Schwangerschafts-Sodbrennen: Seltener als angenommen, keine Verschlimmerung
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Sodbrennen in der Schwangerschaft – ein Phänomen, das einfach erklärt und allgegenwärtig scheint. Doch weder ist die Ursache allgemein bekannt (-> Schwangerschafts-Sodbrennen) noch die Häufigkeit und der natürliche Verlauf des brennenden Gefühls hinter dem Brustbein. Spanische Magen-Darm-Experten haben auf einige dieser Fragen jetzt erstmals, teilweise unerwartete Antworten gefunden.
Im Rahmen der Longitudinal-Untersuchung wurden 263 Schwangere telefonisch zu vier Zeitpunkten mittels eines validierten Fragebogens nach ihren Beschwerden befragt - 12, 24 und 36 Schwangerschaftswoche sowie 1 Jahr nach der Geburt. Diese Gruppe wurde mit einer Gruppe nicht-schwangerer Frauen verglichen. Es zeigte sich, dass typische Beschwerden von gastro-ösophagealem Reflux (Sodbrennen, saures Aufstoßen) in allen Schwangerschafts-Dritteln fast gleich häufig war (25.8%, 24.3% und 25.5% im 1., 2. und 3. Trimester). Und nicht, wie oft angenommen, mit fortschreitende Schwangerschaft schlimmer werden. Unerwartet war auch das Ergebnis, dass Schwangere von südamerikanischer Herkunft ein fast verdoppeltes Sodbrennen-Risiko im ersten Schwangerschafts-Drittel hatten, wofür es bislang keine Erklärung gibt.
Noch zwei weitere Faktoren scheinen die Gefahr, während der Schwangerschaft unter Sodbrennen zu leiden, zu erhöhen: Zum einen gelegentliche Sodbrennen-Beschwerden (Verdreifachung des Refluxbeschwerde-Risikos im ersten Trimester). Zum anderen eine Gewichtszunahme der Schwangeren (18%ige Risikosteigerung im dritten Trimester). Schließlich konnten die spanischen Forscher statistische Hinweise darauf finden, dass eine Schwangerschaft selbst die Gefahr zu erhöht, später an Refluxbeschwerden zu leiden: Etwa 4,7% der Mütter litten ein Jahr nach der Geburt an Refluxbeschwerden, aber nur 1,3% der Frauen aus der Kontrollgruppe. Die Forscher kommen deshalb zu dem Schluss, dass Gewichtszunahme ein wesentlicher Einflussfaktor für die Auslösung von Refluxbeschwerden ist und dass Schwangerschaften selbst das spätere Auftreten von Sodbrennen fördern.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
„Wieder was dazugelernt“, könnte man jetzt sagen ... Doch halt: Die Studienergebnisse stellen einige Inhalte gängiger Lehrbücher und Schwangeren-Ratgeber hinsichtlich Sodbrennen auf den Kopf: Refluxbeschwerden in der Schwangerschaft scheinen bei weitem nicht so häufig zu sein, wie oft zu lesen ist (selbst bei Sodbrennen-Welt.de). Und sie scheinen sich meistens nicht zu verschlechtern, wenn die Schwangerschaft weiter fortschreitet. Dies deutet an, dass die gern geäußerte These falsch ist, dass Sodbrennen Folge eines erhöhten Druckes im Bauchraum sei. Kurzmitteilung an junge Frauen: Sodbrennen trifft nur eine von vier Schwangeren und wird im Schwangerschaftsverlauf nicht schlimmer.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Januar 2008.
- Bildquelle: www.photocase.de
- Rey E, Rodriguez-Artalejo F, Herraiz MA, Sanchez P, Alvarez-Sanchez A, Escudero M, Diaz-Rubio M: Gastroesophageal reflux symptoms during and after pregnancy: a longitudinal study. Am J Gastroenterol. 2007 Nov;102(11):2395-400 (Medline).
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