Neuer Einfach-Fragebogen macht es möglich
Hochgenaue Erkennung der Refluxkrankheit
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Die chronische Refluxkrankheit gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt - die hieraus folgenden Arbeitsausfälle, Behandlungskosten oder Verluste an Lebensqualität (Wohlbefinden) sind enorm. Trotzdem gibt es diagnostische Probleme. Beispiel: Obwohl Sodbrennen das Schlüsselsymptom der Refluxkrankheit ist, tritt es nur bei etwa jedem zweiten Patienten auf. Zudem leiden viele Patienten, die über Sodbrennen klagen, nicht an einer Refluxkrankheit (Sodbrennen tritt z. B. auch nach Ernährungsfehlern auf). Ein vom Gastroenterologen Prof. Dr. med. Joseph Zimmerman, Universität Jerusalem, entwickelter einfacher Fragebogen kann jetzt sehr verlässlich Patienten aufspüren, deren Beschwerden durch eine Refluxkrankheit verursacht sind [1]. Zudem ist der Fragebogen sehr gut dazu geeignet, Veränderungen des Krankheitsverlaufs (z. B. eine Besserung durch medikamentöse Behandlung) zu dokumentieren.
Ein solcher Fragebogen ist nicht nur wichtig, um Patienten mit bislang unbekannter Refluxkrankheit einfacher erkennen zu können, sondern auch, um damit Nachteile der gängigen Standard-Diagnostik zu mildern. So werden viele Patienten beim Internisten (Gastroenterologen) mittels Endoskopie (Spiegelung von Speiseröhre und Magen) untersucht. Doch nur bei 30-40% finden sich - trotz Refluxkrankheit - Auffälligkeiten der Schleimhaut (z. B. eine Entzündung). Zwar ist die Langzeit-Säuremessung in der Speiseröhre (24-Stunden-pH-Metrie) eine sehr gute Ergänzung zur Endoskopie, wenn z. B. die endoskopische Untersuchung ohne Befund bleibt. Trotzdem sind die Ergebnisse der Langzeit-pH-Metrie nicht immer korrekt, mal abgesehen davon, dass die Untersuchung einigen Aufwand erfordert. Die traditionell von vielen Ärzten zur "Diagnose" verwendete Beschwerdebesserung bei Einnahme wirksamer "Anti-Säuremedikamente" ist als Diagnosemaßnahme zur Therapieplanung völliger inakzeptabel (sog. probatorische Therapie). Allen Diagnoseansätzen ist gemeinsam, so kritisiert Zimmermann, dass die tatsächlichen Beschwerden der Patienten viel zu wenig berücksichtigt werden. Aus seiner Sicht sollte deshalb ein kurzer, aussagekräftiger Fragebogen, wie der hier vorgestellte, zum Standard bei der Diagnose der Refluxkrankheit werden. Vor allem auch, wenn Patienten mit einer chronischen Refluxkrankheit von jenen mit einer leichten Verdauungsstörung mit Sodbrennen zu unterscheiden sind.
Der Test wurde bei 258 Patienten mit Refluxkrankheit auf seine Aussagekraft und Genauigkeit (Spezifität und Sensitivität) im Vergleich zu 300 gesunden Kontrollpersonen untersucht. Als Refluxkrankheit wurde entweder ein eindeutiger Schleimhautschaden bei der Endoskopie oder eine Säurebelastung der Speiseröhre von 5% oder länger bei der 24h-pH-Metrie definiert. Es zeigte sich: Jedes der Fragebogen-Items wies bereits einzeln, für sich genommen, statistisch hochsignifikant auf das Vorliegen einer Refluxkrankheit hin. Die Faktorenanalyse aller Items zusammen bietet eine hochverlässliche Aussage, ob die Erkrankung bei einem Patienten vorhanden ist oder nicht (Sensitivität: 89%, Spezifität: 94%). Zudem erbrachte der Test auch bei wiederholter Anwendung weitgehend gleiche Aussagen (hohe Reproduzierbarkeit) und bildete Veränderungen im Krankheitsverlauf verlässlich ab (z. B. nach wirksamer Medikamenten-Therapie). Medizinisch ist interessant: Das Gesamt-Testergebnis und die Säurebelastung der Speiseröhre bei der pH-Metrie korrelierten hochsignifikant. Der Autor resümiert: Die Testeigenschaften übersteigen jene der meisten anderen, in früheren Jahren von anderen Experten vorgestellten Fragebögen. Hinzu kommt die besondere Einfachheit und Kürze des neuen Tests sowie die Möglichkeit, dass Patienten den Fragebogen selbst beantworten können.
Auswertung: Lautet Ihre Antwort Null, ist es kaum wahrscheinlich, dass Sie an einer Refluxkrankheit leiden. Ist die Summe größer als Null, ist es um so wahrscheinlicher, dass Sie eine Refluxkrankheit haben, je größer die Summe ist (maximal 20).
- Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.

