Refluxassoziierte Atemwegserkrankungen
Reflux: Nicht nur schlecht für die Speiseröhre, sondern auch für die Atemwege
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Deutsches Ärzteblatt |
Bei vielen chronischen Atemwegserkrankungen könnte Reflux von saurem Magensaft die Ursache sein. Patienten mit chronischem Husten, Asthma oder Kehlkopfentzündung leiden oft auch unter Reflux, so der Fuldaer Professor Daniel Jaspersen [1]. Selbst chronische Entzündungen von Mittelohr oder Nasennebenhöhlen oder Schlafstörungen könnten mit Reflux zusammenhängen.
Viele Menschen leiden unter Refluxbeschwerden. Saurer Magensaft steigt in die Speiseröhre auf und verursacht dort Schmerzen und Entzündungen der Schleimhaut. Reflux kann aber nicht nur Sodbrennen auslösen, sondern auch viele chronische Atemwegserkrankungen. Oft ist es aber schwierig, zwischen refluxassoziierten und refluxbedingten Erkrankungen zu unterscheiden: Ob also die Erkrankungen nur gehäuft zusammen auftreten oder ob sie tatsächlich durch Reflux verursacht werden. Aber auch in unsicheren Fällen sollte eine medikamentöse Therapie versucht werden (sog. "probatorische Therapie"), wenn andere Ursachen für die Atemwegserkrankungen ausgeschlossen wurden.
Bei chronischem Husten gilt Reflux als eine wichtige Ursache. Der Magensaft kann dabei über zwei Wege zu Husten führen: Einmal durch eine Reizung der Speiseröhrenwand, die einen Hustenreflex auslösen kann. Die aufsteigende Magensäure kann auch in die Atemwege gelangen und direkt dort den Husten verursachen. Bevor der Husten mit Magensäureblockern behandelt wird, sollten andere mögliche Ursachen wie chronische Bronchitis (Raucher!) oder Husten als Medikamenten-Nebenwirkung (z. B. bei blutdrucksenkenden ACE-Hemmern) ausgeschlossen sein.
Werden Speiseröhre und Atemwege durch sauren Magensaft gereizt, kann so auch Asthma bronchiale ausgelöst werden oder ein Asthmaanfall verschlimmert werden. Wenn ein Asthmapatient auch unter Reflux leidet oder die Atemnot schwer in den Griff zu bekommen ist, sollte eine Therapie mit Magensäurehemmern (z. B. Protonenpumpenhemmern) über sechs Monate versucht werden.
Auch der Kehlkopf kann durch Reflux zu Schaden kommen. Dieser "laryngo-pharyngeale Reflux" ("LPR") unterscheidet sich vom "gastro-ösophagealen Reflux" ("GERD"). Beim GERD funktioniert der Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre nicht richtig, beim LPR hingegen ist hauptsächlich der Übergang zwischen Speiserohre und Kehlkopf betroffen. Da die Kehlkopfschleimhaut viel empfindlicher als die Speiseröhre auf Säure und Verdauungsenzyme reagiert, können hier schon geringe Mengen saurer Mageninhalt eine Entzündung verursachen. Auch chronische Nasennebenhöhlenentzündung und Formen der Mittelohrentzündung scheinen gehäuft zusammen mit Refluxbeschwerden aufzutreten. Die vorliegenden Studien reichen nach Ansicht Jaspersens aber nicht aus, um nachzuweisen, dass der Reflux die alleinige Ursache dafür ist.
- Jaspersen D, Weber R, Issing WJ, Vogelmeier C, Becker HF: Refluxassoziierte Atemwegserkrankungen: Aus der Sicht von Gastroenterologie, HNO und Pneumologie. Dtsch Arztebl 2003; 100: 3096-3102 (Original).

