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Todesfalle Sodbrennen-Therapie?
Säurehemmer erhöhen die Gefahr von Schenkelhals-Brüchen

Schenkelhals-Bruch

Viele Patienten nehmen regelmäßig Säurehemmer („PPI“ = Protonenpumpenhemmer) gegen Sodbrennen ein. Eine Studie bei rund 150.000 Briten zeigt Gefahren der PPIs auf: Sie können bei über 50ig-Jährigen den Knochen schaden und zu vermehrten Knochenbrüchen führen [1]. Mögliche Ursachen sind die Behinderung der Calcium-Aufnahme aus dem Darm oder eine Hemmung von Knochenzellen. In Deutschland werden millionenfach Omeprazol, Esomeprazol (Nexium®) oder Pantoprazol (Pantozol®) verordnet. Teilweise für die zugelassene Anwendung der Behandlung und Rückfall-Vorbeugung von Magengeschwüren. Zunehmend aber auch für die nicht zugelassene Dauerbehandlung der häufigsten Sodbrennen-Ursache, nämlich des Rückflusses von Magensaft in die nicht-entzündete Speiseröhre („NERD“) [2].

Studie  Wissenschaftler der ‚University of Pennsylvania School of Medicine’ in Philadelphia/USA analysierten die Behandlungsdaten von 13.556 Patienten im Alter von 50 und älter, bei denen ein spezieller Knochenbruch aufgetreten war, nämlich der gefürchtete Oberschenkelhals-Bruch (Oberschenkel-Fraktur, Hüftbruch). Die Daten wurden mit jenen von 135.386 Kontroll-Patienten aus der gleichen General Practice Research-Datenbank verglichen, die - bis auf den Schenkelhals-Bruch - weitgehend vergleichbare Eigenschaften hatten (Alter, Geschlecht, und anderes).

Die General Practice Research Database (GPRD) speichert die Krankenakten aus britischen Hausarztpraxen und hat sich in den letzten Jahren zu einem wertvollen Instrument für Epidemiologen in aller Welt erwiesen. Die GPRD ermöglicht „ genestete“ Fall-Kontroll-Studien. Dabei stammen die Fälle (hier die Patienten mit Hüftfrakturen) und die Kontrollen aus der gleichen Kohorte (der GPRD), was einen Vergleich von Äpfeln und Birnen verhindert. Ein wesentliches Qualitätskriterium von Fall-Kontroll-Studien ist nämlich, dass sich beide Gruppen möglichst ähnlich sind. Die GPRD hat eine weitere Stärke: Die hohe Zahl von derzeit rund 8 Millionen Patienten macht es möglich, auch kleinere Risiken zu erkennen [3].

Ergebnisse  Es zeigte sich, dass PPI-verwendende Patienten bei mehr als einjähriger Dauer-Einnahme ein um 44 Prozent höheres Risiko von Oberschenkelhals-Frakturen hatten, als Menschen, die diese Mittel nicht einnahmen. Die Gefahr von Knochenbrüchen stieg mit jedem Jahr der Anwendung weiter an. Bei Patienten unter Dauertherapie mit hohen Dosierung von PPIs stieg das Knochenbruch-Risiko sogar um 165 Prozent (das bedeutet: Immerhin eine/r von 336 über ein Jahr mit PPIs behandelten Patientinnen/en erleidet eine Schenkelhals-Fraktur). Diese Effekte waren zudem dosisabhängig. Das heißt, je höher die eingenommene PPI-Dosis, um so höher war auch die Gefahr von Oberschenkelhals-Frakturen. Bei zum Vergleich ebenfalls analysierten Patienten, die Säurehemmer aus der Gruppe der H2-Blocker verwendet hatten, zeigte sich - zumindest bei Verwendung von sehr hohen Dosen - ein ähnliches Bild: Nämlich eine bis zu 30prozentige Risikozunahme.

PPI-Verwendung1 Jahr2 Jahre3 Jahre4 Jahre
Erhöhung der Gefahr von Oberschenkelhals-Brüchen+20%+40%+50%+60%

Aus Sicht der US-amerikanischen Arbeitsgruppe muss die Zunahme der Knochengefährdung unter PPI-Verwendung, vor allem bei hohen Dosierungen, als statistisch hoch signifikant bezeichnet werden. Da die Art der von ihnen durchgeführten Untersuchung (Fall-Kontroll-Studie) nicht beantworten kann, welche Ursachen oder Ursache-Wirkungs-Beziehungen wirklich besteht, fordern sie zudem dringend, jetzt die grundlegenden Ursachen der beobachteten statistischen Assoziationen zu untersuchen.

Untersuchungen anderer Forscher hatten in früheren Jahren ergeben, dass fehlende Magensäure [4, 5] bzw. PPIs [6] die Fähigkeit des Körpers zur Aufnahme von Calcium behindern. Wird von dem Mengenelement Calcium, das essentiell für die Knochengesundheit ist, zu wenig aufgenommen, nimmt - wie bei der Knochenkrankheit Osteoporose - der Gehalt des mineralischen Knochenanteils ab (= die sogenannte Knochendichte verringert sich). „Aus diesem Grund“, so sagt einer der beteiligten Wissenschaftler, Dr. Yu-Xiao Yang, „sollten Ärzte den möglichen Zusammenhang von PPI-Einnahme und Knochenbruchgefahr berücksichtigen. Und deshalb immer die niedrigste, noch wirksame Dosierung wählen sowie den korrekten Anwendungsbereich der Mittel berücksichtigen“.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de  Großbritannien sei nebelig und verregnet, die Briten bekämen nicht genügend Sonnenlicht und seien wegen des Mangels an Vitamin D (das lichtabhängig in der Haut entsteht) knochenbruchgefährdet, begründeten PPI-Hersteller in ihren Pressemitteilungen die obigen Ergebnisse. Zudem sei ja überhaupt nicht klar, ob ihre Produkte überhaupt die Ursache seien. Klar ist aus Sicht von Yang und seinen Kollegen immerhin, dass ältere Patienten unter PPI-Dauertherapie zur Risikominimierung jetzt zusätzlich Calciumpräparate erhalten sollten (wobei allerdings aktuelle Studien zeigen, dass Calcium- und Vitamin D-Supplementation Knochenbrüchen nicht vorbeugen können, wie immer propagiert wird [7]).

Dass diese Studie wie ein Stich ins Wespennest erscheint, wird an den immer noch steigenden Milliarden-Umsätzen deutlich, die mit PPIs weltweit zu machen sind. Doch nicht nur die Hersteller, auch viele Mediziner sind „sauer“: Sie sollen jetzt schuld sein, wenn ihre - vielleicht auch noch medizinisch unsinnige - PPI-Verordnung zum Schenkelhals-Bruch ihrer Sodbrennen-Patienten führt. Hinweis: Dieser Bruch ist so gefürchtet, weil er überaus häufig zum Tode führt. Einer von fünf Betroffenen verstirbt innerhalb des ersten Jahres [8], nach anderen Quellen sogar einer von drei [9]!



Autor
Literatur
  1. Yang YX, Lewis JD, Epstein S, Metz DC: Long-term proton pump inhibitor therapy and risk of hip fracture. JAMA. 2006 Dec 27;296(24):2947-53 (Medline).
  2. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungsreport 2005. Springer, Heidelberg, 2006.
  3. General Practice Research Database (Medline).
  4. Recker RR: Calcium absorption and achlorhydria. N Engl J Med. 1985 Jul 11;313(2):70-3 (Medline).
  5. Holt PR: Intestinal malabsorption in the elderly. Dig Dis. 2007;25(2):144-50 (Medline).
  6. Graziani G, Como G, Badalamenti S, Finazzi S, Malesci A, Gallieni M, Brancaccio D, Ponticelli C: Effect of gastric acid secretion on intestinal phosphate and calcium absorption in normal subjects. Nephrol Dial Transplant. 1995;10(8):1376-80 (Medline).
  7. Jackson RD, LaCroix AZ, Gass M, Wallace RB, Robbins J, Lewis CE, Bassford T, Beresford SA, Black HR, Blanchette P, Bonds DE, Brunner RL, Brzyski RG, Caan B, Cauley JA, Chlebowski RT, Cummings SR, Granek I, Hays J, Heiss G, Hendrix SL, Howard BV, Hsia J, Hubbell FA, Johnson KC, Judd H, Kotchen JM, Kuller LH, Langer RD, Lasser NL, Limacher MC, Ludlam S, Manson JE, Margolis KL, McGowan J, Ockene JK, O'Sullivan MJ, Phillips L, Prentice RL, Sarto GE, Stefanick ML, Van Horn L, Wactawski-Wende J, Whitlock E, Anderson GL, Assaf AR, Barad D; Women's Health Initiative Investigators: Calcium plus vitamin D supplementation and the risk of fractures. N Engl J Med. 2006 Feb 16;354(7):669-83. Erratum in: N Engl J Med. 2006 Mar 9;354(10):1102 (Medline).
  8. Endres HG, Dasch B, Lungenhausen M, Maier C, Smektala R, Trampisch HJ, Pientka L: Patients with femoral or distal forearm fracture in Germany: a prospective observational study on health care situation and outcome. BMC Public Health. 2006 Apr 4;6:87 (Medline).
  9. Bass E, French DD, Bradham DD, Rubenstein LZ: Risk-Adjusted Mortality Rates of Elderly Veterans with Hip Fractures. Ann Epidemiol. 2007 Apr 7 (Medline).
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