Impedanz-Messung
Neueste Hightech-Diagnostik für Sodbrennen-Patienten
Impedanzmessgerät |
Die Impedanz-Messung in der Speiseröhre ist ein neuartiges Diagnoseverfahren bei der Refluxkrankheit oder refluxbedingten Erkrankungen (wie z. B. Aspirations-Asthma). In Ergänzung zu anderen Verfahren, z. B. der pH-Metrie (wieviel Säure ist in der Speiseröhre?) oder der Ösophagus-Manometrie (wie verhalten sich Drücke und Entspannung in der Speiseröhre?), können mit der "intraluminalen Impedanz-Messung" vom Magen in die Speiseröhre zurückfließende Inhalte jeder Art festgestellt werden. Dies eröffnet neue diagnostische Wege zum Beispiel bei solchen Refluxpatienten, bei denen der Reflux entweder nur schwach sauer ist oder überhaupt keine Säure enthält ("pH-unabhängige Reflux-Erkennung").
Grundlagen (Messtechnik): Das grundlegende Prinzip der Impedanzmessung ist die Tatsache, daß ein Flüssigkeitsbolus ("größerer Bissen") im Ösophagus eine Impedanzänderung hervorruft. Mit der Impedanz wird die elektrische Leitfähigkeit eines Organs und seines Inhaltes gemessen. Hierfür wird an zwei Elektroden eines Katheters eine geringe Spannung angelegt und der resultierende Strom gemessen. Die Impedanz ist umgekehrt proportional zur elektrischen Leitfähigkeit von Organinhalt und Organdurchmesser. Da die Leitfähigkeit verschiedener Medien unterschiedlich hoch ist - die elektrische Leitfähigkeit von Luft z. B. annähernd null, die Leitfähigkeit eines Flüssigkeitsbolus dagegen relativ hoch -, sinkt die Impedanz während der Passage eines Flüssigkeitsbolus. Da an dem Katheter mehrere Elektroden in unterschiedlicher Höhe platziert sind, können zudem die Richtung des Transportes und die Höhe gemessen werden, bis zu der ein Reflux steigt (sog. Mehrkanal- oder multiple Messung). Da es bei der neuen Technik nicht auf den Säuregrad des Refluats ankommt, kann also sowohl saurer als auch nicht-saurer Reflux sicher erkannt werden [1].
Typische Darstellung eines Ösophagusfunktionstests |
Grundlagen (Säuremessung): Kurzzeitiger Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre kommt auch bei Gesunden vor, ist oft also ganz normal. Bekannt ist, dass nur rund ein Drittel dieser, zumeist nach dem Essen auftretenden Ereignisse ("postprandialer Reflux") so sauer sind (pH < 4), dass sie messtechnisch mit dem Standardverfahren pH-Metrie erfassbar sind. Auch bei Refluxkranken weist nur die Hälfte der Refluxereignisse einen pH < 4 (d. h. "ziemlich sauer") auf. Bei den übrigen Refluxereignissen kommt es entweder zu sog. kleineren pH-Abfällen um 1 bis 3 pH-Stufen vom Ausgangswert (d. h. es wird ein "bisschen saurer") oder gar keinen pH-Veränderungen. Diese Patienten haben oft einen "gemischten Reflux" aus Säure und Gallenbestandteilen, und in 10% der Fälle nur Galle. Die Sensitivität eines ersten kommerziellen Messgerätes liegt bei 89%, die positive Vorhersagekraft bei 83% [2].
Nachweisbar: Reflux trotz Säuresekretions-Hemmung mit PPIs
Konsequenzen (Diagnose): Bei vielen Refluxpatienten erweitert die Impedanz-Messung erheblich die medizinischen Diagnosemöglichkeiten. Beispiel: Die Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) verringert bei Sodbrennen-Patienten zwar den sauren Reflux, verstärkt aber den nicht-sauren Reflux. Selbst wenn sich durch den Rückgang des sauren Reflux theoretisch die Beschwerden wie Sodbrennen bessern können, bleiben sie bei vielen Patienten erhalten. Einfach, weil der Reflux als solcher nicht ausheilt und auch nicht-sauerer Reflux Sodbrennen und andere Beschwerden machen kann. Mit der Impedanzmessung kann solcher, trotz PPI-Therapie erhalten gebliebener Reflux problemlos nachgewiesen werden [3]. Ein anderes Beispiel: Reflux kann ein bedeutende Ursache z. B. für Kehlkopf-Funktionsstörungen (Heiserkeit, ständiger Räusperzwang) oder Lungenerkrankungen (aspirationsbedingtes Asthma) sein. Nicht selten führt aber die Unterdrückung der Säurebildung oder -ausschüttung nicht zur gewünschten Linderung der refluxbedingten Erkrankung. Grund: Der Kontakt der Atemwege mit zurückfließendem Verdauungssaft bleibt auch nach Säuresuppression weiter erhalten. Die Impedanz-Messung kann besser als andere Verfahren und zudem völlig röntgenstrahlenfrei den erhaltenen Reflux nachweisen. Auch in der Kinderheilkunde wird die Impedanzmessung bereits eingesetzt, weil jede Art von Reflux selbst bei Frühgeborenen problemlos nachweisbar wird [4].
Konsequenzen (Wissenschaft): Die "multiple intraluminale Impedanz-Technologie" inkl. pH- und/oder Manometrie (MII-EM, MII-pH) eröffnet ein weites Feld für völlig neue Einsichten in die Refluxerkrankung [5]. Zudem eröffnet das neue Diagnoseverfahren auch neue Wege zu einem breiteren Angebot sinnvoller Therapiemöglichkeiten, die nicht nur die alleinige Medikationen mit Antazida oder Protonenpumpeninhibitoren umfassen, sondern auch endoskopische Antireflux-Maßnahmen oder minimal-invasive Operationsverfahren [6].
Hinweis: Das neue Diagnose-Verfahren ist in Deutschland, auch bei Fachärzten (Gastroenterologen), noch weitgehend unbekannt und - wenn überhaupt - nur in experimenteller Erprobung. Individuelle therapeutische Konsequenzen, die sich aus impedanz-diagnostischen Einsichten ergeben, sind für deutsche Ärzte deshalb noch nicht möglich. Selbst in den USA wird das Verfahren derzeit nur von einigen hochrangigen Kliniken eingesetzt (z. B. von den Gastroenterologen der Cleveland Clinic Foundation in Cleveland Ohio/USA).
- Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.
- Al-Zaben A, Chandra V, Stuebe T: Detection of gastrointestinal tract events from multichannel intraluminal impedance measurements. Biomed Sci Instrum. 2001;37:55-61 (Medline).
- Al-Zaben A, Chandrasekar V: Analysis of intraluminal impedance measurements. Physiol Meas. 2003 Nov;24(4):837-45 (Medline).
- Vela MF, Camacho-Lobato L, Srinivasan R, Tutuian R, Katz PO, Castell DO: Simultaneous intraesophageal impedance and pH measurement of acid and nonacid gastroesophageal reflux: effect of omeprazole. Gastroenterology. 2001 Jun;120(7):1599-606 (Medline).
- Trachterna M, Wenzl TG, Silny J, Rau G, Heimann G: Procedure for the semi-automatic detection of gastro-oesophageal reflux patterns in intraluminal impedance measurements in infants. Med Eng Phys. 1999 Apr;21(3):195-201 (Medline)
- Tutuian R, Vela MF, Shay SS, Castell DO: Multichannel intraluminal impedance in esophageal function testing and gastroesophageal reflux monitoring. J Clin Gastroenterol. 2003 Sep;37(3):206-15 (Medline).
- Tutuian R, Castell DO: Management of gastroesophageal reflux disease. Am J Med Sci. 2003 Nov;326(5):309-18 (Medline).
- Sandhill Scientific, Inc. Hersteller des "Insight Systems" (Impedanzmessung, kombiniert mit pH-, Manometrie)
- Infos in Deutschland: Tecnomatix ATMD Deutschland GmbH
- Food and Drug Administration (FDA) - US-Zulassungsbescheid für "Sandhill Scientific Insight" vom 7.6.2002.

