Sodbrennen im Weltall: Hauptproblem ist die fehlende Schwerkraft
Skylab-3 Mission, 1973, Astronaut Allen Bean auf dem Ergometer (© NASA Marshall Space Flight Center) |
Über medizinische Probleme des Weihnachtsmanns ist wenig bekannt: Möglicherweise leidet er aber in der Vorweihnachtszeit an massiven Stressfolgen (einschließlich Sodbrennen?). Und beim Geschenke-Verteilen dürfte es infolge der übermäßigen Beschleunigung seines Schlittens (auf ungefähr 1.040 km pro Sekunde = 3.000-fache Schallgeschwindigkeit [1]) sowie der Beteiligung an Millionen von Weihnachtsessen zu stärksten Reflux-Problemen kommen... Wesentlich weniger Probleme mit dem Magen scheinen Astronauten zu haben, obwohl sie auch „Himmels-Vielflieger“ sind. Bei ihnen stellt sich die eher wissenschaftliche Frage, welche Auswirkungen die spezielle Arbeitsumgebung auf den Magen-Darm-Bereich haben könnte. Ob refluxbedingte Probleme wie Sodbrennen in der weitgehenden Schwerelosigkeit („Mikrogravitation“) der Internationalen Raumstation (engl. International Space Station, ISS) oder bei Space Shuttle-Flügen auftreten, beantwortete jetzt ein Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde (engl. National Aeronautics and Space Administration, NASA) [2].
Nach Aussagen des NASA-Experten Thomas Dreschel kommt Sodbrennen bei den Crew-Mitgliedern, ob auf der ISS oder im Space Shuttle, nur selten vor. Ein Grund hierfür sei der überaus gute Gesundheitszustand der Astronauten, bedingt durch intensives körperliches Training und gesunde Ernährungs-Gewohnheiten. Demzufolge hat praktisch kein Astronaut auf dem Erdboden chronische Refluxbeschwerden. Zudem klagen sie auch im Orbit nicht besonders häufig darüber. Während umfangreiche, große Mahlzeiten häufige Auslöser eines gastro-ösophagealen Reflux (engl. Gastro-Esophageal Reflux Disease - GERD) bei „Erdbewohnern“ sind, kommt auf diese Weise ausgelöstes Sodbrennen im Orbit nur selten vor. Einfach deshalb, weil Astronauten normalerweise nur kleine Portionen verzehren. Sodbrennen bei Astronauten in der Erdumlaufbahn, das manchmal durch einzelne, stärker gewürzte Nahrungsmittel ausgelöst wird, beispielsweise durch ein Shrimp-Cocktail, kann rasch durch einfache Antazida oder Entblähungsmittel beseitigt werden, stellt Dreschel fest.
Einfache, rasch wirksame Präparate wie das bewährte Antazidum Maaloxan® sind auch deshalb zur Beschwerdelinderung im Orbit notwendig, weil manche der nicht-medikamentösen, sog. „konservativen“ Maßnahmen in der Schwerelosigkeit nicht funktionieren. Wer auf der Erde von akutem Sodbrennen betroffen ist, kann sich zum Beispiel helfen, indem er sich aufrecht hinsetzt oder - im Bett - auf die rechte Seite liegt. Diese Maßnahmen helfen - dank der Schwerkraft - dabei, sauren Mageninhalt vom Speiseröhre-Magen-Übergang fernzuhalten. Im All fehlt jedoch die Schwerkraft, so dass die Vermeidung der Auslöser und eine rasch wirksame medikamentöse Behandlung die einzigen verfügbaren Therapieoptionen sind.
Das Wirken der Schwerkraft schützt unter normalen Bedingungen vor übermäßigem Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre, eine der Grundvoraussetzungen für Sodbrennen. Fehlt das Wechselspiel von Gravitation und der entgegengesetzt wirkenden Auftriebskraft aber weitgehend, wie beispielsweise im All oder bei Parabelflügen mit Flugzeugen, verändert sich das Verhalten des Magen-Verdauungssaftes. Er beginnt jetzt, entsprechend seiner Oberflächenspannung der Kapillarkraft zu folgen. Folge: Magensaft „kriecht“ in Richtung Speiseröhren-Schließmuskel und bedeckt die Schleimhaut dort mit einer dünnen Schicht sauren Magensaftes. Manche Astronauten lassen sich hierdurch überhaupt nicht irritieren, andere stören sich so sehr daran, dass es ihnen die Mahlzeiten verleiden kann, sagt Dreschel.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Dezember 2007.
- NN: Der Weihnachtsmann aus Sicht der klassischen Physik (Volltext).
- Dreschel T: Frequently Asked Questions - Human Issues (Web of Life). Kennedy Space Center (KSC), Merritt Island/USA, 2007.
Weitere Infos hier bei Sodbrennen-Welt.de:

