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Tödliche Herz-Krankheiten durch „Protonenpumpeninhibitor“?

Die mit am häufigsten eingenommenen Blocker der Magensäure-Freisetzung, die Protonenpumpeninhibitoren (PPI) Omeprazol (z. B. Antra®) und Esomeprazol (z. B. Nexium®), werden von den beiden nordamerikanischen Arzneimittel-Zulassungsbehörden FDA und Health Canada auf ihre Anwendungs-Sicherheit hinsichtlich des Herzkreislaufsystem geprüft. Anlass der Überprüfungen sind die Ergebnisse zweier Studien, in denen die Medikamente die Gefahr von Herzinfarkten, Herzschwäche und plötzlichen herzkreislauf-bedingten Todesfällen erhöht hatten [1, 2].

Ergebnisse aus den beiden bislang noch unveröffentlichten Studien sowie zusätzliche Daten wurden vom schwedischen Hersteller der Präparate, AstraZeneca, Ende Mai 2007 an die beiden nordamerikanischen Behörden übermittelt. In den in Europa durchgeführten Langzeitstudien waren Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) per Zufallsverteilung entweder einer medikamentösen PPI-Behandlung oder einer operativen Therapie der Refluxkrankheit zugeteilt worden. In der ersten der beiden Studien, die inzwischen abgeschlossen sind, wurde Omeprazol eingesetzt. Die Patienten waren über 14 Jahre nachbeobachtet worden. Bereits im ersten Jahr wurde ein erhöhtes Risiko auf Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und plötzlichem Herztod erkennbar, das dann über die gesamte Laufzeit der Studie anhielt, teilt die FDA mit. In der zweiten noch laufenden Studie, in der Esomeprazol eingesetzt wird, wurde in einer Zwischenauswertung eine erhöhte Rate der genannten Herz-Zwischenfälle beobachtet.

Beide Studien verfügen, so die FDA, über methodische Mängel. So sei nicht genau festgelegt worden, wie die Herzzwischenfälle, etwa ein Herzinfarkt, definiert werde. Unklarheiten könnten hier schnell ein falsches Bild ergeben. Außerdem gab es bei den chirurgisch behandelten Patienten viele Studienabbrecher, wodurch sich beispielsweise ein Ungleichgewicht im Alter der Patienten ergibt. Die operierten Patienten waren jünger als die medikamentenbehandelten Studien-Teilnehmer, was möglicherweise die erhöhten Herzzwischenfälle bei den PPI-Anwendern erkläre, vermutet die FDA in ihrer ersten Stellungnahme. Die Analyse der zusätzlich vorgelegten Daten und die Bewertung der bisher vorliegenden 14 klinischen Vergleichsstudien zu Omeprazol (mit Behandlungszeiten von bis zur 2 Jahren) konnte den Verdacht auf mögliche Herzrisiken durch PPIs bislang nicht erhärten. Aus diesem Grund ziehen die beiden Agenturen vorerst keine Konsequenzen aus den Ergebnissen der beiden Studien. Eine endgültige Stellungnahme soll in drei Monaten erfolgen.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Ob die Datenübermittlung an die US-amerikanischen und kanadischen Behörden angesichts der äußerst wackeligen Esomeprazol-Patente ein geschickter Schachzug von AstraZeneca war, wird sich erst in einiger Zeit herausstellen. Zunächst kam es jedenfalls zu einem Kursabfall von rund vier Prozent (New York, London). Ob FDA und andere Behörden überhaupt Schritte einleiten werden, um die Frage nach der Herzschädigung durch PPIs wissenschaftlich zu klären, ist jedoch fraglich. Wie nicht anders zu erwarten, äußern sich weder das deutsche BfArM noch die europäische EMEA zu dem Sachverhalt. Traurig ist, dass der Verdacht auf arzneimittelbedingte Schädigung von Reflux-Patienten erst so spät geäußert wird.


Update 2008

Die kanadische Behörde rät Anwenderinnen und Anwendern von Omeprazol-Präparaten dazu, mit ihren behandelnden Ärzte über diese Sachverhalte zu sprechen und dann – unter Abwägung von Risiko und Nutzen – über die weitere Therapie zu entscheiden.



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Quellen
  1. US Food and Drug Administration (FDA)/Center for Drug Evaluation and Research: Early Communication About an Ongoing Safety Review - Omeprazole (Prilosec) - Esomeprazole (Nexium). Rockville/USA, 9. Aug. 2007 (Volltext).
  2. Health Canada: Health Canada reviewing new safety information on cardiac events in patients taking Losec (omeprazole) or Nexium (esomeprazole). Ottawa/Kanada, 9. Aug. 2007 (Volltext).

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