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Magensaft im Mittelohr - Was Sodbrennen mit Otitis media zu tun hat


Wie kommen Verdauungsenzyme des Magens ins Mittelohr? Warum haben so viele Kinder chronische Mittelohr-Entzündungen, obwohl sie mit Antibiotika vollgepumpt sind? Eins und eins zusammenzuzählen könnte vielen, ob dieser Phänomene staunenden Hals-Nasen-Ohren-Ärzten weiterhelfen und tausenden von Kindern das Einsetzen von sog. Paukenröhrchen und hierdurch bedingte, spätere Schwerhörigkeit ersparen, wie neuere Studien zeigen: Durch den bei Kindern und Jugendlichen häufigen Rückfluß von aggressivem Magensaft in die Speiseröhre, den Mund- und Rachenraum und schließlich über die Ohrtrompete bis in das Mittelohr hinein sind chronische Reizzustände und Entzündungen im Mittelohr („Otitis media chronica“) möglich.

Dass Magensaft soweit zurückfließen kann, ist hinlänglich bekannt (siehe „Reflux: Nicht nur schlecht für die Speiseröhre, sondern auch für die Atemwege“. Sicher ist, dass dies besonders häufig zu Lungenproblemen - allen voran Asthma - führt (siehe „Asthma bronchiale eine „säurebedingte“ Erkrankung?“. Doch schon vor Jahren wurde auch die Vermutung geäußert, dass die aggressive säurehaltige Flüssigkeit bis ins Mittelohr vordringt (siehe „Kinder - Ohrentzündung durch Sodbrennen?“.

Wissenschaftlich orientierte Ärzte streiten derzeit noch darüber, wie diese Beobachtungen zu werten seien. Die einen weisen zwar Magenenzyme in der Mittelohr-Flüssigkeit nach, bestreiten jedoch deren Rolle bei der Entstehung chronischer Entzündungen [1]. Obwohl ein signifikanter Zusammenhang berichtet wird [2] und sogar der Magenkeim Helicobacter pylori im Ohr nachweisbar ist [3]! Andere wiederum sehen den Zusammenhang zwischen Magensaft-Bestandteilen im Mittelohr und Mittelohrentzündung, können jedoch bei den kleinen Patienten keine Refluxbeschwerden feststellen [4]. Kein Wunder übrigens: Obwohl Rückfluß von Magensaft bei Kindern und Jugendlichen extrem häufig ist (bis 22%!), leiden die Patienten oft nicht an Sodbrennen, sondern - wenn überhaupt - an allen möglichen anderen Beschwerden wie z. B. unklarem Bauchweh [5].

Praktisch orientierte Ärzte haben derweil kleine Patienten mit chronischem Ausfluss („Ohrenlaufen“) durch Mittelohrentzündung ohne jeglichen Hinweis auf infektiöse Ursache (Viren, Bakterien) mit säurehemmender Antirefluxtherapie behandelt. Und tatsächlich: Säurehemmer, Hochlagerung des Oberkörpers beim Schlafen und Veränderungen der Ernährung reduzieren nicht nur die mit pH-Metrie nachweisbare Magensäure-Belastung der Speiseröhre, sondern verringern auch die Ohrsekretionen [6]. Allerdings gibt es derzeit nur Erfahrungsberichte, jedoch keine placebokontrollierten Studien zur Therapie refluxbedingter Mittelohrentzündungen [7].

Kommentar Sodbrennen-Welt.de

  • In Fällen, in denen bei Mittelohrentzündungen mit Ohrlaufen keine „klassischen“, also mikrobiellen Ursachen zu finden sind und in denen vielleicht sogar spezifische oder unspezifische Magen-Darmbeschwerden vorkommen, sollten HNO- oder Kinderärzte auch an einen gastroösophagealen Reflux denken. Und nach Bedarf einen Facharzt für Gastroenterologie konsiliarisch hinzuziehen. Nicht zuletzt, weil die Behandlung hoch-individuell erfolgen muss und eine simple Langzeitgabe von Protonenpumpen-Hemmern zur Säuresekretions-Blockade nicht geeignet ist [8].
  • Jede chronische Mittelohrentzündung entsteht aus einer akuten. Bereits bei der akuten Otitis media versagt aber oftmals die ärztliche Diagnose und Therapie. Seit Jahren wird z. B. kritisiert, dass die betroffenen Kinder therapeutisch völlig sinnlos, dafür aber um so nebenwirkungsreicher mit Antibiotika überversorgt werden [9, 10]. Zudem ist diese Übertherapie vermutlich eine wesentliche Ursache der Chronifizierung selbst [11].
  • Bei chronischer Otitis media führt die geringe diagnostische Auflösung, sprich „unbekannte“ Ursache der Beschwerden, zu verzweifelten, aber kostenträchtigen operativen Maßnahmen, z. B. dem Einlegen von Belüftungsröhrchen („Paukendrainage“), die den Abfluss von Sekret nach außen und die Belüftung des Mittelohrs fördern sollen. Dies mag zwar symptomatisch wirksam sein, löst aber weder die chronische Mittelohrreizung noch verhindert es mögliche weitere Infektionen. Eine besonders unangenehme Folge: Die Gefahr von Schwerhörigkeit in späteren Lebensjahren verfünffacht sich [12].


  • Autor: Rainer H. Bubenzer - multi MED vision, Berliner Medizinredaktion.
  • Bildquelle: © Renata Osinska - Fotolia.com
  1. Antonelli PJ, Lloyd KM, Lee JC: Gastric reflux is uncommon in acute post-tympanostomy otorrhea. Otolaryngol Head Neck Surg. 2005 Apr;132(4):523-6 (Medline).
  2. Keles B, Ozturk K, Gunel E, Arbag H, Ozer B: Pharyngeal reflux in children with chronic otitis media with effusion. Acta Otolaryngol. 2004 Dec;124(10):1178-81 (Medline).
  3. Yilmaz MD, Aktepe O, Cetinkol Y, Altuntas A: Does Helicobacter pylori have role in development of otitis media with effusion? Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2005 Jun;69(6):745-9 (Medline).
  4. Lieu JE, Muthappan PG, Uppaluri R: Association of reflux with otitis media in children. Otolaryngol Head Neck Surg. 2005 Sep;133(3):357-61 (Medline).
  5. Gold BD: Gastroesophageal reflux disease: could intervention in childhood reduce the risk of later complications? Am J Med. 2004 Sep 6;117 Suppl 5A:23S-29S (Medline).
  6. Radü HJ: Die Erkrankung des gastroösophagealen Refluxes im Bereich der HNO Heilkunde. 20. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 12.-14.9.2003 (Kurzfassung).
  7. Stavroulaki P: Diagnostic and management problems of laryngopharyngeal reflux disease in children. Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2005 Dec 13 (Medline).
  8. Poelmans J, Tack J: Extraoesophageal manifestations of gastro-oesophageal reflux. Gut. 2005 Oct;54(10):1492-9 (Medline).
  9. Little P, Gould C, Moore M, Warner G, Dunleavey J, Williamson I: Predictors of poor outcome and benefits from antibiotics in children with acute otitis media: pragmatic randomised trial. BMJ. 2002 Jul 6;325(7354):22; discussion 22 (Medline).
  10. Glasziou PP, Del Mar CB, Sanders SL, Hayem M. Antibiotics for acute otitis media in children. The Cochrane Database of Systematic Reviews. 2004, Issue 1. Art. No.: CD000219 (Abstract).
  11. File TM Jr, Hadley JA: Rational use of antibiotics to treat respiratory tract infections. Am J Manag Care. 2002 Aug;8(8):713-27 (Medline).
  12. Stenstrom R, Pless IB, Bernard P: Hearing thresholds and tympanic membrane sequelae in children managed medically or surgically for otitis media with effusion. Arch Pediatr Adolesc Med. 2005 Dec;159(12):1151-6 (Medline).

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