Aufstoßen: Doch kein vermehrter Säure-Rückfluss
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Menschen, die chronisch an verstärktem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre („gastro-ösophageale Refluxkrankheit“, GOR) leiden, schlucken häufiger Luft und stoßen öfter auf als Menschen ohne GOR, zeigt nicht nur die menschliche Erfahrung, sondern jetzt auch eine neue Studie aus den Niederlanden. Wesentliches Ergebnis der Untersuchung von Dr. Albert J. Bredenoord und Kollegen vom Sankt Antonius Hospital in Nieuwegein ist jedoch: Vermehrtes, häufiges Luftschlucken ist weder die Ursache von krankhaftem Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre, noch verschlechtert es die typischen GOR-Beschwerden wie beispielsweise Sodbrennen [1]. Typische, leicht dahin gesagte ärztliche Ratschläge an Sodbrennen-Patienten, „das oft gewohnheitsmäßige Luftschlucken oder vermehrte Aufstoßen doch einfach sein zu lassen“, sind also unbegründet.
Säurehaltiger Magensaft kann in die Speiseröhre zurückfließen, wenn sich der untere Speiseröhren-Schließmuskel vorübergehend entspannt („transient lower esophageal sphincter relaxation“, TSLER). Übrigens nicht nur bei Sodbrennen-Patienten, sondern auch - in geringerem Umfang - bei gesunden Menschen. Überschüssige Luft im Magen gelangt - nach kurzer Schließmuskel-Entspannung - auf die gleiche Weise als Rülpser wieder ins Freie. Reflux-Patienten berichten oft über gehäuftes Aufstoßen. Der Zusammenhang zwischen Luftschlucken, Refluxkrankheit und Aufstoßen war bislang jedoch ziemlich unklar, schreiben Bredenoord und Kollegen im Fachblatt „American Journal of Gastroenterology“.
Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, wurden bei 12 Patienten mit Refluxkrankheit sowie 12 gesunden Probanden sowohl die elektrische Leitfähigkeit („Impedanz“), die Säurebelastung („pH-Wert“) und der muskuläre Druck in der Speiseröhre für jeweils 20 Minuten aufgezeichnet. Zum einen vor und nach der Einleitung von 600ml Luft in den Magen. Zum anderen wurde die Prozedur nach dem Essen wiederholt. Im Anschluss daran unterzogen sich alle Probanden einer 24stündigen Langzeit-Messung ihrer Speiseröhren-Impedanz und -Säurewerte. Signifikant deutlich wurde, dass Refluxpatienten öfter Luft schluckten als gesunde Probanden (287x gegenüber 176x), öfter Luft aufstießen (52x gegenüber 33x) und häufiger Phasen mit Säurereflux in die Speiseröhre hatten (42x gegenüber 19x). Die zusätzlich eingeleitete Luft erhöhte in beiden Gruppen vergleichbar signifikant die Anzahl der messtechnisch erfassten Gas-Refluxe. Im Gegensatz dazu kam es trotz des vermehrten Aufstoßens nicht zu vermehrten sauren Reflux-Episoden - in keiner der beiden Gruppen. In den Magen eingebrachte Luft führte zu häufigeren Entspannungen des unteren Speiseröhren-Verschlussmuskels (=vorübergehende Öffnung zwischen Magen und Speiseröhre) in beiden Gruppen. Dies jedoch war ausschließlich auf eine Zunahme der Öffnungen im Zusammenhang mit dem Gas-Reflux zurückzuführen, also auf Luft-Aufstoßen. Gehäuftes Aufstoßen hatte weder bei den Patienten noch bei den Gesunden Auswirkungen auf den Reflux von säurehaltigem Mageninhalt in die Speiseröhre hinein.
Die Frage, warum Reflux-Patienten häufiger Luft schlucken und wieder aufstoßen, bleibt jedoch noch ungeklärt, so Bredenoord. Es könnte mit verstärkter Speichelsekretion zu tun haben oder damit, dass die Betroffenen einfach größere Mengen schlucken. Eine weitere Möglichkeit: Luftschlucken und Aufstoßen erleichtert Reflux-Patienten oftmals für kurze Augenblicke die quälenden Sodbrennen-Schmerzen - eine Erleichterung, an die sich manche Patienten allmählich gewöhnen.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, September 2006.
Quellen:
- Bredenoord AJ, Weusten BL, Timmer R, Smout AJ: Air swallowing, belching, and reflux in patients with gastroesophageal reflux disease. Am J Gastroenterol. 2006 Aug;101(8):1721-6 (Medline).
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