierte Studie).
Auch schwach kohlensäurehaltige so genannte Sport-Drinks können beim Training Sodbrennen verstärken. Darum liegt es nahe, kohlensäurefreie Getränke, etwa 'stilles' Mineralwasser, als Sport-Drink vorzuziehen, wenn man anfällig für Sodbrennen ist. Was man dann wohl auch instinktiv tun würde.
Unabhängig vom Sport, kann bei Refluxpatienten Kaugummi Kauen nach Mahlzeiten Sodbrennen verhindern helfen. Dieser vorbeugende Effekt war in einer entsprechenden Untersuchung viel stärker als derjenige von Spaziergängen nach dem Essen.
Für die Beschwerden bei Läufern zieht man verschiedene Ursachen in Betracht, etwa Störungen der Flüssigkeits- und Mineralgleichgewichts im Darmwandbereich, Stimulationen des vegetativen Nervensystems, Durchblutungsstörungen im Verdauungstrakt, erschütterungsbedingte mechanische Miniverletzungen. Zumindest 'untere Symptome' wie Stuhldrang und Diarrhoe konnten nachhaltig bekämpft werden, indem zunächst die Trainings-Intensität reduziert und dann in kleinen Schritten wieder auf den vorherigen Stand aufgebaut wurde. Meist, so Sportmediziner vom '188th General Dispensary' der US-Armee in Bamberg, treten die Beschwerden dann nicht wieder auf [4].
Werden verstärktes Sodbrennen, Aufstoßen, Hochströmen von Nahrungsbrei ('Regurgitation') und Brustschmerz beim Sport durch Fehlfunktionen der Speiseröhre ausgelöst, wie oft angenommen? Es zeigte sich, dass die Transportbewegungen ('Peristaltik') der Speiseröhrenwand beim Sport unverändert bleiben. Aber der Druck des unteren Speiseröhren-Schließmuskels steigt unmittelbar anschließend, auch nach leichtem Training, möglicherweise stimuliert durch dabei gemessene Anstiege der Hormone Motilin und Gastrin sowie der Katecholamine (Noradrenalin, Adrenalin) im Blut. Doch es blieb unklar, wie oder ob überhaupt dieser Druckanstieg im unteren Speiseröhren-Abschnitt für die Beschwerden eine Rolle spielt [5].
Und wenn man in großer Hitze Ausdauersport treibt, beispielsweise in einem heißen Sommer in East Carolina/USA? Was immer man dabei erleben mag, sicher ist: Man muss viel trinken. An der East Carolina University in Greenville fanden Sportwissenschaftler, dass auch nach nur schwach kohlensäurehaltigen Getränken, verglichen mit kohlensäurefreiem Wasser, häufiger Sodbrennen angegeben wurde. So etwa würde man es auch als Laie erwarten [6]. Das Sodbrennen aber hielt die Teilnehmer nicht vom weiteren Trinken des kohlensäurehaltigen Getränks ab, und hatte sonst keinerlei negative Auswirkungen. Der Flüssigkeits- und Mineralhaushalt und die Hitze-Anpassungsreaktionen waren nicht abhängig vom Kohlensäuregehalt der Getränke.
- Yazaki E, Shawdon A, Beasley I, Evans DF: The effect of different types of exercise on gastro-oesophageal reflux. Aust J Sci Med Sport 1996 Dec; 28(4): 93-6 (Medline).
- Peters HP, Bos M, Seebregts L, Akkermans LM, van Berge Henegouwen GP, Bol E, Mosterd WL, de Vries WR: Gastrointestinal symptoms in long-distance-runners, cyclists, and triathletes: prevalence, medication, and etiology. Am J Gastroenterol 1999 Jun; 1570-81 (Medline).
- Riddoch C, Trinick T: Gastrointestinal disturbances in marathon runners. Br J Sports Med 1988 Jun; 22 (2): 71-4 (Medline).
- Butcher JD: Runner's diarrhea and other intestinal problems of athletes. Am Fam Physician 1993 Sep 15; 48(4): 623-7 (Medline).
- Worobetz LJ, Gerrard DF: Effect of moderate exercise on esophageal function in asymptomatic athletes. Am J Gastroenterol 1986 Nov; 81 (11): 1048-51 (Medline).
- Hickey MS, Costill DL, Trappe SW: Drinking behavior and exercise-thermal stress: role of drink carbonation. Int J Sport Nutr 1994 Mar; 4(1): 8-21 (Medline).

