Krebsschutz durch Diät-Limo!?
Krebsschutz durch Diät-Limo!? |
Nein - Diät-Limonade empfehlen wir nicht zur Vorbeugung von Speiseröhrenkrebs, das ist Quatsch“, betonte die US-Wissenschaftlerin Dr. Susan Mayne von der Yale-Universität in New Haven/USA gegenüber der Presse. Trotzdem: Ihre Forschungsgruppe konnte zeigen, dass der Verbrauch von Diät-Limonade mit einem stark gesunkenen Risiko einhergeht, an gefährlichem Krebs der Speiseröhre zu erkranken, dem sogenannten Ösophagus-Adenokarzinom [1].
Ausgangspunkt der Untersuchung war die weltweite Beobachtung, dass sich diese Krebsart seit den siebziger Jahren mehr als verdreifacht hat. Zudem hatten Forscher die Vermutung geäußert, dass der gleichzeitig stattfindende massive zunehmende Verbrauch von kohlensäurehaltigen Limonaden die Ursache hierfür sein könnte. Angenommen nämlich, dass kohlensäurehaltige Getränke Sodbrennen auslösen können, und dass Sodbrennen ein Hauptrisikofaktor für Speiseröhrenkrebs sei, und zudem kohlensäurehaltige Limonaden selber sauer sind, erscheint dieser vermutete Zusammenhang von CO2-haltigen Limonaden mit der Krebsentstehung in dem Organ nachvollziehbar, stellten Mayne und ihre Kollegen in dem Fachblatt „Journal of the National Cancer Institute“ fest.
Um die Frage genauer zu untersuchen, befragten die Forscher 1.095 Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen von Speiseröhre und Magen und verglichen die Ergebnisse mit 687 statistisch vergleichbaren, aber gesunden Kontrollpersonen. Insgesamt, so zeigte sich, verringert das Trinken von CO2-haltiger Limonade ein klein wenig die Gefahr, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Wird jedoch nach Diät-Limonade und Nicht-Diät-Limonade unterschieden, zeigt sich ein völlig anderes Resultat: Menschen, die überwiegend CO2-haltige Diät-Limonade getrunken hatten, wiesen ein um 53 Prozent geringeres Speiseröhrenkrebs-Risiko auf als jene, die Nicht-Diät-Limonade getrunken hatten. Gezuckerte Limonade hatte keinen Effekt.
Übergewicht, chronische Refluxkrankheit, Rauchen sowie geringer Verbrauch von Obst und Früchten sind bekannte und wesentliche Risikofaktoren für ein Speiseröhren-Karzinom, betonten Mayne und ihre Kollegen, und alle sind letztlich kontrollierbar bzw. behandelbar. Obwohl die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass Diät-Limonade selbst ein Krebs-Schutzfaktor sein könnte, warnen Mayne und Kollegen davor, dass ein massiver Konsum mit eigenen Risiken verbunden ist, zum Beispiel Zahnschmelz-Schäden und Karies [2]. Anstatt aus Angst vor Speiseröhrekrebs dauernd Diät-Limonade zu trinken, sollten sich gesundheitsbewusste Menschen eher um die erwähnten belegten Risikofaktoren kümmern.
Wenn übrigens Diät-Limonade keinen Krebsschutzfaktor enthält, bleibt die Frage, wie es zu den erstaunlichen Ergebnissen der US-Forscher kommt. Die Lösung bietet Mayne selbst an: Vermutlich ist der intensive Verbrauch von Diät-Limonade (wenigstens in den USA) Ausdruck einer insgesamt gesünderen Lebensweise oder von Lebensgewohnheiten, die ihrerseits vor der Erkrankung schützen.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, ptv - Hamburger Medizinredaktion, März 2006.
- Bildquelle: sxc.hu © lurba.
- Mayne ST, Risch HA, Dubrow R, Chow WH, Gammon MD, Vaughan TL, Borchardt L, Schoenberg JB, Stanford JL, West AB, Rotterdam H, Blot WJ, Fraumeni JF Jr: Carbonated soft drink consumption and risk of esophageal adenocarcinoma. J Natl Cancer Inst. 2006 Jan 4;98(1):72-5 (Medline).
- Van Eygen I, Vannet BV, Wehrbein H: Influence of a soft drink with low pH on enamel surfaces: an in vitro study. Am J Orthod Dentofacial Orthop. 2005 Sep;128(3):372-7 (Medline).

