Sodbrennen in Köln: Ein alltägliches Drama?
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Ohne Zweifel: Sodbrennen ist häufig, wie ganze Staaten umfassende Studien zeigen. Doch mit der Glaubwürdigkeit solcher Studien ist es - zum Beispiel aus methodischen Gründen - oft nicht weit her. Eine Studie aus Köln zeigt nun, dass Sodbrennen und andere Beschwerden der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit (GOR) in der Normalbevölkerung häufiger ist, als oft vermutet wird [1].
Für die bevölkerungsbasierte Studie wurden 500 zufällig aus dem Melderegister der Stadt Köln ausgewählten Bürgern im Alter zwischen 20 und 90 Jahren (54% Frauen, 46% Männer) ein Fragebogen mit refluxspezifischen Fragen zugeschickt. Insgesamt 286 Antworten (54%) konnten ausgewertet werden (55% Frauen, im Median 54 Jahre alt; 45% Männer, im Median 58 Jahre alt).
Immerhin 34% der Befragten gaben an, unter Sodbrennen zu leiden. Auffällige Unterschiede zwischen den Geschlechtern fanden sich nicht. Auch die Häufigkeit von Sodbrennen änderte sich kaum von Altersgruppe zu Altersgruppe. Lediglich in der Gruppe der 40- bis 50-Jährigen und der 60- bis 70-Jährigen trat das Symptom häufiger auf (bei 45% der Altersgruppe). Dies war bedingt durch das häufigere Vorkommen von Refluxsymptomen bei Männern in der Altersgruppe von 40-50 Jahren und bei Frauen zwischen 60 und 70 Jahren. 25% der symptomatischen Befragten gaben an, mehr als zweimal pro Woche unter Refluxbeschwerden zu leiden. 45% der von Reflux betroffenen Befragten nahmen Medikamente gegen Sodbrennen ein. 43% Reflux-Betroffene hatten wegen dieser Beschwerden schon einmal einen Arzt aufgesucht, wobei in drei von vier Fällen eine endoskopische Untersuchung veranlasst wurde. 78% der symptomatischen Personen bezeichneten ihre Beschwerden als „nicht sehr beeinträchtigend“. Allgemeine Oberbauchbeschwerden gaben 34% der Befragten mit Sodbrennen und 15% der restlichen Befragten an. Häufigeres Vorkommen von Übelkeit und Erbrechen gaben 22% in der Gruppe mit Refluxbeschwerden an und 7% in der anderen Gruppe. Das Auftreten von Schluckbeschwerden war ebenfalls in der Gruppe mit Sodbrennen deutlich höher als in der Gruppe ohne Sodbrennen (23% gegenüber 6%).
Demzufolge leidet etwa ein Drittel der Kölner Bevölkerung leidet unter Beschwerden der Refluxkrankheit. Knapp 10% der Bevölkerung hat mehrmals pro Woche diese Beschwerden. Dies betrifft Männer und Frauen gleichhäufig und variiert mit dem Alter nur gering.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Eine Sodbrennen-Häufigkeit von 45% in bestimmten Altersgruppen! Das toppt alle bislang dagewesenen Häufigkeits-Untersuchungen. Mit ziemlicher Sicherheit hat dies nichts mit der Kölner Bevölkerung oder ihren Konsumgewohnheiten zu tun. Viel eher ist zu vermuten, dass wir Zeitzeugen einer sich massiv verändernden Erkrankung sind. Britische Ärzte konstatieren aufgrund ihrer bevölkerungsbasierten Analysen (Population 250.000) einen fünffachen Anstieg bei der Refluxhäufigkeit. Und zwar während der letzten fünf Jahre - also unter konstanten medizinischen oder gesundheitspolitischen Bedingungen [2]. Was jedoch die eigentlich treibende Kraft dieser Krankheits-Evolution ist, ist unklar.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, September 2006.
Quellen:
- Bollschweiler E, Knoppe K, Wolfgarten E, Hölscher AH: Häufigkeit von Refluxbeschwerden in der Normalbevölkerung. 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, Hannover, 13.-16. September 2006.
- Bardhan KD, Royston C, Nayyar AK: Reflux rising! An essay on witnessing a disease in evolution. Dig Liver Dis. 2006 Mar;38(3):163-8 (Medline).
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