Sodbrennen: Schließmuskel und Zwerchfellbruch ohne Bedeutung
Kein Sodbrennen-Schutz durch aufrechte Haltung, auch nicht bei den „langen Kerls“ des Soldatenkönigs (Johann Christof Merk, um 1714). |
So unüberfühlbar und belastend Sodbrennen für Betroffene ist, so unklar sind die Bedingungen, die für den verstärkten Kontakt von zurückfließendem Mageninhalt mit der Speiseröhren-Schleimhaut eigentlich verantwortlich sind. Eine umfangreiche Untersuchung der Universität Wien zeigt nun, dass - anders als bislang oft angenommen - weder Zwerchfellbrüche („Hiatus-Hernie“) noch eine verringerte Funktion des unteren Speiseröhren-Schließmuskels hauptverantwortlich für die Säurebelastung der Speiseröhre sind [1].
In die Studie wurden 116 Patienten eingeschlossen, die alle unter typischen Refluxbeschwerden litten. Die Wiener Forscher setzten zur Untersuchung wesentliche Tests ein, die bei der chronischen Refluxkrankheit zur Verfügung stehen: 24-Stunden-Säuremessung in der Speiseröhre, Feststellung der Beweglichkeit der Speiseröhren-Muskulatur über Druckmessungen, Verlauf und Geschwindigkeit des Transportes eines Schluckes von Mund bis Magen mittels eines kurzlebigen radioaktiven Strahlers und die Endoskopie von Speiseröhre und Magen unter besonderer Berücksichtigung möglicher Zwerchfellbrüche („Hiatus-Hernie“).
Schuld an der Belastung der Speiseröhre mit Magensäure und der Schwere einer hierdurch bedingten Schleimhaut-Entzündung („Ösophagitis“) sind vor allem, so zeigt die Wiener Analyse,
- die gestörte Beweglichkeit („Motilität“) des Muskelschlauches Speiseröhre und
- der hieraus folgende verlangsamte Transport in Richtung Magen.
Und dies ist weitgehend, wenn auch nicht völlig unabhängig von der Körperhaltung der Betroffenen (aufrecht, liegend). Bei aufrechter Haltung spielt zusätzlich das Körpergewicht eine Rolle - je höher der Bodymass-Index, desto deutlicher die Säurebelastung der Speiseröhre. Im Liegen entscheidet das Geschlecht über eine verstärkte Säurebelastung mit - bei Männern ist sie ausgeprägter als bei Frauen. Wesentlich für die Säurebelastung bei chronischer Refluxkrankheit ist also die verschlechterte Fähigkeit der Speiseröhre, sich in vorgesehener Weise zu bewegen („Peristaltik“) und damit zur Selbstreinigung („Ösophagus-Clearance“) beizutragen und nicht - wie viele andere Studien nahelegen - eine verschlechterte Schließmuskelfunktion oder Zwerchfellhernien. Dass Sodbrennen im Stehen insgesamt häufiger beziehungsweise stärker ausgeprägt ist als im Liegen, hatten zuvor bereits andere Untersuchungen gezeigt [2], obwohl auch diese Beobachtung im Widerspruch zur Mainstream-Auffassung stehen [3].
Die Autoren kommen zu der lebenspraktischen Schlussfolgerung, dass eine wirksame Reflux-Therapie nicht allein aus einer medikamentösen Verringerung des Säuregehaltes des zurückfließenden Mageninhalts bestehen sollte, auch nicht aus Versuchen, die Verschlussfunktion des unteren Speiseröhren-Schließmuskels zu erhöhen (Antireflux-OP) oder Zwerchfellhernien operativ zu beseitigen, sondern durch Förderung der Muskelbeweglichkeit und Transportfunktion der Speiseröhre insgesamt zu ergänzen ist.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de nbsp;Die Förderung der funktionellen Organ-Aktivität als Teil eines Reflux-Therapiekonzept ist ein Vorschlag, der auch von Sodbrennen-Welt.de immer wieder vorgebracht wird. Beispielsweise in Form unserer Übungsvorschläge zur Bauchatmung und anderen therapieunterstützenden Übungen von der Sportmedizinischen Hochschule in Köln (mehr ...). So wirksam säureneutralisierende Präparate (Beispiel Maaloxan®) oder Säureblocker auch sind - erst in Kombination mit anderen Maßnahmen wird daraus ein wirksames Behandlungskonzept, mit dem die oft lebenslangen Refluxbeschwerden kontrollierbar werden. Wichtig bei der vorgelegten Arbeit erscheint auch die indirekt ausgesprochene Warnung vor Operationen, die möglicherweise nur geringe Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben (zum Beispiel Hernien-Korrekturen).
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, November 2007.
- Stacher G, Lenglinger J, Eisler M, Hoffmann M, Goll A, Bergmann H, Stacher-Janotta G: Esophageal acid exposure in upright and recumbent postures: roles of lower esophageal sphincter, esophageal contractile and transport function, hiatal hernia, age, sex, and body mass. Dig Dis Sci. 2006 Nov;51(11):1896-903 (Medline).
- Ouatu-Lascar R, Lin OS, Fitzgerald RC, Triadafilopoulos G: Upright versus supine reflux in gastroesophageal reflux disease. J Gastroenterol Hepatol. 2001 Nov;16(11):1184-90 (Medline).
- Portale G, Peters J, Hsieh CC, Tamhankar A, Arain M, Hagen J, DeMeester S, DeMeester T: When are reflux episodes symptomatic? Dis Esophagus. 2007;20(1):47-52 (Medline).
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