Chronisches Sodbrennen
Studie: Erfolge der Reflux-Therapie für Patienten unbefriedigend
Beschwerden wie Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Schmerzen im Bereich der Speiseröhre werden - obwohl es die häufigsten Gesundheitsbeschwerden in Deutschland sind - nur bei einem guten Drittel der Patienten (36%) wirksam durch ärztliche Behandlung beseitigt, zeigt jetzt eine Umfrage bei über 1.000 Refluxpatienten in fünf verschiedenen Ländern [1].
Im Rahmen der Studie wurden Patienten von zufällig ausgewählten Allgemeinärzten in den USA, England, Japan, Deutschland und Frankreich einer standardisierten Telefon-Befragung hinsichtlich ihrer Erkrankung, ihrer Beschwerden und der Behandlung befragt. Allgemeinärzte sind zumeist die erste ärztliche Anlaufstelle bei der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit (GOR).
Mit GOR sind die - zumeist chronisch-anhaltenden - Veränderungen gemeint, die durch verstärkten Rückfluß („Reflux“) von Mageninhalt („gastro...“) in die Speiseröhre („...ösophageal“) und vor allem den verlängerten Kontakt von Magensäure mit Speiseröhren-Schleimhaut entstehen (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schmerzen, Entzündung der Speiseröhren-Schleimhaut und anderes).
Ausgewählt wurden jeweils die letzten vier Reflux-Patienten in einer Praxis, die ein Medikament gegen ihre gastroösophageale Refluxkrankheit bekamen und der Befragung zustimmten. Komplette Unterlagen standen bei 927 von 1.044 befragten Reflux-Patienten zur Verfügung. Folgende Ergebnisse publizierte die internationale Arbeitsgruppe jetzt: Die durchschnittliche Dauer der GOR-Beschwerden vor dem Arztbesuch betrug mehr als anderthalb Jahre. Mehr als die Hälfte der Patienten (52,3%) gaben als Grund für den Arztbesuch GOR-Beschwerden an, die „zu unangenehm waren, um sie länger zu ertragen“. Allerdings war nur 35% der Patienten, die Medikamente gegen die GOR-Beschwerden einnahmen - also nur ein gutes Drittel -, zum Zeitpunkt der Befragung tatsächlich beschwerdefrei. Die übrigen hatten in unterschiedlichem Ausmaß weiterhin Beschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen.
Rund ein Fünftel (20,5%) aller befragten Patienten verwendeten zusätzlich zur ärztlichen Therapie mindestens ein freiverkäufliches Anti-Sodbrennen-Medikament aus der Apotheke. Konsequenterweise kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Beschwerden vieler Patienten trotz ärztlich veranlasster medikamentöser GOR-Behandlung nicht vollständig unter Kontrolle sind, die Patienten also weiterhin oft quälende Beschwerden haben. Deswegen, so die Arbeitsgruppe aus Allgemeinmedizinern und Fachärzten für Gastroenterologie, sollten Allgemeinärzte ihre GOR-Patienten routinemäßig über - trotz Behandlung anhaltende - Beschwerden sowie die Verwendung von freiverkäuflichen Mitteln gegen Refluxbeschwerden befragen. Nur so könnten im Rahmen eines sinnvollen GOR-Managements wirksame Behandlung-Entscheidungen getroffen werden.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Nur ein Drittel der Sodbrennen-Patienten mit chronischer Refluxkrankheit erfahren also eine umfänglich wirksame Behandlung (wohlgemerkt: diese Medikamenten-Verordnung wirkt sowieso nur symptomatisch lindernd, eine Heilung erfolgt dadurch nicht). Dies liegt in etwa im Bereich der zu erwartenden Placebowirkung von klinischen Studien. Oder anders ausgedrückt: Ein wirkstofffreies Präparat erzielt bei einem Teil der Patienten die erwünschte therapeutische Wirkung (je nach Studie liegt dieser Anteil zwischen 10 bis 45 Prozent). Warum die hochgepriesene Unterdrückung der Magensäure-Bildung oder -Freisetzung so unwirksam ist, die meisten Patienten also trotz ärztlicher Maßnahmen weiterhin unter Sodbrennen leiden, bleibt offen. Vielleicht fehlt es hier an ärztlicher Ehrlichkeit sich selbst und vor allem den Patienten gegenüber? Vielleicht sollten selbst logisch erscheinende Therapiekonzepte einmal grundlegend kritisch hinterfragt werden? Zum Glück für Patienten gibt es säureneutralisierende Antazida, zum Beispiel auf Basis von Aluminium-Magnesiumhydroxid, die - ohne ärztlichen „Beistand“ - rasch und unkompliziert Beschwerden lindern.
- Autor: Rainer H. Bubenzer (Sodbrennen-Welt.de), Mai 2006.
- Jones R, Armstrong D, Malfertheiner P, Ducrotte P: Does the treatment of gastroesophageal reflux disease (GERD) meet patients' needs? A survey-based study. Curr Med Res Opin. 2006 Apr;22(4):657-62. (Medline).

