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Akupunktur bei behandlungsresistentem Sodbrennen

Behandelte Akupunktur-Punkte

KS 6 Neiguan
(„Innerer Paß“)

Ma 36 Zusanli
(„Drei Li am Bein“)

Le 3 Taichong
(„Großer Schwerpunkt“)

KG 12 Zhongwan
(„Mitte der
Magengrube“)

KG 17 Danzhong
(„Offene Mitte“)

Mi 9 Yinlingquan
(„Quelle unter dem Yin-Hügel“)

Die Standardtherapie von Sodbrennen mit einem Protonenpumpen-Inhibitor (PPI) bleibt bei über 40 Prozent der Betroffenen ganz oder teilweise ohne Erfolg [1]. Dieses Therapieversagen ist in vielen gastroenterologischen Fachpraxen zum häufigsten Grund für einen Arztbesuch von Patienten mit chronischer Refluxkrankheit geworden. Die meist praktizierte Verdoppelung der PPI-Dosis führt jedoch nur bei rund einem Fünftel der Patienten zu einer erkennbaren Beschwerdelinderung, bei den übrigen tut sich gar nichts [2]. Kein Wunder, denn die meisten dieser Patienten haben überhaupt keine erhöhte Säurebelastung ihrer Speiseröhre und keine Speiseröhren-Entzündung [3]. Während die meisten Gastroenterologen keine andere Antwort auf dieses therapeutische Dilemma haben als - wirkungslose - Dosiserhöhung und weitere - sinnlose - Untersuchungen, könnten komplementärmedizinische Therapien wirkungsvolle Alternativen sein, wie jetzt eine aktuelle Studie aus Arizona für den Bereich Akupunktur erstmals überhaupt nachweist [4].

Untersucht wurden 30 Patienten mit typischen Refluxbeschwerden (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schmerzen hinter dem Brustbein), die trotz Standard-PPI-Therapie (Omeprazol 20mg/Tag) weiterhin Symptome hatten. Vor Beginn der Studie wurden alle Patienten einer Speiseröhren-Magenspiegelung unterzogen. Dann wurden sie per Zufallsverfahren entweder der Gruppe mit verdoppelter PPI-Dosis (Omeprazol, 2x20mg/Tag) oder der Gruppe mit Standard-PPI-Dosis plus Akupunktur-Behandlung zugewiesen. Die Studiendauer betrug vier Wochen. Die Akupunktur-Therapie wurde durch Akupunktur-Experten mit mindestens fünfjähriger Erfahrung zweimal wöchentlich durchgeführt (insgesamt 10 Sitzungen von jeweils 20minütiger Dauer). Der Beschwerdeverlauf der Patienten wurde zum einen durch mehrfache Kontroll-Untersuchung vor, während und nach Ende der Therapiephase, zum anderen durch mehrere von den Patienten auszufüllenden Fragebögen (Refluxbeschwerden, Lebensqualität) und das Führen eines Sodbrennen-Tagebuches erfasst.

Bereits die vierwöchige Behandlung mit Akupunktur zeigte am Ende der Behandlung eine signifikante Abnahme der mittleren Schwere des Sodbrennens am Tage, des nächtlichen Sodbrennens und des sauren Aufstoßens im Vergleich zu den Ausgangsbeschwerden. Die Verdopplung der PPI-Dosis führte hingegen zu keinen signifikanten Änderungen der festgestellten Beschwerden am Ende der Behandlung. Zusätzlich wurde erfasst, wie gesund sich die untersuchten Patienten fühlten: Nur bei den Patienten der PPI- plus Akupunktur-Gruppe ergab sich im Behandlungsverlauf eine signifikante Besserung. Die Autoren kommen deshalb zu dem Schluss, dass die Kombinationstherapie von PPI mit Akupunktur wirksamer ist als eine Verdoppelung der PPI-Dosis, wenn es um die Kontrolle von anhaltenden Refluxbeschwerden bei einer Standard-PPI-Therapie geht.

Eine wissenschaftlich eindeutige Erklärung dieser Effekte können die Autoren nicht vorlegen. Allerdings verweisen sie auf zahlreiche Studien zur Beeinflussbarkeit von Magen-Darm-Funktionen durch Akupunktur. Diese zeigen, dass Akupunktur unter anderem

Welche dieser, vielleicht auch kombinierten Effekte letztlich für die beobachtete Wirkung verantwortlich ist, und wie deren Vermittlung über die Akupunktur - abgesehen von der Philosophie der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) - letztlich zu erklären ist, bleibt offen. Alle verwendeten Akupunktur-Punkte haben jedoch nach TCM-Interpretation einen Zusammenhang mit der „Beruhigung“ oder „Regulierung“ des Magens, was schulmedizinisch als Regulierung der Säuresekretion und der Magen-Motilität übersetzt werden könnte.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Egal ob Akupunktur nun spezifische, über bis heute nicht nachgewiesene „Meridiane“ vermittelte Wirkungen hat, oder - wie neue Großstudien aus Deutschland nahelegen - starke, unspezifische Effekte bereits über intensive Hautreizung entfaltet: Chronische Sodbrennen-Patienten, bei denen selbst Megadosen von PPIs wirkungslos bleiben, können hoffen, dass auch ihre Beschwerden einer wirkungsvollen Therapie zugänglich sind. Sie müssen nur ihren Blick auf mögliche Alternativen richten, und wirksame Therapie einfordern. Und zwar nicht nur von Gastroenterologen, die oft nicht mal wissen, was „Komplementärmedizin“ überhaupt bedeutet. Sondern auch von den Kostenträgern, die angesichts der Wirkungslosigkeit vieler schulmedizinischer „Therapien“ zunehmend Bereitschaft zeigen, auch Akupunktur-Behandlungen zu übernehmen.



Autor

Quellen
  1. Carlsson R, Galmiche JP, Dent J, Lundell L, Frison L: Prognostic factors influencing relapse of oesophagitis during maintenance therapy with antisecretory drugs: a meta-analysis of long-term omeprazole trials. Aliment Pharmacol Ther. 1997 Jun;11(3):473-82 (Medline).
  2. Fass R, Murthy U, Hayden CW, Malagon IB, Pulliam G, Wendel C, Kovacs TO: Omeprazole 40 mg once a day is equally effective as lansoprazole 30 mg twice a day in symptom control of patients with gastro-oesophageal reflux disease (GERD) who are resistant to conventional-dose lansoprazole therapy-a prospective, randomized, multi-centre study. Aliment Pharmacol Ther. 2000 Dec;14(12):1595-603 (Medline).
  3. Lind T, Havelund T, Carlsson R, Anker-Hansen O, Glise H, Hernqvist H, Junghard O, Lauritsen K, Lundell L, Pedersen SA, Stubberöd A: Heartburn without oesophagitis: efficacy of omeprazole therapy and features determining therapeutic response. Scand J Gastroenterol. 1997 Oct;32(10):974-9 (Medline).
  4. Dickman R, Schiff E, Holland A, Wright C, Sarela SR, Han B, Fass R: Acupuncture vs. doubling the PPI dose in refractory heartburn. Aliment Pharmacol Ther. 2007 Sep 17 (Medline).

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