Hosenträger zur Sodbrennen- und Krebsvorbeugung? - Falsch gelegen, Herr Doktor!
Tausende Vorschläge empfehlen, wie wir Krebs vorbeugen sollen. Selten mal sind die Tipps sinnvoll - zum Beispiel bei der Empfehlung, mit dem Rauchen aufzuhören, um Lungenkrebs zu vermeiden [1]. Immer wieder stammen sie aus der Folterkammer hilfloser Medizin-„Experten“ - zum Beispiel beim Vorschlag der Brustamputation zur Vorbeugung von Brustkrebs bei Frauen [2]. Die meisten sind jedoch schlichtweg sinnlos, höchstens getrübt von angeblich „gesundem“ Menschenverstand - zum Beispiel, anstatt Gürteln Hosenträger zu verwenden, um damit Sodbrennen oder gar Speiseröhrenkrebs unmöglich zu machen [3].
Die Argumentation - auch bei der Empfehlung, bei Sodbrennen am besten auf BHs zu verzichten - ist immer ähnlich: Mechanischer Druck auf den Bauchraum erhöhe den sogenannten „intraabdominellen Druck“. Das soll der erhöhte Druck im Bauch sein, der im Vergleich zum Druck außerhalb des Bauchraums existiere. Ähnlich vielleicht zum Druck in einem stramm aufgeblasenen Luftballon im Vergleich zum umgebenden Luftdruck. Und dieser Druck sei nun beim Gürteltragen so sehr erhöht, dass der Magen zusammengepresst und sein saurer Inhalt in die Speiseröhre gedrückt werde. Dies ist jedoch definitiv nicht so - selbst, wenn enge Gürtel oder Korsetts zur Rückenstärkung getragen werden, steigt der intraabdominelle Druck nicht erkennbar an [4]. Das ist auch nicht zu erwarten, denn: Eine deutliche Erhöhung des Drucks im Bauchraum oberhalb von 20 mm Hg („abdominelles Kompartment-Syndrom“) ist lebensbedrohlich, weil dies Lungen, Nieren, Herz oder Darm stark einklemmt und ihre Funktionen beeinträchtigt. Das seltene Kompartment-Syndrom ist übrigens Folge einer akuten Bauchfellentzündung, von schweren Unfallverletzungen oder eines Darmverschlusses, nicht aber von Gürtel-Tragen [5].
Speiseröhrenkrebs - so die derzeit aktuelle Auffassung -, wird durch jahrelangen Kontakt mit Salzsäure, die vom Magen in die Speiseröhre zurückfließt (chronische Refluxkrankheit, GERD) verursacht. Die Beobachtung, dass Männer häufiger diese äußerst seltene Krebsform bekommen, hat schließlich die Phantasie mancher Magen-Darm-Fachärzte angeregt. Was dabei herauskam, liegt auf der Hand: 1. Männer tragen häufiger Gürtel als Frauen -> 2. Gürtel erhöhen den intraabdominellen Druck -> 3. die erhöhte Säurebelastung führt deshalb schließlich bei Männern häufiger zu Krebs. Aussage 2 ist sicher falsch und zu Aussage 3 wurde kürzlich im Rahmen einer schwedischen Fallkontrollstudie bei über 800 Patienten mit Speiseröhrenkrebs untersucht. Heraus kam: Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass das Tragen enger Gürtel die Gefahr von Speiseröhrenkrebs erhöht [6].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Mai 2007.
- Gütz S, Gillissen A: Prävention des Lungenkarzinoms. Schluss mit der Qualmerei! MMW Fortschr Med. 2006 Jun 1;148(22):26-7 (Medline).
- Kiechle M, Schmutzler R: Präventive Strategien bei familiärer Brustkrebsprädisposition. Radiologe. 2001 Apr;41(4):366-70 (Medline).
- Spork P: Wenn der Magen überläuft - Chronisches Sodbrennen wird zur Volkskrankheit. Nun wollen die Ärzte mit neuen Methoden das Feuer hinter der Brust beseitigen. Die Zeit. 2002; 18 (Volltext.
- Forouzandeh B, Wright RA: Do back support belts cause gastroesophageal reflux? J Clin Gastroenterol. 1998 Jul;27(1):47-9 (Medline).
- Schachtrupp A, Jansen M, Bertram P, Kuhlen R, Schumpelick V: Abdominelles Kompartmentsyndrom : Bedeutung, Diagnostik und Therapie. Anaesthesist. 2006 May 3 (Medline).
- Lagergren J, Jansson C: Use of tight belts and risk of esophageal adenocarcinoma. Int J Cancer. 2006 Nov 15;119(10):2464-6 (Medline).

