Entzündungshemmende Schmerzmittel
Magenblutungs-Gefahr kann gesenkt werden
Zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Arzneimittel gehören entzündungshemmende Schmerzmittel, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Erkrankungen, bei denen Patienten NSAR oft regelmäßig einnehmen, sind Rheuma und vergleichbare schmerzhaft-entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates. Ein langbekanntes Hauptproblem der NSAR sind die erheblichen Nebenwirkungen am Verdauungstrakt, beispielsweise Magenblutungen und Geschwüre. Die Gesellschaft amerikanischer Magen-Darm-Spezialisten (AGA, American Gastroenterological Association) versucht jetzt mit einem Positionspapier zur NSAR-Verwendung Ängste bei Ärzten und Patienten abzubauen. So sei - trotz der hohen Verordnungszahlen der NSAR - die Zahl der gastrointestinalen Komplikationen und Todesfälle seit 1992 gesunken, heißt es in der Fachzeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology [1].
Hintergrund des Konsensus-Papiers sind die Studien der letzten Monate, die nicht nur die neue Wirkstoffklasse der COX-2-Inhibitoren, sondern zunehmend auch die klassischen, nichtselektiven NSAR mit vorher unbekannten Herz-Kreislauf-Komplikationen in Verbindung bringen. Diese Studien dürften praktisch jeden Arzt betreffen, denn mit weltweit 50 Milliarden Tabletten Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin und andere Präparate) pro Jahr und etwa 60 Millionen Rezepten für NSAR pro Jahr allein in den USA, dürften ASS und die anderen NSAR zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten überhaupt gehören.
Zwischen ein bis vier Prozent aller Anwender erleiden jährlich gastrointestinale Komplikationen bis hin zu schweren Magen-Darm-Blutungen. Wie die Forschergruppe um den Studienleiter Dr. Mel Wilcox von der Universität Birmingham/Alabama (USA) ausführt, konnten die Anwendungsrisiken in den letzten Jahren jedoch gesenkt werden. Die Gründe seien einmal die Wahl niedriger Dosierungen, der Rückgang der Häufigkeit des Magenkeimes Helicobacter pylori, der zunehmende Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) zur Hemmung der Säurefreisetzung im Magen, aber auch die Einführung von NSAR mit größerer gastrointestinaler Sicherheit, zu denen die AGA die COX-2-Inhibitoren zählt (obwohl sie wegen der schweren, manchmal tödlichen Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen weitgehend vom Markt verschwunden sind).
Da diese (und einige andere NSAR) aber die Gefahr von Herz-Kreislauf das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, ist eine sorgfältige Abwägung der beiden Risiken erforderlich. Hinsichtlich des gastrointestinalen Risikos empfiehlt die AGA die Wahl von NSAR mit geringem Risiko, die Wahl einer möglichst niedrigen Dosis und die Beschränkung auf einen kurzen Zeitraum. Viele gastrointestinale Komplikationen lassen sich nach Ansicht der AGA vermeiden, wenn vor Beginn der NSAR-Gabe eine Helicobacter-pylori-Infektion behandelt wird. Bei Hoch-Risiko-Patienten empfehlen die Experten eine begleitende Therapie mit Gastroprotektiva wie Misoprostol oder PPI.
- Autor: Rainer H. Bubenzer, multi MED vision, Berliner Medizinredaktion, Dezember 2006.
- Wilcox CM, Allison J, Benzuly K, Borum M, Cryer B, Grosser T, Hunt R, Ladabaum U, Lanas A, Paulus H, Regueiro C, Sandler RS, Simon L: Consensus development conference on the use of nonsteroidal anti-inflammatory agents, including cyclooxygenase-2 enzyme inhibitors and aspirin. Clin Gastroenterol Hepatol. 2006 Sep;4(9):1082-9 (Volltext, AGA-Pressemitteilung).
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