Probatorische Diagnostik wirklich probat?
Etwa 25 Prozent aller Deutschen klagen über Sodbrennen. Bei allen Betroffenen eine Magenspiegelung (Endoskopie) durchzuführen, um eventuelle Entzündungsfolgen an der Speiseröhre zu erkennen und zu differenzieren ist praktisch nicht möglich. Alternativ setzen viele Behandler deshalb die sog. probatorische Therapie mit effektiven Säureblockern aus den Gruppen der H2-Blocker oder Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) ein. Probatorisch heißt, was es bedeutet: Versuchsweise Blind-Behandlung für ca. 2 Wochen. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass ein Erfolg das Vorhandensein einer gastroösophagealen Refluxkrankheit belegen würde. Wissenschaftler der Universität Utrecht/Niederlande haben diese Annahme jetzt in einer Bewertung von 15 Studien („Meta-Analyse“) untersucht [1].
Bei der Metaanalyse zur Validität des PPI-Tests (=versuchsweise Behandlung mit Protonenpumpen-Blockern) zeigte sich: Ist die Säurebelastung der Speiseröhre (pH-Metrie) krankhaft erhöht, erreicht die Sensitivität des PPI-Tests 78 Prozent und die Spezifität 54 Prozent. Liegt eine endoskopisch bestätigte Refluxösophagitis vor, betragen Sensitivität und Spezifität sogar nur 68 Prozent beziehungsweise 46 Prozent. Dies bestätigt, was schon lange vermutet wurde: Der PPI-Test erlaubt die Diagnose einer Refluxkrankheit der Speiseröhre nicht mit der eigentlich nötigen Sicherheit nach international anerkannten Standards. Zudem korrelieren die Ergebnisse nur mäßig mit anderen sicheren Kriterien für eine Refluxkrankheit (pH-Metrie, Endoskopie). Das Nachlassen von Beschwerden kann alternativ auch auf andere säure-abhängige Erkrankungen hinweisen, auf einen Placebo-Effekt oder eine gesteigerte Empfindlichkeit der Speiseröhrenschleimhaut gegenüber Säure.
Das Resümee: Die probatorische PPI-Therapie ist kein probates diagnostisches Verfahren.

