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"Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe..."
Antibiotika-Unempfindlichkeit des Magenkeims Helicobacter pylori (H.p.) auf dem Vormarsch


Sodbrennen

Berlin. Schon vor Jahren wurde vorausgesagt: Die 'übersteigerte Freudigkeit' vieler Magen-Darmspezialisten, mit Antibiotika den großen Magenfeind 'Helicobacter pylori' (H.p.) zu killen, wird ein vorzeitiges Ende finden [1]. Nun ist es wohl soweit, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin meldet [2]: Eine zunehmende Zahl, auch der bei Gewebeentnahmen aus Magenschleimhaut isolierten Magenkeime sind mittlerweile resistent (unempfindlich gegen Antibiotika). Erkenntnisse der multizentrischen deutschen Sentinelstudie zur Antibiotikaresistenz bei H. pylori (ResiNet, [3]) zeigen: H.p. ist bei rund 30% der Patienten bereits vor Beginn der Eradikations-Behandlung resistent gegen das Antibiotikum Metronidazol. Bei immerhin 4% der Erkrankten schlägt eine Behandlung mit dem Wirkstoff Clarithromycin wegen Resistenz nicht mehr an. Am schlimmsten sind Patienten dran, die die gleiche Behandlung mehrfach über sich haben ergehen lassen: Hier liegt die Resistenzquote über 70% [4].

Damit rächt sich schon nach wenigen Jahren der sogenannten Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie (Magenkeim-Ausrottung) die ärztliche Nichtbeachtung der Grundregel jeder Antibiotika-Therapie: Setzen Sie Antibiotika nur ein, wenn eine Erkrankung durch bakterielle Erreger ausgelöst ist und der Erreger auf das gewählte Antibiotikum empfindlich reagiert - berücksichtigen Sie also immer die Resistenz-Situation! Eine im Rahmen von ResiNet vom Nationalen Referenzzentrum für Helicobacter pylori gleichzeitig durchgeführte Befragung deutscher Gastroenterologen zeigte übrigens: Mehr als 60% dieser Experten haben noch nie eine mikrobiologische Diagnostik veranlasst!


Resistenzentwicklung

Die Empfehlung der Fachleute des Nationalen Helicobacter-Referenzzentrums ist angesichts dieses katastrophalen Zustands kaum mehr als eine Kapitulations-Erklärung: "Patienten ohne Vorbehandlung können empirisch therapiert werden". Also kurz: Weiter so - auf dass die Resistenz bei den Erregern weiter zunimmt. Dass im gleichen Atemzug durch diesen "empirischen", d. h. ungezielten, versuchsweisen Antibiotika-Mißbrauch auch andere Erreger, hierunter zahlreiche lebensbedrohliche Keime, ebenfalls resistent werden, scheint nicht bedeutsam zu sein.

Zusatzinfo: Die Gesamtzahl der Helicobacter pylori-(H. pylori)Infizierten beträgt in Deutschland etwa 20-30 Millionen. Bei etwa 4-6 Millionen chronisch Infizierter ist im Verlauf der Infektion mit behandlungsbedürftigen Komplikationen zu rechnen, sagen Experten. Hierzu gehören das H. pylori-assoziierte Magen- bzw. Zwölffingerdarmgeschwür (ca. 20%), das Magenkarzinom (<1%) und extrem seltene Tumore des im Magen vorhandenen Lymphsystems (MALT-Lymphom). Eine sog. Eradikationstherapie soll diese Erkrankungen heilen [5] bzw. ihnen vorbeugen können. Sie ist jedoch im allerbesten Fall nur bei maximal 9 von 10 Patienten erfolgreich, zumeist jedoch viel seltener. Zudem ist H.p. bei ca. 40% der Magengeschwür-Fälle überhaupt nicht ursächlich beteiligt [6]. Und: Wegen der weiten Verbreitung des Keimes kommt es ständig zu Helicobacter-pylori-Neuinfektionen (ca. 2%/Jahr) [7]. Die teure, aber gerne praktizierte Eradikationstherapie bei helicobacter-positiven Patienten mit Dyspepsie ("Reizmagen" mit Völle-, Druck- und vorzeitigem Sättigungsgefühl, Blähungen, Sodbrennen, Oberbauchschmerzen, Übelkeit und selten Erbrechen) hat nur eine geringe Wirkung [8].

Tipps: Soll eine Eradikationstherapie durchgeführt werden, klären Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens folgende Fragen:


Autor, Quellen und Links
  • Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.
  1. Thijs JC, Kuipers EJ, van Zwet AA, Pena AS, de Graaff J: Treatment of Helicobacter pylori infections. QJM. 1995 Jun;88(6):369-89 (Medline).
  2. Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitskontrolle und -prävention und damit auch die zentrale Referenzeinrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten Forschung und für den Öffentlichen Gesundheitsdienst.
  3. Nationales Referenzzentrum für Helicobacter pylori an der Abteilung für Mikrobiologie und Hygiene, Universitätsklinikum Freiburg: Multizentrische Sentinelstudie zur deskriptiven Epidemiologie der Antibiotikaresistenz und der molekularen Resistenzmechanismen bei Helicobacter pylori in Deutschland (ResiNet).
  4. Kist M, Glocker E: Helicobacter-pylori-Infektionen: ResiNet - eine bundesweite Sentinelstudie zur Resistenzentwicklung. Epidemiologisches Bulletin 2004; 19.11.2004; 47:389-91.
  5. Ford A, Delaney B, Forman D, Moayyedi P: Eradication therapy for peptic ulcer disease in Helicobacter pylori positive patients. Cochrane Database Syst Rev. 2003;(4):CD003840 (Medline).
  6. Freston JW: Management of peptic ulcers: emerging issues. World J Surg. 2000 Mar;24(3):250-5 (Medline).
  7. Okimoto T, Murakami K, Sato R, Miyajima H, Nasu M, Kagawa J, Kodama M, Fujioka T: Is the recurrence of Helicobacter pylori infection after eradication therapy resultant from recrudescence or reinfection, in Japan. Helicobacter. 2003 Jun;8(3):186-91 (Medline).
  8. Moayyedi P, Soo S, Deeks J, Delaney B, Harris A, Innes M, Oakes R, Wilson S, Roalfe A, Bennett C, Forman D: Eradication of Helicobacter pylori for non-ulcer dyspepsia. Cochrane Database Syst Rev. 2003;(1):CD002096 (Medline).

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