Hightech: pH-Messung in der Speiseröhre ohne Kabel und Katheter
Das „Schlauch-Schlucken“ ist ein Graus für alle Patienten, die eine Spiegelung von Magen und Speiseröhre über sich ergehen lassen müssen [a]. Immerhin ist diese Untersuchung nach kurzer Zeit vorbei - die klassische Langzeit-Säuremessung („pH-Metrie“) in der Speiseröhre dauert jedoch mindestens 24 Stunden [b]. Wobei die ganze Zeit ein Katheter in Nase, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre liegt und die Säure-Messung nicht gerade unter lebensechten Bedingungen erfolgt. Husten, Kratzen im Hals, Schluckbeschwerden und anderes sind die Folgen. Abhilfe schafft jetzt ein Mess-System, das aus einem winzigen Säure-„Fühler“ (pH-Sensor) in der Speiseröhre besteht - die sogenannte Bravo-Kapsel. Diese überträgt die gemessenen Werte katheter- und kabellos per Funkwellen an einen handygroßen Computer, der vom Patienten für 1-2 Tage am Gürtel getragen wird. In einem Tagebuch werden zusätzlich vom Patienten Beschwerden und ihr Auftreten (Sodbrennen, Husten, saures Aufstoßen) aufgezeichnet.
Die Sensor-Kapsel hat die Größe einer größeren Arzneimittelkapsel und wird über eine, nur wenige Augenblicke dauernde Maßnahme in die Speiseröhre eingeführt und an der gewünschten Stelle an der Wand der Speiseröhre fixiert. Der Sensor ist damit betriebsbereit und sendet für die gewünschte Zeit - meist 24, oder auch mal 48 Stunden - seine Informationen. Irgendwelche Rücksichten auf Körperhaltung, spezielle Ernährung oder besondere Bewegungen müssen während der Mess-Periode nicht genommen werden. Die bei der normalen pH-Metrie oft erheblichen Störungen fehlen fast vollständig, gelegentlich haben Patienten das unklare Gefühl, „es sei da irgendetwas in der Speiseröhre“. Leichtere Kost und vermehrtes Trinken helfen dem dann ab. Bedingt durch die aufgenommene Nahrung und die Beweglichkeit der Speiseröhren-Muskulatur wird die Sensor-Kapsel nach einigen Tagen abgestoßen, verlässt über den Darm irgendwann den Körper und verschwindet in der Kanalisation. Die zurückbleibende Wunde (kleiner als bei einer Speiseröhren-Gewebeentnahme) ist wegen der raschen Regeneration des Speiseröhren-Gewebes nach wenigen Tagen vollständig verheilt.
Die Qualität der Mess-Ergebnisse von Sensor-Kapsel und Katheter-pH-Metrie ist vergleichbar, wenn die methodischen Unterschiede berücksichtigt werden. Beispielsweise verschiebt sich die klassische Sonde beim Schlucken oder durch Atembewegungen, während die Säuremessung der Sensor-Kapsel immer am gleichen Ort stattfindet [1]. Eine Fehlplatzierung des kabellosen Sensors findet nur bei Unerfahrenen statt [2], Störungen beim Schlucken und andere Probleme treten kaum oder überhaupt nicht auf und machen in keinem Fall die Entfernung der Kapsel notwendig [3]. Neben fehlenden Störungen durch die Sensor-Kapsel sehen einige Autoren die problemlose Erweiterung des Messzeitraumes von 24 auf 48 Stunden als besonderen Vorteil an [4].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Mai 2007.
- AbstractHersteller-Infos: Medtronic Inc., Lexington/USA - Kontakt: www.medtronic.de.
- Kolfenbach S, Mönkemüller K, Malfertheiner P: Vergleich zwischen konventioneller pH-Metrie und 48h BRAVO pH-Metrie bei der gastroösohagealen Refluxerkrankung. Z Gastroenterol 2006; 44 (Abstract).
- Schneider JH, Königsrainer A: Vergleich der konventionellen ambulanten 24h pH-Metrie mit der telemetrisch gemessenen schnurlosen 48h pH-Metrie bei Gesunden und Patienten mit Refluxerkrankung. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, 5.-8.4.2005, München (Abstract).
- Remes-Troche JM, Ibarra-Palomino J, Carmona-Sanchez RI, Valdovinos MA: Performance, tolerability, and symptoms related to prolonged pH monitoring using the Bravo system in Mexico. Am J Gastroenterol. 2005 Nov;100(11):2382-6 (Medline).
- Gillies RS, Stratford JM, Booth MI, Dehn TC: Oesophageal pH monitoring using the Bravo catheter-free radio capsule. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2007 Jan;19(1):57-63 (Medline).

