Schmerzmittel
Speiseröhren-Schädigung schon nach kurzer Anwendung
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Dies können Ärzte im Halbschlaf aufsagen: Die Gruppe der am häufigsten verwendeten Schmerzmittel, zu denen Azetylsalizylsäure oder Diclofenac gehören und die besonders bei der Dauerbehandlung von rheumatischen Gelenkschmerzen verwendet werden, schädigen die Schleimhaut von Magen und Zwölffingerdarm. Und zwar so sehr, dass die „nicht-steroidalen Antirheumatika“ (NSAR), wie sie im Fachjargon heißen, zu den häufigsten Ursachen von Magen-Geschwüren und -Blutungen oder sogar lebensgefährlicher Magenwand-Durchbrüchen gehören. Eine neue Studie von der Universität Magdeburg zeigt jetzt: Diese Mittel schädigen in unerwarteter Häufigkeit sogar die Schleimhaut der Speiseröhre, was einige der häufigen Nebenwirkungen dieser Schmerzkiller erklären könnte, beispielsweise Sodbrennen, Schmerzen oder Übelkeit [1].
Die Forschungsergebnisse wurden zum einen anhand einer rückwirkenden Analyse der Krankenunterlagen von 416 magengespiegelten Patienten, zum anderen mittels Untersuchung von 20 gesunden Freiwilligen erarbeitet. Alle 416 retrospektiv analysierten Patienten verwendeten Azetylsalizylsäure (Aspirin) oder andere Nicht-Aspirin-NSAR. Die Erfassung von Speiseröhren-Entzündung mit sichtbaren Schleimhautschäden („erosive Ösophagitis“) mittels Speiseröhrenspiegelung zeigte: 16 Prozent aller Patienten bekamen während der Aspirin-Verwendung diese Nebenwirkung und 23 Prozent aller Patienten, die andere NSAR verwendeten. Typische Risikofaktoren für Schäden von Speiseröhren- und Magen-Schleimhaut wie Rauchen oder Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori waren zwischen beiden Gruppen gleich verteilt.
Die Voruntersuchung der 20 gesunden Probanden zeigte keinerlei Auffälligkeiten bei der Speiseröhrenspiegelung, keine Zwerchfell-Hernien, keinen Helicobacter pylori-Befall, keinen Konsum von Alkohol oder Zigaretten oder Verwendung irgendwelcher Arzneimittel vor dem Studienzeitraum von acht Wochen. Bei allen Probanden wurde das lange bekannte NSAR Naproxen eingesetzt (2 Wochen Einnahme, 4 Wochen Pause, nochmals 2 Wochen Einnahme). Am Ende des Studienzeitraums wurde eine weitere endoskopische Untersuchung von Speiseröhre und Magen durchgeführt. Immerhin jeder vierte, vorher völlig gesunde Proband hatte durch das Medikament eine erosive Ösophagitis entwickelt, also eine deutlich erkennbare, entzündete Schädigung der Schleimhaut in der Speiseröhre. Die Entzündungen konnten durch mikroskopische Gewebeuntersuchungen bestätigt werden. Dabei zeigte sich auch, dass die Gewebe-Heilung an den Biopsie-Entnahmestellen unter Einfluss des Wirkstoffes offenbar verzögert stattfand. Keiner der Probanden hatte während der Naproxen-Einnahme subjektive Beschwerden entwickelt.
Die Magdeburger Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, daß
- entzündliche Schleimhautschäden der Speiseröhre im Zusammenhang mit der Verwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika auftreten und
- das NSAR Naproxen sogar bei 25 Prozent beschwerdefreier Menschen mit geringem Risiko zu einer Speiseröhren-Entzündung führt.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, September 2006.
- Bildquelle: © Bubbels - www.sxc.hu
Quellen:
- Treiber G, Malfertheiner P: NSAIDs and induction of erosive esophagitis. 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, Hannover, 13.-16. September 2006.
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