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Sodbrennen-Behandlung nur bei Bedarf
Studie: Antazidum besser als Säureblocker

Sodbrennen-Behandlung nur bei Bedarf

Ein nur bei Bedarf eingenommenes, magnesium- und aluminiumhydroxidhaltiges Antazidum (Hydrotalcit) bessert akute Refluxbeschwerden wie Sodbrennen hochsignifikant besser als ein Standard-Medikament zur Blockade der Magensäure-Bildung (Famotidin) oder als ein Scheinmedikament (Placebo) [1]. Dieses Ergebnis einer gerade publizierten Studie überrascht nicht des Resultates wegen - die „Abstimmung“ von Sodbrennen-Patienten in den Apotheken für entsprechende Antazida zeigt dies Tag für Tag aufs Neue -, sondern des Studien-Designs wegen: Eine randomisierte, multizentrische Doppelblind- und Cross-over-Studie nach allen Regeln der Wissenschaft zum Vergleich verschiedener Wirkstoffe im Bereich Sodbrennen-Selbstmedikation ist noch nie durchgeführt worden.

Im Rahmen der Untersuchung wurden per Tageszeitungsanzeigen 526 Patienten mit Sodbrennen durch vier Studienzentren erfasst. Das Alter der Probanden lag zwischen 18 und 65 Jahre, alle litten seit mindestens sechs Monaten an wiederkehrendem Sodbrennen (mindestens zweimal wöchentlich) von mindestens der Stärke 5 auf einer 11-Punkteskala (0= kein Sodbrennen, 11 = extrem schweres Sodbrennen). Ausgeschlossen waren Probanden mit Alarmsymptomen. Das sind Beschwerden, die auf gefährliche oder lebensbedrohliche Magen-Darmkrankheiten hinweisen, zum Beispiel Gewichtsverlust, Erbrechen, Schluckbeschwerden oder schmerzhaftes Schlucken. Wie bei den meisten Sodbrennen-Patienten üblich, war fast kaum ein Betroffener zuvor ärztlich untersucht worden oder hatte eine Speiseöhren- und Magenspiegelung vorzuweisen. Nach Erfassung in den Studienzentren bekamen die Probanden die Prüfmedikation (Hydrotalcit 1000mg, Famotidin 10 mg oder Placebo - jeweils identisch zubereitet) doppelblind zugeteilt.

Das jeweilige Präparat sollte mindestens dreimal im Verlauf des dreimonatigen Untersuchungszeitraumes als Einzeldosis immer dann eingenommen werden, wenn die Probanden auch normalerweise ein Anti-Sodbrennenmittel eingenommen hätten. Beschwerdeverlauf vor und nach Einnahme wurden mittels standardisierten Sodbrennen-Tagebuchabfragen erfasst (inkl. subjektiver Beschwerdestärken). Blieb eine Besserung der akuten Beschwerden auch zwei Stunden nach Einnahme der Prüfmedikation aus, konnten die Betroffenen ein Sodbrennen-Mittel ihrer Wahl verwenden („Notfall-Medikation“). Die bei der Datenauswertung untersuchten Endpunkte der Studie waren die Beschwerde-Besserung im Verhältnis zur Beschwerdestärke zu verschiedenen Zeitpunkten nach Einnahme der Prüfmedikation (30 Min. bis 3 Stunden nachher). Bei der Wirksamkeit wurden die Effekte beider Wirkstoffe und Placebo einzeln und im Vergleich miteinander erfasst. Statistisch konnten rund 450 Patienten ausgewertet werden, weil einige Probanden die Zielparameter nicht erfüllten (zum Beispiel im Prüfzeitraum nur einmal ein Mittel sodbrennenbedingt eingenommen hatten) oder die Studienanweisungen nicht befolgt worden waren (zum Beispiel nicht lange genug bis zur Einnahme der Notfall-Medikation gewartet hatten).

Was sind sogenannte Schichtgitter-Antazida?
Diese Verbindungen sind schichtartig aufgebaute, sogenannte Kristallgitter, die die für die Säurebindungsreaktion notwendigen basischen Bestandteile (Magnesiumhydroxid / Aluminiumhydroxid) in chemisch gebundener Form enthalten. Sie gelten aufgrund Ihrer chemischen Struktur als Monosubstanzen. In Deutschland sind seit mehr als 30 Jahren Magaldrat (Riopan®) und Hydrotalcit (Talcid®) auf dem Markt. Außerdem gibt es zu beiden Wirkstoffen eine Vielzahl von Generika (=wirkstoffgleiche Präparate mit anderem Namen). Chemisch betrachtet sind beide Wirkstoffe nahezu identisch, sie unterscheiden sich nur durch sogenannte Zwischen-Ionen, die zum Ladungsausgleich zwischen den Kristallgitterschichten eingelagert sind. Dies bedeutet, dass beide Verbindungen identische Wirkstoffe enthalten und auch bezüglich ihres Säurebindungsverhaltens gleich sind.
Gibt es Vorteile dieser Schichtgittera-Antazida bei der Säurebindungsreaktion?
Nein. Das Schichtgitter wird im sauren Magen aufgelöst. Erst dann können seine basischen Bestandteile (Magnesiumhydroxid, Aluminiumhydroxid) mit der Säure des Magens reagieren. Hierzu heißt es in der Monographie für Hydrotalcit des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nüchtern:
„Die Schichtgitterstruktur von Hydrotalcit wird pH-abhängig aufgelöst, und Aluminium- und Magnesiumionen werden freigesetzt.“
Die Wirkstärke der Schichtgitterantazida hängt also letztlich - wie bei anderen Antazida - von ihrer Säurebindungskapazität ab. Auch die Freisetzung von Magnesium und Aluminium ist mit der anderer Antazida (z. B. Maaloxan 25 mVal) vergleichbar.
Gibt es medizinische oder pharmakologische Vorteile von Schichtgitter-Antazida gegenüber Antazida vergleichbarer Zusammensetzung?
Nein, denn ein Stück Würfelzucker ist nicht süßer als die gleiche Menge losen Zuckers. Mit diesem Satz könnte ein Vergleich zur Wirkung der sog. Schichtgitter-Antazida zu Maaloxan 25 mVal gezogen werden. Bezogen auf die erforderliche Säurebindungskapazität von 20-25 mVal pro Einzeldosis, die von den BfArM Monographien für Talcid und Maaloxan gefordert wird, ist zumindest die Talcid Kautablette 500 mg mit etwa 13 mVal jedoch unterdosiert, während Maaloxan diese Forderung in allen Darreichungsformen erfüllt.

Alle Patienten berichteten, seit durchschnittlich 6,2 Jahren an Sodbrennen gelitten zu haben, und zwar im Mittel dreimal die Woche. Die Verteilung der Beschwerden entsprach dem, was fast jeder Sodbrennenpatient kennt - allen voran brennende Schmerzen hinter dem Brustbein, gefolgt von saurem Aufstoßen. Auch die, von den Versuchspersonen angegebenen Sodbrennen-Auslöser entsprachen typischen Erfahrungen der meisten Betroffenen: Süße oder fettige Speisen, Weißwein und anderes. Die Einnahme des Antazidums bei akutem Sodbrennen führte zu allen Zeitpunkten - 30 Minuten, 60 Minuten oder 3 Stunden nach Einnahme - zu einer hochsignifikant besseren Beschwerdelinderung als das Placebopräparat. Obwohl es bei allen drei Medikationen innerhalb von drei Stunden zu einer erheblichen Beschwerdebesserung kam, war die Besserung unter dem H2-Blocker Famotidin in keinem Fall jener von Placebo überlegen. Hingegen besserten das magnesium- und aluminiumhaltige Antazidum die Beschwerden sowohl nach 30 Minuten als auch nach 3 Stunden signifikant deutlicher als der H2-Blocker. Wie schon aus anderen Studien bekannt [2], führte das Antazidum zur raschesten Beschwerdebesserung: Bereits 10 nach der Einnahme war ein Großteil der Sodbrennen-Beschwerden gelindert, nach 20 Minuten sogar häufig verschwunden. In der Antazidumgruppe war das Sodbrennen nach 3 Stunden zu 70% komplett verschwunden. Die Notfall-Medikation wurde in allen drei Gruppen nur von jeweils 2% der Probanden verwendet.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Dass die Placebo-Einnahme bei vielen Probanden zu deutlicher Beschwerde-Besserung führt, ist bei Studien zu funktionellen Magen-Darmbeschwerden nicht ungewöhnlich (es können bis zu 60% der Beschwerden allein durch Placebo gelindert oder zum Verschwinden gebracht werden). Eher ungewöhnlich ist, dass ein zum rezeptfreien Verkauf als Sodbrennenmittel zugelassener H2-Blocker nicht besser wirksam ist als Scheinmedikamente. Hierauf sollte bei der Apothekenberatung verstärkt Rücksicht genommen werden. Und eben ein tatsächlich signifikant besser als Placebo, aber auch als Famotidin wirkendes aluminium- und magnesiumhaltiges Antazidum empfohlen werden. Erschreckend an der vorgelegten Studie ist die Erkenntnis, dass viele, über die Therapie von Sodbrennen und Refluxkrankheit forschende Wissenschaftler offenbar mehr an ihrem eigenen ökonomischen Fortkommen interessiert sind, als an Millionen von sodbrennen-kranken Patienten. Wie sonst ist zu erklären, dass eine Studie nach der anderen vorgelegt wird, die sich mit bis vor kurzem noch weitgehend patentgeschützten Hochpreis-Präparaten beschäftigt (Protonen-Pumpen-Inhibitoren)? Anstatt die Wirksamkeit von Medikamenten - auch im Vergleich - zu überprüfen, die tatsächlich eine rasche und effektive Kontrolle der Beschwerden erlauben?



Autor
Quellen
  1. Holtmeier W, Holtmann G, Caspary WF, Weingärtner U: On-demand treatment of acute heartburn with the antacid hydrotalcite compared with famotidine and placebo: randomized double-blind cross-over study. J Clin Gastroenterol. 2007 Jul;41(6):564-70 (Medline).
  2. Faaij RA, Van Gerven JM, Jolivet-Landreau I, Masclee AA, Vendrig EM, Schoemaker RC, Jacobs LD, Cohen AF: Onset of action during on-demand treatment with maalox suspension or low-dose ranitidine for heartburn. Aliment Pharmacol Ther. 1999 Dec;13(12):1605-10 (Medline).

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