Speiseröhren- und Magenspiegelung
Endoskopie-Skandal im US-Bundesstaat Nevada
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Die überdurchschnittlich hohe Zahl von Patienten mit Hepatitis C-Infektion (= entzündliche Lebererkrankung mit besonders häufigem Übergang in chronische, oft tödliche Leber-Erkrankungen, durch Blut übertragen) machte die Gesundheits-Behörde von Süd-Nevada im Januar 2008 zuerst aufmerksam. Als dann die Prüfer der Behörde im Endoskopie-Zentrum von Süd-Nevada in der Shadow Lane in Las Vegas genau hinschauten, trauten sie ihren Augen nicht: Das Personal verwendete Spritzenkörper und auch Glasfläschchen mit Betäubungsmittel mehrfach – fünf der Hepatitis C-Infizierten hatten am gleichen Tag eine offenbar infizierte Betäubungsspritze bekommen. Im schlimmsten Fall könnten in dem Untersuchungszentrum bis zu 40.000 Patienten infiziert worden sein, so die Hochrechnung der Kontrolleure [1].
Der Chef der Gesundheitsbehörde, Dr. Lawrence K. Sands, versucht zwar zu beruhigen – immerhin sei die Gefahr für die übrige Bevölkerung in Nevada gering, denn Hepatitis C werde ja „nur“ über das Eindringen von Erregern in die Blutbahn übertragen. Ob dies jedoch die vielen Betroffenen und ihre Familien beruhigen wird, ist zweifelhaft. Jeder einzelne von ihnen wird derzeit schriftlich benachrichtigt. Allen sollten, so wird empfohlen, ihren Hausarzt aufsuchen, um sich auf Hepatitis C untersuchen zu lassen. Da auch Hepatitis B und HIV auf dem gleichen Weg übertragen worden sein können, werden Tests auf diese Infektionskrankheiten ebenfalls empfohlen. Das medizinische Untersuchungs-Zentrum in Las Vegas ist seit dem 11. Januar 2008 geschlossen, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind in vollem Gange. In einer hektischer Untersuchungsserie wurden im März zudem alle 50 Zentren für ambulante Chirurgie untersucht, um dort mögliche weitere Gefahren zu entdecken (Ambulatory Surgery Centers’ Focused Survey). Dabei wurden zwar mehrfach hygienische und infektiologische Mängel gefunden, allerdings keine weiteren Fälle von gehäuften Infektionen.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Dass sich der Skandal ausgerechnet in einem hoch spezialisierten Endoskopie-Zentrum abgespielt hat, ist für Sodbrennen-Patienten nicht besonders beruhigend. Denn sie gehören zu der Gruppe von Patienten, die besonders häufig einer Spiegelung von Speiseröhre und Magen unterzogen werden („Die Ösophagoduodenoskopie ist der Goldstandard zur Differenzierung von erosiver und nichterosiver Refluxkrankheit“ [2]). Die hierbei verwendeten flexiblen Endoskope können nur mit Aufwand optimal gereinigt und sterilisiert werden, was offenbar oftmals – ob in Kliniken oder Praxen – eher vernachlässigt wird (siehe Magenspiegelung – Bei fehlender Geräte-Reinigung und -Desinfektion drohen Infektionen). Hinzu kommt die vielfach beklagte Mehrfach-Verwendung von medizinischem/chirurgischem Material, das nur für einmalige Benutzung zugelassen ist (und für das die Krankenkassen auch bei Mehrfachbenutzung jedes Mal den vollen Preis zahlen) [3]. Kurzum: Auch wenn im Gesundheitssystem gespart werden muss – illegales Verhalten und Gier von Health Professionals wie im geschilderten Fall tun der Gesundheit jedenfalls nicht gut! Patienten, die schon genug für das so umtriebige Gesundheitssystem zahlen, sollten mehr darauf achten, wo ihr Geld „versickert“.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, April 2008.
- FotoQuelle: www.flickr.com/photos/mandj98/302279753, James Phelps
- Staatliche Website (Southern Nevada Health District) zum Hepatitis C Skandal: Hepatitis C Investigation.
- Hölscher AH, Bollschweiler E, Gutschow C, Malfertheiner P: Gastroösophageale Refluxkrankheit - Welche Diagnostik ist zur Indikationsstellung notwendig? Chirurg. 2005 Apr;76(4):345-52 (Medline).
- Lee RC, Berzins S, Alfieri N: Single-use device reuse risks. Can J Infect Control. 2007 Fall;22(3):142, 144, 146 passim (Medline).
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