Schwangerschafts-Sodbrennen
Kindliche Allergien durch Säureblockade in der Schwangerschaft?
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Die Einnahme säureblockierende Arzneimittel gegen Sodbrennen und andere Refluxbeschwerden während der Schwangerschaft könnte die Asthma-Gefahr der Babys um bis zu 50 Prozent erhöhen, hat Ende März eine Arbeitsgruppe von der Kinderklinik in Boston bei einem US-Fachkongress bekanntgegeben [1].
Dr. Elizabeth Yen, auch Professorin an der renommierten Harvard-Universität, und ihre Kollegen untersuchten rückblickend Daten von drei großen schwedischen Gesundheits-Datenbanken (Geburts-Register für die Jahre 1995-2004; Register Krankenhaus-Entlassungen in den Jahren 1995-2006, Arzneimittel-Verordnungs-Register für die Jahre 2005-2006). Das Ergebnis der Analyse zeigte, dass die Verwendung von säureblockierenden Arzneimitteln (H2-Blocker, Protonenpumpen-Inhibitoren, andere Antiulkus-Mittel wie Sucralfat) während der Schwangerschaft, egal um welche Mittel es sich handelte, mit einem 1,51-fach höheren Asthma-Risiko bei den Babys dieser Mütter assoziiert ist (im Vergleich zu Babys von Müttern, die keine Säureblocker verwendet hatten), sagte Yen. Dieser statistische Zusammenhang konnte lediglich bei der Atemwegserkrankung Asthma nachgewiesen werden, so Yen weiter. Es zeigte sich kein Anstieg der Gefahr anderer allergischer Erkrankungen wie Neurodermitis, Nahrungsmittel-Allergien, Heuschnupfen oder unspezifische allergische Reaktionen oder Überreaktionen („Anaphylaxie“). Der Zusammenhang war nicht nur unabhängig von den verwendeten Arzneimittel gegen Sodbrennen, sondern auch von dem Verwendungs-Zeitraum im Verlauf der Schwangerschaft oder einer eventuellen mütterlichen Allergie. Aus Sicht von Yen und ihrer Arbeitsgruppe weist die durchgeführte Analyse auf einen neuartigen möglichen Risikofaktor für die Entwicklung von allergischen Erkrankungen bei Kindern hin.
Hinweise:
- Da Antazida in Schweden wie in Deutschland freiverkäuflich sind und ihre Verwendung durch Schwangere nicht sicher erfassbar war, so Yen, wurden sie bei der vorgestellten Analyse nicht berücksichtigt.
- Die Studien-Ergebnisse wurden zwar einem Fachpublikum vorgestellt, sind jedoch noch nicht publiziert.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Über mögliche Zusammenhänge von Säureblockern in der Schwangerschaft mit späteren kindlichen allergischen Erkrankungen hat bereits eine Wiener Forschergruppe publiziert [2]. Die Gruppe hatte jedoch lediglich in Mausversuchen mit dem antaziden Wirkstoff Sucralfat gearbeitet und keine anderen Säureblocker untersucht. Die Schlussfolgerung der Wiener Forscher, „es könne einen kausalen Zusammenhang zwischen dem in den letzten Jahrzehnten zunehmendem Gebrauch von Säureblockern und den weltweit zunehmenden kindlichen Allergien geben“, muss jedoch als gewagt bezeichnet werden. Zum einen geht die Verwendung antazider Wirkstoffe seit Jahren kontinuierlich zugunsten von H2-Blockern und Protonenpumpeninhibitoren (PPI) zurück, wobei der PPI-Einsatz bei Schwangeren – trotz wohl nur geringen Missbildungsrisikos [3] – in Deutschland nur nach strenger Indikationsstellung bei Schwangeren und Stillenden erlaubt ist (Rabeprazol ist während Schwangerschaft und Stillzeit sogar völlig kontraindiziert) [4]. Auch das angenommene Prinzip hinter der allergischen Sensibilisierung, nämlich die durch Anhebung des pHs im Magensaft gestörte Eiweißverdauung (und damit auch eine geringere Denaturierung potentiell allergener Nahrungs-Eiweiße), sticht nur teilweise: Säureneutralisierende Antazida wie Maaloxan® können den pH im Magen garnicht soweit anheben, dass die Eiweißverdauung empfindlich gestört wird. Auch der Vermutung, gerade aluminiumhaltige Antazida seien ursächlich an speziellen Sensibilisierungs-Reaktionen der Mäuse beteiligt (siehe Aluminiumhydroxid als „Wirkungsverstärker“ von Impfstoffen), wird durch die US-Studie widersprochen: Die Zunahme des Asthma-Risikos erfolgte unabhängig von den eingenommenen Wirkstoffen.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, April 2008.
- FotoQuelle: sxc.hu, JakeCampbe
- Yen EH, Dehlink E, Huh S, Leichtner A, Fiebiger E, Hait EJ: Acid Blocking Therapy During Pregnancy Increases the Odds for Childhood Asthma. J Allergy Clin Immunol. 2008 Mar; 121(3):794. – Vortrag beim „Annual Meeting of the American Academy of Allergy, Asthma and Immunology“ (AAAAI), 14.-18.3.2008, Philadelphia/USA (Kurzfassung).
- Schöll I, Ackermann U, Ozdemir C, Blümer N, Dicke T, Sel S, Sel S, Wegmann M, Szalai K, Knittelfelder R, Untersmayr E, Scheiner O, Garn H, Jensen-Jarolim E, Renz H: Anti-ulcer treatment during pregnancy induces food allergy in mouse mothers and a Th2-bias in their offspring. FASEB J. 2007 Apr;21(4):1264-70 (Medline).
- Diav-Citrin O, Arnon J, Shechtman S, Schaefer C, van Tonningen MR, Clementi M, De Santis M, Robert-Gnansia E, Valti E, Malm H, Ornoy A: The safety of proton pump inhibitors in pregnancy: a multicentre prospective controlled study. Aliment Pharmacol Ther. 2005 Feb 1;21(3):269-75 (Medline).
- Hinweis des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen nach § 92 Abs. 2 SGB V -- 1. Protonenpumpeninhibitoren (PPI). BAnz. 2004; 2:67 (Volltext).
Weitere Informationen:
- Bei Sodbrennen-Welt.de: Sodbrennen in der Schwangerschaft - nur ein Symptom?.
- Bei Sodbrennen-Welt.de: Schwangerschafts-Sodbrennen: Seltener als angenommen, keine Verschlimmerung.

