Signifikant verringerte Lebensqualität
Was Sodbrennen mit Arthritis, Herzinsuffizienz oder chronischen Kopfschmerzen zu tun hat
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Schlafstörung durch Sodbrennen |
Haben Sie das auch schon erlebt? "Sodbrennen? Na ja, das ist doch nichts wirklich Ernsthaftes, da gibt es doch viel schlimmere Erkrankungen!" - so hören viele Patienten von ihren Ärzten, viele Betroffene von ihren Freunden oder Angehörigen. Doch Sodbrennen, so zeigt jetzt eine Arbeit von Prof. Dr. Ingela Wiklund, Mölndal (Schweden), geht oft mit einer Krankheitsbelastung einher, die jener von Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit"), Arthritis (chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, "Rheuma"), fortgeschrittener Herzinsuffizienz ("Herzschwäche"), Angina pectoris ("Herzenge"), chronischen Rücken- oder Kopfschmerzen mindestens gleicht [1]. Besonders ausgeprägte Folgen auf die Lebensqualität hat nächtliches Sodbrennen. Wichtig: Es scheint nicht wichtig zu sein, so Wiklund, ob die Beschwerden mit medizinisch objektivierbaren Veränderungen in der Speiseröhre einhergehen oder nicht (z. B. Entzündungsstärke, erhöhte Säurebelastung o. ä.).
Die häufigsten Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, so zeigen Untersuchungen an zehntausenden Sodbrennen-Patienten in vielen westlichen Ländern, sind:
- Schlafstörung
- verringerte Vitalität
- Störung der normalen Nahrungsaufnahme
- generalisierte Körper-Schmerzen
- reduziertes Sexualleben
- Ängste hinsichtlich Erkrankungen, die sich hinter dem Sodbrennen verstecken könnten
- Angst vor lebensbedrohlicher Erkrankung
- erhöhte Rate an Krankschreibungen (ca. 2,5-fach höher als bei Gesunden)
- seelischer Stress durch die dauernden Beschwerden
- verringerte Arbeitsproduktivität (vergleichbar mit Patienten z. B. mit Rücken- oder Kopfschmerzen)
- verschlechterte Konzentrationsfähigkeit bei der Arbeit
- reduzierte Fähigkeit, heimische Alltagsaktivitäten zu erledigen
- eingeschränkte Aktivitäten im Familienumfeld
- soziale Einschränkungen, weil Betroffene z. B. nicht mehr auswärts essen gehen können
- weniger Freude an Reisen oder an Urlaub
Angesichts der Häufigkeit von Sodbrennen - etwa 1 von 10 Menschen im Westen ist davon betroffen - liegt also ein erhebliches medizinisches Problem mit individuellen (Lebensqualität) und gesellschaftlichen Auswirkungen vor, das in seinen Ausmaßen weder bekannt noch berücksichtigt wird. Wiklund schlägt vor, dass Patienten deutlicher als bisher ihre Sodbrennen-Probleme beim Arzt oder Apotheker ansprechen, proaktiver als vorher wirksame Lösungen einfordern. Dabei sollten sie berücksichtigen, dass Ärzte gerne nur "objektive" Veränderungen, z. B. das Ausmaß der Speiseröhren-Schleimhautentzündung, berücksichtigen, wenn sie die Schwere einer Krankheit bewerten oder die Therapie planen. Wichtig sei es jedoch auch, die erheblichen Auswirkungen auf die Lebensqualität zu berücksichtigen - und über diese können eben nur die Patienten selber berichten.
Hinweis für Ärzte Viele Studien und Metaanalysen zeigen, so Wiklund, dass die geschilderten, oft hoch-signifikanten Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (health related quality of life - HRQoL) statistisch nur schwach mit dem Ausmaß einer endoskopisch klassifizierten Ösophagitis oder eventuellen Auffälligkeiten der Langzeit-pH-Metrie korrelieren. Pathophysiologisch ist dies auch klar, denn die peptischen Läsionen einer Refluxkrankheit sind nur ein Teil des Krankheitsgeschehens, in dessen Zentrum der Reflux, nicht aber die Säurebelastung steht. Auch nach Säureblockade kommt es oft weiterhin zu Reflux, der ebenfalls beschwerdeauslösend sein kann. Sogar bei effektiver PPI-Behandlung (Protonen-Pumpen-Inhibitoren = Medikamente zur Hemmung der Magensäurefreisetzung), so Wiklund, sind deshalb persistierende Refluxbeschwerden möglich, über die mit den Patienten gesprochen werden muss.

