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Dumm gelaufen: Speiseröhren-Geschwür durch homöopathische Pille

Eigentlich soll die Alternativ- oder Komplementär-Medizin ja neben ihren mehr oder weniger erkennbaren Heilerfolgen vor allem besonders sanft sein und wenig Nebenwirkungen haben. Manchmal kann sich jedoch - als völlig unerwartete Nebenwirkung - ein ausgeprägtes Speiseröhren-Geschwür entwickeln, wie eine Gruppe Gastroenterologen aus Rom jetzt berichtet [1].

Es handelte sich um eine 35jährige, körperlich gesunde Patienten, die sich mit Brustschmerzen, Schluckbeschwerden und leichtem Fieber im Krankenhaus aufgenommen worden. Nachdem keine der typischen Ursachen die Beschwerden erklären konnte und verschiedene Untersuchungen ergebnislos geblieben waren, wurden Speiseröhre und Magen gespiegelt. Hierbei stellte sich nun die Ursache der heftigen Beschwerden heraus: Eine homöopathische Pille gegen Angstbeschwerden, die in einer Schleimhautfalte im mittleren Speiseröhren-Abschnitt eingeklemmt gewesen war hatte dort ein ausgeprägtes Geschwür („Ösophagus-Ulcus“) hinterlassen. Weitere Zeichen einer zum Beispiel durch eine Refluxkrankheit verursachten Speiseröhren-Entzündung („Ösophagitis“) bestanden nicht.

Solche „Zwischenfälle“ der Arzneimitteltherapie sind durchaus häufig [2]. Sie kommen aber meist bei alten Menschen, Bettlägrigen, Heimbewohnern, Patienten mit Speiseröhren-Einengung, Schluckbeschwerden, Zwerchfell-Hernien, krankhafter Erschlaffung der Speiseröhren-Muskulatur oder Patienten mit massiver Herzvergrößerung vor. Im vorliegenden Fall lag jedoch keine dieser Bedingungen vor. Zudem handelt es sich oft um Wirkstoffe oder Inhaltsstoffe von Pillen oder Tabletten, von denen schleimhautschädigende Effekte bekannt sind, wenn sie - durch irgendwelche Störungen bedingt - zulange mit Schleimhaut im Kontakt sind. Doch die Inhaltsstoffe des auf Pflanzenbasis hergestellten homöopathischen Kombinationsmittels waren für solche giftigen Nebenwirkungen an der Speiseröhre nicht bekannt.

Der Zwischenfall unterstreicht die bekannte Notwendigkeit, Medikamente mit ausreichend Wasser und nach Möglichkeit in sitzender oder stehender Position einzunehmen, so die Autoren. Zudem machen solche Probleme deutlich, dass eine Vielzahl von möglichen medizinischen Problemen (Wechselwirkungen, Nebenwirkungen) bei Präparaten der Alternativmedizin überhaupt noch nie untersucht worden seien.



Autor
Quellen
  1. Corleto VD, D'Alonzo L, Zykaj E, Carnuccio A, Chiesara F, Pagnini C, Di Somma S, Delle Fave G: Text A case of oesophageal ulcer developed after taking homeopathic pill in a young woman. World J Gastroenterol. 2007 Apr 14;13(14):2132-4 (Medline, Volltext).
  2. Friedman SL, McQuaid KR, Grendell JH (eds): Current Diagnosis & Treatment in Gastroenterology, 2nd ed. McGraw-Hill/Appleton & Lange 2002.
  • Bildquelle: gajatz - Fotolia.com

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